Jahrgang 
3
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Spannung und Ungeduld durchflog er die Zeilen und als er nun am Schluſſe angelangt war, las er das Schriftſtück noch einmal.

Kein Zweifel, wir ſind um die Erbſchaft betrogen worden! rief er.

Ja, ja, aber wer iſt der Betrüger? fragte der Schenkwirth.

Wer? Jakob Herz!

Du glaubſt das alſo auch?

Natürlich. Ich meine mich zu erinnern, Du habeſt damals im vorigen Jahre einen Brief erhalten, in welchem der Konſul Dir anzeigte, ſtatt der gehofften Gelder ſeien nur Schulden vor⸗ handen.

Ganz recht.

Brachte die Poſt den Brief?

Nein. Jakob Herz übergab ihn mir mit der Bemerkung, ſein Schreiber Bernhard Schenk habe dieſen Brief erhalten, da er indeß aus Rio de Janeiro nichts zu erwarten habe, ſo

Ah und das Siegel war unverletzt?

Ja.

Heinrich ſchüttelte den Kopf, er begriff das nicht.

Hier iſt der Brief, fuhr Bertram Schenk fort,ich habe ihn mitgenomen, weil ich dachte, er könne von Bedeutung ſein.

Heinrich prüfte das Schreiben ſehr ſorgfältig.

Der Brief iſt falſch, ſagte er.Davon, daß die Hand⸗ ſchrift des Schreibers nicht dieſelbe iſt, ſehe ich ab, der Konſul beſchäftigt vielleicht mehrere Schreiber. Aber ſchon die Unterſchrift des Konſuls weicht ab. Ferner iſt das Originalſchreiben ab⸗ getrennt worden und der Schreiber des Wucherers hat die un⸗ beſchriebene Hälfte des Bogens benutzt. Das Siegel ſelbſt iſt ſehr künſtlich abgelöſt und ſpäter wieder aufgeklebt worden.

So hältſt Du den Betrug für erwieſen?

Ganz gewiß.

Aber Jakob Herz wird ihn leugnen.

Vorausſichtlich und der Konſul würde klug gehandelt haben, wenn er Deine Vollmachten und die Briefe des Wucherers mitgeſchickt hätte. Bevor dieſe Beweiſe in unſere Hände gelangen, kann der Betrüger längſt über alle Berge ſein.

Ich laſſe ihn einſtecken.

So raſch geht das nicht. Ueberlaß mir die Geſchichte, ich werde ſuchen, ſie zu ordnen.

Ich hoffe, das ſelbſt zu können, entgegnete der Schenkwirth ſehr entſchieden, während er die Schriftſtücke wieder in ſein Portefeuille legte.

In den Augen Heinrich's blitzte es auf, dieſe Weigerung, die er nicht erwartet hatte, ſchien ihn ſehr unangenehm zu berühren.