Jahrgang 
3
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irgend etwas ſich beſchäftigen möchten, wenn Sie es auch nicht nöthig haben. Arbeit beruhigt und tröſtet mehr, als Sie wohl denken, und ich weiß es ja, daß Sie nicht glücklich ſind.

Ich faßte Zutrauen zu ihrer einfachen, ſchlichten Weiſe, ich ſagte ihr, wie ich ganz auf meiner Hände Ar⸗ beit angewieſen ſei, und daß ich den feſten Entſchluß ge⸗ faßt habe, mein Kind muthig durch die Welt zu bringen.

Melbach ſeufzte.So allein, ſo allein, flüſterte er ſchmerzlich,und wie habe ich mich geſehnt, Dich vor Noth zu ſchützen.

Sie küßte demüthig ſeine Hand.Sie that mir gut, dieſe Buße, ſagte ſie,ſie führte mich zurück zu dem Gedanken, daß ich meinem Gram mich nicht hingeben durfte, ohne ein neues Unrecht zu begehen. Frau Hülſen war eine umſichtige, praktiſche Frau und wußte mir in Allem Rath zu geben. Wir kamen überein, daß ich oben das Stübchen behalten ſolle, daß ſie mir meine Arbeiten bezahlen wolle und daß ich für meine Bedürfniſſe ſpäter ihre kleine Enkelin unterrichten ſolle. Ich dankte ihr im Stillen für den Zuſatzſpäter; denn zu Anfang, da waren meine Gedanken ſo wirr und ſchwer, daß ich meine Hände beſſer rühren konnte, als den Kopf. So ging das Jahr zu Ende, und dann, Albert, dann kam ein Tag, ſo ſchwer, ſo dunkel, wie jener, wo ich vor Deiner Liebe und Deinem Zorne floh. Als Frau Hülſen mir mein Kind reichte, daß ich es an mein Herz drücken möge, da benetzten es bittre, verzweiflungsvolle Thränenz ich weiß nicht, ob ich es liebte, ich weiß nur, daß mein Bett ver⸗ laſſen war, daß nicht die ſeligen, frohen Blicke des Gat⸗ ten auf mir ruhten, daß nicht die ſchützenden Arme des Vaters die Kleine ſnſchlangen, daß kein froher Gruß der

Viebe entgegentönte. An ihrer Wiege ſtand Schande und Noth und es blieb ſtill um uns her wir waren

ſchwieg und auch Melbach redete nicht. Alle

ſeine Gefühle waren it Aufregung; aber allmälig wurde