Jahrgang 
3
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die mich in meine Kammer geleitete, mochte das merken, denn ſie ſprach mir theilnehmend zu und kam auch die Nacht noch einmal nach mir zu ſehen. Aber am andern Morgen konnte ich nicht aufſtehen, der Kopf ſchwindelte mir, meine Füße trugen mich nicht. Ein Arzt kam, ein alter, freundlicher Mann mit weißem Haar und Ver⸗ trauen erweckender Stimme. Ich hoffte zu ſterben aber, o Albert, Du weißt nicht wie ſchwer das iſt, mit dem Fluche des Geliebten beladen. Als der Tod mir winkte, da hatte ich Muth, da wollte ich Dich bitten, Deine Verzeihung mir in das Grab zu legen, und ich wollte deshalb irgend einem Menſchen entdecken, wer ich ſei, damit meine Bitte bis zu Dir gelangen möge. Der Ort war ganz katholiſch, ein proteſtantiſcher Geiſtlicher fern, ich entdeckte daher dem Arzte meine Geſchichte. Der alte Mann war gütig und theilnehmend, und verſuchte mich aufzurichten. Aber ach, er drückte mich nur tiefer nieder, er ſagte mir, ich würde leben, nun lag Deine Verzeihung fern, und mir ſchauderte vor dem Leben, das ich vor mir ſah. Mein rathloſer Zuſtand rührte ihn, dennoch pflichtete er meinem Gefühle bei, das mich vor Dir verborgen hielt. Indeſſen verſprach er mir, über meine Angelegenheit nachzudenken und mir nach beſten Kräften Rath zu geben. Schon am nächſten Tage kam er wieder. Vor allen Dingen müſſen Sie hier fort, ſagte er, dies iſt kein Aufenthalt für Sie, ſo gut die Wirthin iſt. Gern böte ich Ihnen mein Haus an, allein meine Frau iſt kränklich und eigen, ich muß Rückſichten auf ſie nehmen, und Sie würden bei ihr die freundliche und tröſtende Zuſprache vermiſſen, deren Sie ſo ſehr bedürftig ſind. Ich habe aber eine Bekannte in Frankfurt, eine alte Dienerin meiner Familie, eine ſehr würdige Frau, der ich Sie empfehlen werde und deren Rath Ihnen nützlich ſein kann für Ihr ferneres Fortkommen. Ich dankte ihm, ach Albert, ich fühlte mich aller dieſer Theil⸗ nahmeuuwerth!

Melbach dructe ſie an ſein Herz, und als ſie die