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Antlitz? Verklärte ſie den Tod mit himmliſchem Licht? — Athemlos und bleich war Anna jeder Bewegung ihres Herrn gefolgt, und als er das Bild an ſein Herz drückte, als er den Ring, den lange verſchmähten nahm, da ſank ſie lautlos an dem Bette auf die Kniee. Sie bettete das Haupt in die Kiſſen und verſuchte mit Gewalt das leiſe Schluchzen zu hemmen, das ihre Lippen beben ließ.
Aber Melbach hörte es doch und verwundert und bewegt fragte er:„Anna, Mädchen, was haſt Du?— Warum weinſt Du ſo? Du findeſt leicht wohl einen beſſeren Herrn.“
„Nie!“ ſchluchzte ſie,„nie, nicht hier, nicht dort; ich habe die Welt durchſucht darnach, ich fand ihn nur hier!“
Eine wunderbare Ahnung flog durch Melbach's Ge⸗ hirn. Dieſes Schluchzen und Beben, dieſe weiche Stimme, die noch nie ſo innig klang, dieſe Art zu ſprechen und zu ſein, war nicht die einer Magd. Er richtete ſich raſch im Bette auf, es wurde hell in ihm, urplötzlich, mit himm⸗ liſcher Klarheit.
„Fliſabeth!“ rief er zitternd, und ſonſt nichts mehr.
Da ſchlug ein leiſer, unterdrückter Schrei an ſein Ohr, ein Laut, in dem alle Schmerzen vergangener Jahre, alle Qualen der Reue, alle Wonnen des Himmels lagen.
„Eliſabeth!“ rief er, und prüfend fuhr ſeine Hand über das ſeidenweiche Haar der Knieenden, über Stirn und Wangen, die von Thränen benetzt waren.
„Ich bin es!“ flüſterte ſie mit gebrochener Stimme, „ich wagte es, o verſtoße mich nicht in dieſem Augenblick!“
„Mein Weib, mein liebes, theures Weib!“ ſagte er und hob ſie empor,„ich habe vergeben, Du haſt genug geweint.“
„Vergeben?“ rief ſie in zitternder Luſt,„vergeben? Du nennſt mich Dein Weib? Es ſoll wirklich, wirklich Gnade geben für die Sünderin?“
Er zog ſie an ſein Herz.„Ruhe hier aus,“ ſagte er mild,—es ſchlägt nicht lange mehr, und jezt wohnt nur Verzeihung darin für Dich; Deine Liebe war größer


