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„Aus Ober⸗Weſel bei Frankfurt,“ antwortete das Mäd⸗ chen im echt ſüddeutſchen Dialert und blieb zögernd ſtehen.
Melbach nickte; es war ein ſtummer Befehl zum Gehen, und ſie verließ das Zimmer.
Von nun an vergingen die Tage in ruhiger Ein⸗ förmigkeit, es änderte ſich nichts mehr in Melbach's Um⸗ gebung. Aber er empfand eine gewiſſe Behaglichkeit, eiten Comfort und kleine Annehmlichkeiten, die ihm Ger⸗ trud nicht verſchafft hatte, ſo treu ſie es auch meinte. Kleine Genüſſe und Gewohnheiten früherer Tage wurden wie durch unſichtbare Hand herbeigeführt, es war, als ob Anna ihres Herrn Bedürfniſſe und Wünſche erriethe. Sie machte Alles recht zu rechter Zeit, ohne zu fragen, und in der Weiſe, wie er es liebte. Dabei übte ihre Stimme einen wunderbaren Zauber auf ihren Herrn, der ihr horchte wie einem ſchönen Liede ſeiner Jugendzeit, und nicht ſelten führten dieſe Töne ihn zurück in eine ferne, glückliche Zeit. Zuweilen freilich lächelte er ſeiner Vergleiche; das Ohr iſt betrüglich, der Zauber würde ſchwinden, meinte er, wenn er die rothwangige Bauern⸗ dirne ſehen könnte, die mit ſo weichem Laute redete. Und doch war auch ſie ſchön, und trotz ihrer groben Klei⸗ dung, trotz ihrer niedrigen Dienſtleiſtung zeichnete ſie ſich aus vor den übrigen ihres Standes. Nach und nach nahm ſie ſogar manche kleine Verrichtungen Jakob's über ſich und die Eiferſucht, die ſich bei ihm geltend machte, wußte ſie zu beſchwichtigen mit freundlichem Wort. Und wer hätte ihr nicht gut ſein ſollen, der ſchönen, ſtillen Anna, die immer arbeitete unberdroſſen, die immer zufrie⸗ den war ſpät und früh.
Mancher Frühling hatte die Bäume mit friſchem Laube geſchmückt, ſeit ſie hier waltete, da wurde der General krank. Die Strapazen der Feldzüge, vielfache Wunden, mehr noch der Kummer, den er ſchweigend ge⸗ tragen und das Unglück ſeiner Erblindung hatten dieſen ſtarken Körper erſchüttert; der Arzt ſchüttelte bedenklich
Haupt, gleich zu Anfang. In raſcher, gefährlicher


