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zu ihrer Schweſter gewandert, die bei Frankfurt wohnte; aber als es nach dem Frieden ſeinem rechtmäßigen Herrn zurückgegeben ward, da kam ſie wieder, wie die Schwal⸗ ben im Frühling. Melbach war das lieb, die Alte kannte ſeine Art; es ging ſtill und geräuſchlos zu im Hauſe. Eines Tages wurde ſie nach der nahen Stadt beordert, eine Verwandte wolle ſie ſprechen. Sie blieb lange, und als ſie wiederkam, waren ihre Augen geröthet wie von vielem Weinen. Sie ſagte ihrem Herrn, daß ihre Schweſter geſtorben und ſie verpflichtet ſei, den Haushalt zu führen, er wiſſe, die Verwandtſchaft komme zunächſt, er möge ihr's nicht berargen. Aber ſie wiſſe ihm eine andere Magd, die ſo gut ſei als ſie ſelbſt, eine Bruderstochter, dieſelbe, die ihr die Nachricht gebracht. Sie bat ihren Herrn dringend, doch wieder Jemand aus ihrer Familie in Dienſt zu nehmen, die dem Hauſe immer angehangen, und der General willigte ein. Es war ihm einerlei, wer den Haushalt übernahm, wenn es nur eine rechtſchaffene Perſon war, und Gertrudens Empfehlung genügte ihm.
Am nächſten Tage kam die neue Magd. Sie war noch jung und rüſtig, kaum im Beginne der dreißiger Jahre, und ihre Haut ſo zart und ihre Hände ſo weich, daß der Jakob ſie ſchier verwundert anſchaute. Aber ſie konnte brab ſchaffen mit den feinen Händen und ihr ſtilles, trauriges Weſen ließ keine Frage zu. Als ſie das erſte Mal bor ihrem Herrn erſchien, da war ſie ſo ſchüchtern, daß ſie zitterte wie Espenlaub, und ſie mußte an der Thür ſich halten. Der General hatte nur eine Kleinig⸗ keit zu befehlen und ſie mußte etwas darauf erwiedernz; ihre Stimme wankte— vielleicht war es Scheu bor dem ſtrengen, ernſten Mann. Aber lieblich klang ſie doch, und eine dunkle Röthe flog über Melbach's Wangen, ein jäher Schreck wie plötzliche Erinnerung. Er richtete ſich hoch im Seſſel auf und beugte ſich vorwärts, wie um zu lauſchen. Aber es war nur ein Augenblick; ein trauriges Lächeln zog wieder über ſein Geſicht, er ſank in den Stuhl zurück und fragte:„Woher ſind Sie?“
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