Im Rathskeller drüben boten die verſchiedenen Zim⸗ mer und Gemächer auch die verſchiedenſten Scenen dar. Unten in dem bekannten Gaſtzimmer berkehrten Land⸗ boten und einige Bauern, welche ihre Körbe abgeſetzt hatten und ſich durch einen Morgenimbiß ſtärkten vor dem Gange auf's Amtsgericht oder was ſonſt ihre An⸗ weſenheit bedingte. Frau Rell, in voller Thätigkeit, ſetzte hier und da ein Glas Bier, einen Schnaps hin, und was ihre Speiſekammer gerade darbot. Der alte Rell hatte Reißen im Beine; der Tanzmeiſter trank Kaffee und goß ſich nach franzöſiſcher Manier einen Cognac mit in die Taſſe, zum Ergötzen der Bauerjungen, die mit ihren Eltern gekommen waren, und auf der Seitenbank ſitzend mit den Beinen baumelten. Der kleine Karl hockte an der Erde neben ſeinem beſten Freunde, dem alten Hunde, ſeinem„Bumköhr“, wie er ihn nach der Angabe ſeines Großbaters nannte. Tabacksrauch füllte die Luft und triefend ſtanden die Fenſter in Schweiß.
So unten im Hauſe. Oben auf der Hinterſeite nach jenem Platze hinaus waren die beiden anderen Fremden einquartiert und damit beſchäftigt, ihre Angriffspläne auf die Geldbeutel der Derrheimer zu machen.
„Tauſend Wetter, das ſchöne Mädchen an dem Fen⸗ ſter da drüben, wo die Blumen ſind, ſehen Sie denn gar nicht? reizend wie eine Venus! Was meinen Sie, ſo ein Modell!“
„Wollen Sie eine Venus malen?“ fragte Herr Plombe, „wer hat die beſtellt?“
„Ach ich meine nur ſo, wenn ich je eine Venus malen wollte; ſehen Sie nur die ſchönen braunen Haare, dieſe Stellung, ganz griechiſch!“


