Jahrgang 
3
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„Sieh mal, Väterchen, welch ein wunderliches Ge⸗ ſicht dort oben aus dem Rathskeller herunter auf den Platz ſieht; es iſt ein Herr mit einem Schnurrbarte, und ſieht beſtändig nach unſerm Hauſe!“

„Tritt nur zurück, Louiſe!“ antwortete ihr Herr Kellner.

„O, mich kann er nicht ſehen, die Blumen ſind ja davorz nein, ſieh mal, da iſt noch einer, der ſieht auch herüber und ſie zeigen hierher.“

Herr Kellner bog ſich vor und ſah auch nach dem Gaſthauſe, wo der Maler Polinskh die Fenſter vom Eiſe befreite, und mit dem Zahnarzte, welcher ihm über die Schulter ſah, von dem Hauſe des Bürgermeiſters zu ſprechen ſchien.

Das fröhliche Mädchen plauderte weiter:„Es ſind wohl gar Schauſpieler da; das ſcheinen welche zu ſein.“

„Wohl ſchwerlich; die wären vorher um Erlaubniß eingekommen.“

„Würdeſt Du ihnen wohl Erlaubniß geben, lieber Vater?“

Luouiſe ſah noch auf die Straße und mochte ſich, ehe eine Antwort erfolgte, plötzlich entfärbt haben; denn ihr Vater fragte ſie beſorgt:„Was haſt Du, Louiſe? Was iſt Dir, Kind?“— Louiſe ſah einem Wagen nach, wel⸗ cher eben am Hauſe vorbeigefahren war und nun nach dem Rathskeller einbog. Ihr Geſicht war erſt blaß, donn dunkelroth geworden.

„Ich?— nichts; ich weiß es nicht!“ und dabei bückt ſie ſich, um etwas vom Boden aufzunehmen; dann ging ſie hinaus. Herr Kellner ſah nach dem Wirthshausfenſter hinauf, indem er glaubte, dort die Urſache der Verlegen⸗ heit zu finden; doch da erblickte er Niemand mehr.