verhüllt, um uns zu verdecken, wie Gott Roſen ſäet auf eines Mädchens Angeſicht,— während der Winterwind heult in der Finſterniß.
Der Wächter hört den Glockenſchlag: 12 Uhr. Hu, es wird kalt; er zieht ſeinen Mantel dichter zuſammen und ruft ab. Gedankenlos ſtreift ſein Auge über die dunklen Fenſter, bis er zu einem kommt, wo Licht ſchim⸗ mert, wohl zum Verlöſchen trübe. Aber ehe noch das Licht verloſchen, iſt in dem engen Kämmerchen ein Leben gebrochen. Eine alte Frau ſtirbt, oder ſage: es bricht ein Tempel zuſammen, gebaut aus Wünſchen, Hoffnun⸗ gen, Freude, Liebe, Entſagen— es iſt Alles eins. Der Wächter betrachtet das Haus, und es umweht ihn halb un⸗ bewußt eine Erinnerung aus ſeiner frühen Jugendzeit von einer fröhlichen, lachenden Dirne.
Du Mädchen, in dem ſchönen freundlichen Hauſe, wenn morgen der Tag Deine Jugend mit neuem Lieb⸗ reize ſäumt, dann ſiehe links in's Nachbarhaus: bald wird eine Leiche herausgetragen werden, einſtmals blü⸗ thenreich wie Du, nur ein Glockenſchlag früher an der Uhr, welche die Ewigkeit in Zeit theilt, nur früher um einen Pulsſchlag Gottes; oder blicke rechts hinauf nach der Kirche, wenn Du es auch nicht gewahrſt— es iſt doch ſo: es fällt Staub vom Thurme.
Doch es iſt noch nicht Morgen. Schauriger Nacht⸗
wind treibt ſich durch die Straßen des Städtchens; raſ⸗ ſelnd hat er die Gärten durchſtreift und zerrt an den Iſten wie ein Vagabond mit zweckloſer Unverſchämtheitz nun faßt er die Schornſteine an, doch weil die zu feſt gebaut ſind, begnügt er ſich damit, darin herunter zu fah⸗ ren und die heiße Aſche auf dem Herde durcheinander zu


