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Horch! wie die Thurmuhr brummt mit ſo beränder⸗ tem Tone, als wenn Schnee in der Luft wärez langſam fällt der Hammer zwölfmal auf die Glocke hoch oben in dem Glockenſtuhle. Auf den Häuſern und über dem Kirchendache liegt dichte Nacht, und ſo mag es da oben ſcheinen, als ſchwebte der Thurm in freier Luft. Bei jedem Schlage erſchüttert die alte Steinwand und ein wenig Staub fällt ab bis unten in das Thurmgewölbe, ſchon ſeit manchem Jahre, immer etwas, bis er dereinſt über Nacht zuſammenſtürzen wird. Die Glocke ſchlägt und der Schall zittert über alle Dächer herab, ganz leiſe klirren die Fenſter, aber wie Wenige hören die Mitter⸗ nachtſtunde. Wer kümmert ſich um das Bißchen Staub, das vom Glockenſtuhle fällt! wer merkt es, daß jede Stunde an dem Staubgebäude Deiner eigenen Herrlich⸗ keit rüttelt, ſorgloſer Menſch!— Morgen früh ſiehſt Du ruhig in den Spiegel, findeſt Dein Geſicht unberändert, den Thurm auch und doch— fällt Staub ab bei jedem Glockenſchlage.
Ich weiß ein Haus in dieſem Städtchen, freundlicher als alle die anderen und in dem Hauſe hinter klaren Fenſterſcheiben trauliche heimiſche Zimmer. Morgen, wenn der Tag durch die Gardinen ſcheint und an ein Lager ſchleichend zwei Augen wach küßt, welche noch keinen Morgen erlebten, ohne ſchöner zu glänzen, als vorher, und die das junge Frühroth fragen könnten in entzücken⸗ dem Stolze: wer iſt ſchöner, Du oder ich? dann ſcheint es faſt, als wenn alle Blüthen, welche die Zeit unmerklich auf dem Antlitze Anderer entblättert, über Nacht ausge⸗ ſtreut wären auf Dich, Du ſchlummernder Engel hinter den Gardinen in dem freundlichen Hauſe, das die Nacht


