unbekannt, mit einigen Jahren Strafarbeit abgebüßt war. Beharrlich und entſchieden leugnete er dagegen jedes an⸗ dere Verbrechen und erklärte nach wie bor, den Juden nach ſeinem Sturze in die rothe Schlucht nicht mehr ge⸗ ſehen zu haben. Röder, der ſchon in den erſten Stun⸗ den nach ſeiner Anzeige dieſe bitter bereut haben mochte, war übrigens zu einer Wiederholung ſeiner Angaben in Schanzens Gegenwart nur ſchwer zu bewegen, und als er nothgedrungen nachgeben mußte, that er dies in ſo unſicherer, für die Zwecke des Gerichts unzureichender Weiſe, daß man ſchnell die Confrontation abbrach, die des Meiſters Lügenſhſtem offenbar zu begünſtigen drohte.
Der Eindruck, den dieſe neuerlichen Begebniſſe in Brambach erzeugten, war zunächſt der der allgemeinſten Entrüſtung. Wir dürfen nach dem, was wir bereits früher über den moraliſchen Werth der Brambacher geäußert, nicht berſchweigen, daß es trotz dem unter ihnen noch eine Partei gab, die das Verbrechen Schanzens gründlich berabſcheute. Der kalte, ruhige, berechnende Mord findet auch bei dem ergrauten Verbrecher ſelten Rechtfertigung, und ſelbſt im Zuchthauſe haben die, an deren Händen Blut haftet, immer nur eine vereinſamte unbehagliche Stellung. Gleichwohl ſprach ſich die allgemeine Stimme über die Verwerflichkeit des Röderſchen Verraths nicht minder entſchieden aus, und die arme Nanni fand theil⸗ nehmende Herzen genug, die in ſo unſäglicher Angſt und Noth zu Troſt, Rath und Hülfe bereit waren.
Die Entrüſtung der Brambacher hatte jedoch auch noch einen zweiten Grund, den der Beſorgniß um ihre Exiſtenz. Daß der unheilſchwere Vorfall nicht ohne Rück⸗ wirkung auf den Schleichhandel bleiben, das Vertrauen
3*


