33
Dieſer Verdacht war geſteigert worden durch die Ent⸗ deckungen, die Röder wie Sepp im Erlenbuſch ſelbſt machten, noch mehr aber durch die Wahrnehmung der Blutſpuren, die Erſterer weit früher als der Feldhüter bis zu Schanzens Behauſung berfolgt hatte. Sein Beſuch bei Nanni in der zweiten Nacht war von ihm ſchlau zur Verfolgung weiterer Spuren benutzt worden. Gegen Mitternacht, als das Mädchen vom Schlaf überwältigt ward, ſchlich er hinab an die Thür des Schanz'ſchen Wohnzimmers und beobachtete den Alten in dem bedeutungs⸗ ſchweren Augenblicke, als jener ſein Raubgut unter dem aufgeriſſenen Fußboden barg. Aber nicht zufrieden damit, auf dieſe Weiſe die Beſtätigung für ſeine Vermuthungen gefunden zu haben, wollte er auch den weiteren Verdacht begründet wiſſen. Deshalb ſchlich er auch dem Meiſter nach, als dieſer mit grauendem Morgen ſein Haus ver⸗ ließ und eine leichte Hucke nach dem Erlenbuſch trug, die — Aaron's Leichnam enthielt. Lange borher, ehe Schanz zurückgekehrt, ſaß er wieder bei Nanni, und als das Mädchen erwacht, erzählte er ihm unter der Vorgabe eines böſen Traumes die Ereigniſſe der Nacht. Nanni errieth Alles. Sie wußte dielleicht auch mehr um Aaron's letzte Stunden, mehr um die Specialitäten des Verbrechens; aber ſie ſchwieg und beſchwor nur unter tauſend heißen Thränen den Geliebten, reinen Mund zu halten. Röder verſprach es in ſeiner Weiſe; er bermaß und verſchwor ſich, ſeine Seele und Alles, was am Menſchen heilig. Leicht möglich, daß er Wort gehalten hätte, nimmer zum Verräther an Schanz geworden wäre, wenn die Verhält⸗ niſſe ſich anders geſtaltet hätten. Seine ſpäteren Aus⸗
laſſungen bei Gericht wieſen deutlich darauf hin, daß es Novellenbuch. Bd. n. 3


