Jahrgang 
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überraſchte ihn auch noch das und jenes, was ihm in

bäueriſcher Umgebung ſonſt ſelten begegnet warz aber

wenn er dann weitere Umſchau hielt und tiefer hinein⸗ blickte in die Zuſtände, da gewahrte er bei all dem äußeren Glanze auch bald den innerlichen Verfall. Viel⸗ leicht ſah er noch ſchonend darüber hinweg, daß die rauhen, unergiebigen Feldflächen, denen man ſonſt nur mühſam den Lebensunterhalt abgerungen, jetzt unangebaut blieben. Denn es bedurfte ſolcher Cultur nicht mehr, ſeit der Schleichhandel florirte. Aber wenn er dann um ſo tiefer hineinſchaute in die Herzen derer, die ſolches Ge⸗ werbe trieben, da war der Boden juſt auch unangebaut, da war das Feld öder und ſteiniger, wie ehedem die alte Berghalde, nichts mehr abzuringen von dem zähen, ver⸗ trockneten, in Sünde und Selbſtſucht verhärteten Herzen, nichts zu ernten, weil die Saat gebrach. Müſſiggang, Genußſucht und Zügelloſigkeit hatten die biedere Treu⸗ herzigkeit verdrängt, die den Gebirgsbewohner ſonſt ſo trefflich charakteriſirt. Nach dem alten trügeriſchen Axiom, daß Alles erlaubt, was nicht verboten, ſich die Brambacher allermeiſt auf jener ſchmalen Linie, die dicht am Verbrechen hinführt, die aus Politik wohl abmahnt von dem offenen Frebel am Geſetz, aber um ſo dringen⸗ der die Umgehung deſſelben empfiehlt.

Wo die Sachen bis zu dieſem Punkte gediehen, finden Begebenheiten, wie ſie die vorliegenden Blätter zu erzäh⸗ len beſtimmt ſind, in den allgemeinen Zuſtänden ihre aus⸗ reichendſte Erklärung. Das Verbrechen erſcheint dann nicht mehr als pſhchologiſches Räthſel, ſelbſt die ruchloſeſte findet leicht und natürlich ihr Verſtändniß.