Jahrgang 
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Herr Aaron von Potsdam hatte den größten Theil des Tages mit der Jungfer Nanni verplaudert, nach ſeiner

Art geſcherzt und das Mädchen geneckt, bis der Abend nahte. Da kehrte Meiſter Schanz wieder, der dem Moſes ein gutes Stück Weges entgegengegangen war.

s iſt Alles richtig, Reb Aaron, ſagte er,wir ſind von R. aus durch den Liebener Grund gefahren, dann links ab an den Kohlenbergen hin bis zum Kammwirth, wo der Moſes jetzt füttert. Kein Hund iſt uns begegnet, geſchweige denn ein Menſch. Um elf Uhr wird er im Erlenbuſch ſein mit Bal⸗ len und Kiſten. Die Tuche mögen zurückbleiben bis morgen.

Recht ſo, verſetzte Aaron,laſſen wir die Collis. Aber iſt der Kammwirth auch ſicher?

Feſt wie Eiſen, ſagte Schanzzhat er doch ſelbſt zehn Jahre Sachen hinübergeſchafft, bis er die Kneipe er⸗ worben, die ihren Mann nährt.

Nanni hatte inzwiſchen ein Abendeſſen aufgetragen, das dem geſtrigen an Vortrefflichkeit und Conſiſtenz nichts nachgab. Die Männer ſetzten ſich, Schanz, um ſich durch einenSchluck zu ſtärken, der ſich bald auf einige Flaſchen erſtreckte, Aaron ſeiner Lieblingsſpeiſe, dem Eierkuchen, zu Liebe, wie er ſagte, obſchon er nur wenig, noch we⸗ niger trank, je mehr die Nacht hereinbrach. Schanz, dem dies nicht entging, ſagte ſpöttiſch:

Ihr ſeid ein Narr! Iſt's doch juſt, als ob Ihr den Weg das erſte Mal gehen ſolltet.

Er ſtand unwillig auf, während Aaron ſchweigend ſeine Börſe auf den Tiſch legte, einen prachtvollen Soli⸗ tair vom Finger, die reich garnirte Tabatiere aus der Bruſttaſche zog und dies Alles nebſt ſeiner nicht minder werthbollen Uhr der Nanni mit den Worten überwies: