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fürchten. Brambach bildete um jene Zeit in der kleinen 6. Reihe Sſcher Gebirgsdörfer, die beinahe ausſchließlich vom Paſcherhandwerk lebten, gewiſſermaßen den Central⸗ punkt. Bei Weitem die größte Hälfte ſeiner männlichen Einwohnerſchaft gehörte zu den kühnſten und berwegen⸗ ſten Schleichhändlern und ſelbſt der kleinere Theil, der nicht direct dieſem Gewerbe nachging, leiſtete denſelben mindeſtens mittelbaren Vorſchub durch Verheimlichung der Contrebande, Boten⸗ und Spionen-Dienſte, Täuſchung der Grenzofficianten und wie die Begünſtigungen und Partierereien nur immer heißen mögen, die der regel⸗ mäßige Betrieb des eben ſo gefährlichen als einträglichen Gewerbes erheiſcht. Unter dieſen Umſtänden durfte es nicht Wunder nehmen, daß letzteres in dem zahlreich be⸗ völkerten Dorfe und als deſſen Haupterwerbsquelle förm⸗ lich organiſirt, zu einem beſtimmten Syhſtem herangediehen war, das weit und breit ſeines Gleichen ſuchte. Eine jahrelange Erfahrung und im ſteten Kampfe mit den jenſeitigen Grenzbehörden erworbene Umſicht und Schlau⸗ heit hatten viel zur Bildung deſſelben beigetragen, das Meiſte aber unbeſtritten jenes vereinte kräftige Zuſammen⸗ wirken einer ganzen zahlreichen Gemeinde, jene Agitationen in Maſſen, die da, wo es zum thätlichen blutigen Zu⸗ ſammenſtoße kam, den Defraudanten bei entſchieden nume⸗ riſchem übergewichte auch beinahe ſtets den Sieg verliehen. Die Brambacher waren an der Grenze weithin gefürchtet 4 und konnten daher auch um ſo ungeſtörter ihre Hand⸗ thierung betreiben, je weniger kleinere Parteien, oder wohl gar einzelne der Grenz⸗ und Zoll-Officianten es wagen konnten, ihnen Hinderniſſe oder perſönliche Gewalt ent⸗ gegenzuſtellen.
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