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eine hämiſche Erklärung wider Euch abgegeben, aber Euer Vertheidiger hat ritterlich dagegen gekämpft. Seid nur guten Muthes, nehmt's wie's kommt, und kommt's zu grob, ſo appellirt— und wie es zu allerletzt immerhin ausfallen mag, wenn Eure Strafe überſtanden iſt, ſeid Ihr der Waldbauer wie zuvor. Laßt Euch kein graues Haar wachſen wegen der Ehre!“ Damit ſchied er.
Ein Jahr Arbeitshaus— das war die Summa der Sentenz, welche der arme Waldgutbauer im Amte zu hören bekam. Dem Amtmann erſchien ſie nach dem Stande der Acten ziemlich mild, den Bauer ſchlug ſie faſt zu Boden.„Nehmt mir mein halbes Gut! nur laßt mir meine Ehre!“ rief er erſchüttert aus. Der Amtmann betrachtete ihn mitleidsboll.—„Warum darf ich hier nicht Richter ſein!“— ſprach er vor ſich hin—„warum ſehen die Richter nicht mit meinen Augen! Wie lange wird dieſes Urtheilſchöpfen aus Tintenfäſſern noch währen!“ —„Faß' Er ſich, Sendig!“ redete er den Verurtheilten an—„mnatürlich appellirt Er gegen dieſes Erkenntniß und ich bin Ihm gut dafür, daß das zweite gelinder ausfällt.“ Die Erklärung, daß Sendig appellire, wurde zu Protocoll genommen und er dann auf Handgelöbniß entlaſſen.
Frau Chriſtiane wartete mit banger Sorge auf die Heimkehr ihres Gatten. Um 3 Uhr Nachmittags rechnete ſie, daß er wieder daheim ſein könnez aber es berging Stunde nach Stunde über dieſe Friſt, und er kam nicht. Da fürchtete ſie, daß er in Haft behalten worden. Sie machte ſich noch Abends auf den Weg nach der Stadt und kam um 10 Uhr in die Wohnung des Amtsfrohns, ſich nach dem Vermißten zu erkundigen. Todesangſt er⸗
Novellenbuch. Bd. l. 16


