Jahrgang 
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griff ſie, als ſie bernahm, er ſei nicht da. Der Frohn begleitete ſie in alle Wirthshäuſer der Stadt, um Nach⸗ frage zu halten; nirgends hatte man ihn geſehen. Troſtlos trat ſie den Heimweg an, es war ſo kalt, daß ſich ihr der Gedanke aufdrängte, Gotthold könne erfroren ſein. Eine fürchterliche Nacht berging der geängſteten Frau; der Morgen kam, aber ohne den Gatten zu bringen. Sie

bot ihre Leute auf und durchſuchte den Wald um⸗ ſonſt: ihr Gotthold war und blieb verſchwunden. Das Amt erließ Steckbriefe hinter ihm; keinSchub brachte den Waldgutbauer zurück. Der des Vaters ſo plötzlich und auf ſo unerklärte Weiſe beraubten Familie verſtrich eine Woche nach der andern in Trauer und Sorgenz der Winter kam und breitete um das Waldgut die Schauer des Todes. Der Name Gotthold Sendig verſcholl über dem Walde draußen, aber drinnen in ſeinem düſtern Schooße tönte die Klage um den Gatten und Vater troſtlos fort. So verging der Winter. Der todte Wald belebte ſich wieder, das Waldgut zog ſeine ſmaragdenen Gewänder mit den ſilbernen Bändern an. Die Bäuerin mußte hinaus, ſtatt des Gatten das Regiment auf Acker und Wieſe zu führen. Wenn ſie die krhſtallene Bergfluth 1 über die ſprießenden Matten leitete, ach! wie manche 11 Thräne floß da über die abgehärmte Wange der guten Frau und miſchte ſich mit dem rieſelnden Gewäſſer! An einem ſolchen Tage ging der Förſter einem Fuchsbau am Ochſenſteine nach. Eine Telle ſenkt ſich bon deſſen Süd⸗ abhang nieder und verliert ſich in eine grauſige Schluc 3 die kein Sonnenſtrahl durchdringt. In dieſe Schlu leitete die Spur des Fuchſes. Der Jäger ſchickte Hunde hinein, eher als er vermuthete, gaben ſie Laut,