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er wieder etwas auf, er war zuweilen heiter im Kreiſe der Seinigen und beſtellte mit alter Rüſtigkeit das Feld. Im Hintergrunde aber lauerte doch noch der Trübſinn der letzten Zeit. Im Schlafe fuhr er oft plötzlich auf:„ſie kommen— ſie holen mich!“ rief er dabei aus, oder ſchluchzte laut. Dann weckte ihn ſeine Frau und machte ihm ſanft Vorwürfe über ſeine Unruhe.„Denk' doch an Deine Kinder, Gotthold!“ ſagte ſie einſt—„wenn Du's ſo fort treibſt, gehſt Du ein und Deine Kinder haben bald keinen Vater mehr.“—„Beſſer, ſie chaben keinen, als einen unehrlichen,“— erwiederte er—„ich wollte, ich läge unter dem Raſen bei meinen Eltern!“ Da be⸗ ſchwor ſie ihn mit heißen Thränen, ſolche Gedanken von ſich zu ſcheuchen, ſich aufzurichten und Gott zu vertrauen, der zuletzt Alles wohl machen werde. Wenige Tage darauf wurde er zur Urtheilsverkündigung in's Amt beſchieden. Die Frau wollte ihn begleiten; er lehnte es ab und ging allein. Es war ein kalter Nobembertag, die Erde knochen⸗ hart gefroren. Auf dem halben Wege begegnete ihm ſein übler Berather Butter. Zu ſpät erkannte dieſer bei ſeiner Kurzſichtigkeit den mißleiteten Bauersmann, ſonſt wäre er ihm gern ausgewichen. Da er dies nicht mehr konnte, faßte er ſich und trat dem Nahenden mit ſcheinbarer Un⸗ befangenheit entgegen. Dieſer erwiederte ſeinen Gruß und fragte, ob er vielleicht ſchon wiſſe, was er zu erwarten habe.„Ich war mehrere Tage verreist und kam erſt geſtern Abend ſpät nach Hauſe,“— erwiederte der Schnei⸗ der—„und dieſen Morgen hatt' ich nicht Zeit, auf's Amt zu gehen. Um Eure Sache ſollt' ich mich ſchon auch nicht mehr kümmern, weil Ihr Euch ſo habt breit ſchlagen laſſen. Ich kann Euch nicht ſagen, wie ich mich


