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Gotthold war erſchüttert von des Paſtors einfachen, herzlichen Worten. Das Waſſer ſtand in ſeinen Augen— er war lange keines Wortes fähig— endlich ſagte er: „Ach, Herr Paſtor— ich glaube, Sie haben Recht— wenn ich doch alsbald ſtürbe!“
„Warum ſolchen Wunſch hegen, Gotthold? Es kommt Jedem ſein Stündlein zeitig genug ungerufen; Ihr habt doch am wenigſten Urſach, es herbeizuwünſchen. Hat Euch Gott nicht in allen Stücken reichlich geſegnet?“
„Aber mein ehrlicher Name iſt hin, das ertrag' ich nicht.“
„In dieſem Augenblick habt Ihr Euern Namen ge rettet vor Gottz denn Ihr habt den Verſucher überwun⸗ den, der Euch zum Meineid verlocken wollte. Nicht wahr, Ihr ſchwöret nicht?“ ₰
„Nein, Herr Paſtor! um Alles in der Welt möcht' ich nun nicht ſchwören.“—
„So iſt Euch auch die Gnade Gottes gewiß und 2 Euere Ehre vor ſeinem Angeſicht gerettet; was Eurer welt⸗ 61 lichen Ehre nun geſchehen mag, das nehmet in Geduld auf Euch, traget's als Kreuz und denket, daß der Hei⸗ ligſte, der je auf Erden gewandelt, viel ärgere Schmach erlitten, als Euch bedrohen kann. Vielleicht nimmt Eure Angelegenheit einen beſſern Ausgang, als Ihr jetzt denkt; ich werde ſelbſt mit dem Herrn Amtmann reden und für 5 Euch thun, was ich kann.“
Den Augen des Bauers entſtrömten Thränenz krampf⸗ haft ergriff er die Hand des Geiſtlichen und ſchluchzte:
err Paſtor, um meines guten Weibes, meiner unſchul⸗ digen Kinder willen, bewahren Sie mich vor der Schmach, ein Dieb zu heißen.“
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