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fragte ſie erſchrocken—„ſteht Deine Sache doch ſchlimm im Amt?“—„Ach nein, das nicht,“— ſagte er— „aber es kränkt mich, daß ſie mich zum Dieb machen wollen, und es kennt doch Jedermann den Waldgutbauer. Das Forſtamt zumal ſollte wiſſen, daß ich ein ehrlicher Mann bin, iſt doch von uns auch noch nie ein Zaun⸗ ſtecken aus dem Forſt geholt worden und hab' ich doch die Ochſenſteinhaide entwäſſert auf meine Koſten, obſchon der Staat ſo großen Nutzen davon hatte, wie ich. Und nun ſoll ich doch ein Dieb ſein!“—
Der Proreß nahm nun einen ganz andern Gang, als der pfiffige Schneiderconſulent vorgezeichnet hatte. Zwar trug der bon ihm dem Angeklagten beſtellte Anwalt auf 3
Niederſchlagung der Unterſuchung an und machte die 5 Civilklage gegen das Forſtamt anhängig, allein er be⸗
wirkte nur eine Suspenſion des Verfahrens, bis zur Entſcheidung der Civilſache. Mittlerweile wurden die ge⸗ fällten Stämme in Beſchlag genommen, mit Schmerz und Grimm mußte Sendig ſie wieder an ihren Stand⸗ ort zurückfahren ſehen. Es dauerte nicht lange, ſo wurde er veranlaßt, den ihm deferirten Eid zu leiſten, daß die Tannen bon ſeinem Großvater gepflanzt worden wären. Er glaubte ſo beſtimmt daran, er hatte ſich von früher Kindheit an ſo ganz und gar in dieſen Glauben hinein⸗ gelebt, daß er keinen Augenblick Bedenken trug, den Eid abzulegen. Anders war es bei ſeiner Frau. Dieſe hatte zwar ſeinen Glauben bis jetzt getheilt; aber als ſie ver⸗ nahm, daß er ſchwören ſollte, erſchrak ſie und ihr Ge⸗ wiſſen ängſtigte ſie dergeſtalt, daß ſie mitten in der Nacht den geliebten Lebensgefährten beſchwor, lieber den Proceß zu berlieren, als doch bielleicht falſch zu ſchwören, da er


