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ehrung noch werth waren. Sie konnte nicht das Kind bereden zu einer Lüge gegen den Vater, der die Schande ſeiner Gattin bemänteln ſollte.— Kielsky's glihender Blick weilte mit ſtummer Beredtſamkeit auf Marie; ver⸗
Fand er den Kampf, oder waren es Nachklänge früherer
Leidenſchaft⸗ Denn für ihn war Marie ſchöner, denn jemals; das üppige Weib, das im Zenith ihrer Schön⸗
heit ſtand, gereift im Sc und Kampf des Lebens,
der ſtarke Geiſt, der auf dem Schutthaufen ſeines Glückes auf's Neue Blumen brechen konnte, um das einſame Leben
damit zu ſchmücken, der Noth, Verlaſſenheit, Elend und Reue, der das Andenken, ach an ſo Vieles, was dem Herzen nahe ſtand, bewältigen konnte, um Andere zu be⸗ glücken durch das ſtille Lächeln der Zufriedenheit: ſolch ein Weib war für ihn begehrungswerther, als das harm⸗ loſe, blühende Kind, das er vor langen Jahren einſt flüchtig geliebt.
„Morgen kommt Alexander,“ ſagte Marie, ſich zu ihrem Gemahl wendend,„es iſt ein Brief von ihm ein⸗ gelaufen, der ſeine Ankunft meldet, ich vergaß bis eben, es Dir mitzutheilen; der Tag war ſo bewegt— aber eine Freude kommt ja nicht zu ſpät.“
„Das iſt ja ſuperbe,“ rief der Graf,„einen ange⸗ nehmeren Zuwachs unſerer Geſellſchaft hätten wir uns nicht wünſchen können; ich habe den Jungen ungemein lieb. Alerander von Schlettendorf,“ ſagte er erläuternd zu Kielskh,„iſt mein Neffe, der einzige Sohn einer ge⸗
Uebnn Schweſter, die einen Baron bon Schlettendorf,
vner jüngeren Linie des Schlettendorf'ſchen Hauſes ange⸗
( ig, geheirathet hatte. Der Himmel hatte mir einen 1 Sohn verſagt, ich liebe daher Alexander wie meinen gen
Novellenbuch. Bd. 1. 2.


