Jahrgang 
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Haar in weichen Wellen umſchloß. Paula's Fröhlichkeit, ihre geiſtreichen Einfälle belebten die kleine Geſellſchaft, und noch ehe der Abend bergangen war, wußte die Gräfin, daß Kielskh ſich ernſtlich um Paula's Gunſt bemühe und daß ſie ihm wenigſtens nicht abgeneigt ſei, ja ihn eher in ſeinen Beſtrebungen ermunterte vielleicht unbewußt. Marie erſchrak davor. Das konnte, das durfte nicht geſchehen. Paula, mit ihrem argloſen, jugendfrohen Herzen durfte nicht die Gattin dieſes Mannes werden, der ſie ſelbſt berrathen, verachtet und verlaſſen hatte, nachdem ſie im gläubigen Vertrauen ihm ein Herz gegeben hatte, ſo kindlich rein, voll Jugendmuth und Hoffnung, wie es jetzt Paula beſaß. Aber wie ſollte ſie ihm hindernd ent⸗ gegentreten, wenn ſie nicht ein Bekenntniß ihres eigenen früheren Lebens geben wollte, ein Bekenntniß, das ihren Gatten zum Tode verletzen, ſeinen Namen beflecken würde, den Namen, der auch ihr Schutz und Ehre verliehen bis hie⸗ her. Marie ſann und ſannz ach, es wollte ſich kein Aus⸗ weg finden aus dieſem Labhrinthe! Sie dachte daran, ſich Paula zu entdecken, um ſie zu warnen, und den Grafen zu umgehen. Aber ihr Athem ſtockte und ihr Herz ſtand ſtill, wenn ſie ſich das ausmalte. Sie liebte Paula zärtlich und mit hingebender Treue, wie eine wahre Mutter, und das junge Mädchen hatte mit Liebe und Ehrfurcht wie zu einem leuchtenden Vorbilde zu ihr auf⸗ geſchaut. Konnte, durfte ſie die reine Phantaſie ihres Kindes trüben mit den Bildern voll Leidenſchaft und Schwäche, boll Verrath und Schande? Nein, nein, ſie konnte ſo jung ihr nicht den Glauben nehmen an das Gute und Wahre, ſie nicht erfüllen mit Argwohn und

Mißtrauen auch gegen die Menſchen, die Paula's Ver⸗