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„Nein, nein, Mama,“ rief Paula,„das iſt Wirklich⸗ keit, eine angenehme Wirklichkeit, es iſt der Graf Kielskh, von dem ich Dir in einem meiner Briefe geſchrieben und den ich Dir als unſere intereſſanteſte und erfreulichſte Bekannt⸗ ſchaft genannt habe. Erinnerſt Du Dich daran?“
„Kielsky alſo,“ ſagte die Gräfin tief aufathmend, „nein, ich wüßte das nicht, das heißt, ich erinnere mich ſehr wohl, daß Du mir von einem Fremden geſchriebenz allein Dein Brief war ſo flüchtig, Du hatteſt beſonders den Namen, bei dem ich mir ja auch nicht mit Rathen helfen konnte, ſo undeutlich geſchrieben, daß ich ihn nicht entziffern konnte. Allein, das thut ja auch nichts zur Sache,“ ſagte ſie gefaßter und mit einem ſchwachen Verſuche zum Lächeln,„Euer Freund iſt mir willkommen, und ich bin nur betrübt, daß ich Euch gleich bei Eurer Ankunft ſo in Angſt und Schrecken verſetzt habe.“
„Aber, liebes Weib,“ rief Schlettendorf,„das iſt ja längſt aufgewogen durch die Freude und Beruhigung, die Du uns giebſt, indem Du wieder denkſt und ſprichſt und ſchon wieder um uns ſorgſt. Aber wie bleich Du noch biſt,“ ſagte er und ſtrich ihr freundlich und liebkoſend das Haar von der weißen Stirn zurück,„komm, ich trage Dich hinauf in Dein Zimmer, da ruheſt Du beſſer, und Paula bleibt bei Dir, während ich, um nicht die dringend⸗ ſten Pflichten der Gaſtfreundſchaft zu verletzen, mich nach Kielskh umſehen werde, damit er ſein Zimmer und ſeine gehörige Bequemlichkeit finde.“
„Nein, nein, Guſtav,“ bat die Gräfin,„ich fühle mich gar nicht ſchwach, ich ruhe ein wenig, aber ich gehe hin⸗ auf, allein und. ſicher, wie immer, glaub' es mir, und wenn Ihr meinem Wunſche nachkommen wollt, ſo bleibt


