Jahrgang 
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9 durch das mächtige Thor, deſſen verroſtete Eiſenpforte weit geöffnet war, in den großen Schloßhof. Uralte Kaſtanien breiteten ihre Iſte darüber aus und in der Mitte, dem Eingange gegenüber, lag ein großer ſteinerner Spring⸗ brunnen, der aber wohl lange ſchon ſein Spiel aufgegeben hatte, denn der Triton, der früher den Waſſerſtrahl in die Höhe geblaſen, war jetzt einarmig und konnte, invalid wie er war, keinen Dienſt mehr thun. Aber man ſchmückte ihn doch, den alten Veteranen, und der breite ſteinerne Rand des Baſſins war mit blühenden Topfgewächſen beſetzt. Aus den Ritzen der breiten Steinplatten drängte ſich das Moos und ſie waren überzogen mit dem grünlichen Schimmer, den das Alter ihnen verleiht. Das Haupt⸗ gebäude war ein großartiger, majeſtätiſcher Bau, und zu dem mächtigen Portale führte von beiden Seiten eine breite ſteinerne Treppe, deren Geländer, ebenfalls mit Epheu überkleidet, den Eingang anmuthig umkränzte, der unter ihr in das Souterrain des Schloſſes führte. Die Wirth⸗ ſchaftsgebäude und ihr geſchäftiges Treiben lagen außenz hier innen herrſchte Ruhe, und dieſe Stille hob den groß⸗ artigen Eindruck der alterthümlichen Umgebung. Aber noch ehe der Wagen hielt, öffneten ſich die ſchweren Thür⸗

flügel des Hauſes, und eine ſchlanke Frau, die die Dreißig kaum überſchritten hatte, eilte die Stufen hinab, den An⸗ kommenden entgegen.

Willkommen, willkommen! rief ſie mit weicher, klang⸗ voller Stimme und ruhte einen Augenblick an dem Herzen des Gatten, ehe ſie ſein blühendes Töchterlein in ihre Arme zogzich bin ſo froh, daß ich Euch wieder habe. Der Pole war während dem aus dem Wagen geſprungen und Schlettendorf beeilte ſich, ihn ſeiner Gattin vorzuſtellen,