Jahrgang 
1
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wohl, geliebt und geſucht zu werden; ſie, das verwöhnte Kind, war das ſo gewohnt, daß es war, als müſſe es ſo ſein, und ſo hatte ſie ſich bald gewöhnt, ihn beſtändig in ihrer Nähe zu ſehen. Er war ihr Begleiter, wenn ſie ſpazieren ritt, auf ſeinen Arm ſtützte ſie ſich, wenn ſie zu⸗ ſammen die Berge erſtiegen, er bot ihr des Morgens den Becher mit dem klaren Morgentranke, den ſie in der Frühe in der Trinkhalle nahm, er war ihr Tänzer, ihr Geſell⸗ ſchafter, der Bevorzugte vor all' ihren übrigen Verehrern. Und ſo dauerte es nicht lange, bis ihre Namen gemein⸗ ſchaftlich genannt wurden, der eine nicht ohne den andern, und man ſah es als eine ausgemachte Sache an, daß Graf Kielsky ein eifriger Bewerber um die Hand der jun⸗ gen, ſchönen Comteß Schlettendorf ſei, die nur noch ein wenig ſpröde that, nach verwöhnter Mädchenart.Wird ſie ihn nehmen? Iſt er ihr nicht zu alt? Wird der Graf ſeine Einwilligung geben? Iſt er ſo ſituirt, daß er ſie in dem Glanze und Lurus wird fortleben laſſen können, an den ſie gewöhnt iſt? das und ähnliche waren die Fragen, die die Badegeſellſchaft auf's Lebhafteſte beſchäf⸗ tigten. Und was auch hat eine Badegeſellſchaft Wich⸗ tigeres zu verhandeln, als in Ausſicht ſtehende Heirathen oder ſtattgehabte Scandaloſa?

Graf Schlettendorf war der Einzige, dem dieſe An⸗ näherung des Polen nicht außufallen ſchienz oder vielleicht wollte er keine Notiz davon nehmen, weil ihm eine ernſt⸗ gemeinte Bewerbung Kielskh's eben ſo unwahrſcheinlich a eine erwiedernde Neigung von Seiten Paula's ſchien. geiſtreiche, anregende Unterhaltung des Fremdlings, ſcharfer Witz, ſeine feine Beobachtung waren ihm zu an⸗ genehm, als

daß er um eines müſſigen Geſchwätzes willen