nete Haugwit,„ihr ganzes Herz gehoͤrt nur der deut⸗ ſchen Sache.“—„Das wißt Ihr, und woher?“ forſchte Contarini.„Ich glaube es,“ ſagte dieſer ein⸗ lenkend;„ihre zweite Heimath, der Sieg, an dem das Heil ihrer Wohlthaͤter haͤngt, alles buͤrgt mir da⸗ fuͤr.— Zudem, wenn ein Maͤdchen auch weint, darf uns das in unſrer Pflicht ſtoͤren?“„Barbar! Ihr liebt ſie nicht!“ rief gluͤhend Contarini.„Ja, wie meine Seele lieb ich ſie,“ fiel Haugwitz ein,„mein Leben gaͤb ich fuͤr ſie hin, um ſie zu retten, zu ſchuͤz⸗ zen, zu begluͤcken, aber die Pflicht ſteht hoͤher, und ich faß es nicht, wie nur der leiſeſte Zweifel obwalten kann, wo dieſe gebietet. Mein Herz weiß nichts von ſolchen Kaͤmpfen, wie Dichter und Geſchichtſchreiber ſie ſchildern und verherrlichen wollen. Stimme der Pflicht, Stimme Gottes, jeder Moment des Zwei⸗ fels iſt Frevel und Suͤnde!“„So liebt Ihr nicht,“ fiel wiederum Contarini ein.„Eben, weil ich ſie un⸗ ausſprechlich, ewig, unbegraͤnzt liebe,“ entgegnete Haugwitz,„bin ich ſo feſt und klar in mir ſelbſt. Wie koͤnnt ich ſie alſo haſſen, daß ich durch mein Schwanken, meine Ehrvergeſſenheit den Makel mei⸗ nes Thuns auf ihre Seele lude? Je ſchoͤner ich handle, in der Liebe zu ihr, je mehr begluͤck ich ſie; denn das iſt edlen Mannes Art, daß er durch Strenge und
Nieeinheit der Geſinnung und des Wenols ſich der
Ehre wuͤrdig zeigt ein reines Frauenbild liebend in
ſich zu tragen!“„Ich aber,“ entgegnete Contarini,
„ halte alles, was zarte Empfindungen in der Gelieb⸗ ten Bruſt verletzen kann, fuͤr Unrecht und fuͤr eine
Schmach, die man der Liebe anthut. Iſt Liebe meine
Gebieterin, ſo muß ſie allwaltend ſeyn, und ihre


