Periodikum 
Penelope : Taschenbuch der Häuslichkeit und Eintracht gewidmet auf das Jahr ... / hrsg. von Theodor Hell
Einzelbild herunterladen

X

10

ſein Strahlenauge ruhte mit unverkennbarer Innig⸗*

keit auf ihrer Huldgeſtalt. Er ließ ſie fuͤr den Abend nicht mehr los, und, als ob eine hoͤhere Kraft ſie unwiderſtehlich hinriſſe, blieb ſie ihm zu⸗ geſeilt. Sie fuͤhlte ihr Herz an ſeinem Blick ſich aufſchließen wie die Knoſpe im Sonnenlicht, Schmer⸗ zen und Wonne, nie geahnt, durchzuckten ſie ſtur⸗ miſch, das ganze Leben war ihr neu; ſie kam ſich vor, wie aus tiefem Schlaf erwacht in einer Wun⸗ derwelt, und wußte nicht, wohin mit dem Andrang von maͤchtigen Gefuͤhlen in der jungen Bruſt. Con⸗ tarini hielt ſich verborgen; Agnes gedachte ſein nicht mehr, als habe ſie ihn nie geſehn. Beim Scheiden nahm Haugwitz Agneſens Hand, hielt ſie in den beiden ſeinigen, und ſprach: Euer Name, mein zartes FraͤuleinAgnes, ¹1 fluͤ⸗ ſterte ſie, und ſie ſah ihn heftig erſchrecken.Ag⸗ nes! wiederholt' er,der Name iſt mir in die Seele gepraͤgt. Leben, Liebe Tod, Schmerz und Wonne haben ihn mir mit Feuerzuͤgen in mein Herz geſchrieben; ich beſaß ein liebes Weib, ſie war Euch ganz aͤhnlich, ſie hieß Agnes auf Wiederſehn, ſchoͤne, edle Agnes! er druͤckte ihre Hand an die Lippen und verſchwand; traͤumeriſch blickte ſie ihm nach. Scchweigend ritten die Krieger nach Dachſtein zu⸗ rück durch die Stern beſaͤete Winternacht. Conta⸗

rini ſuchte Haugwitz zu vermeiden, doch dieſer lenkte 3

zuletzt ſein Roß zu ihm heran.Kamerad, flu⸗ ſterte er ihm zu,ich habe Euch nicht mit der Schoͤ⸗ nen geſehen, die Ihr ſo feurig beſchrieben. Den Spott duld' ich nicht, rief Contarini, ganz em⸗

4

*