Periodikum 
Penelope : Taschenbuch der Häuslichkeit und Eintracht gewidmet auf das Jahr ... / hrsg. von Theodor Hell
Einzelbild herunterladen

7

das Alles nicht ſo hoch anſchlagen! Der Feind hat Arbeit, bis er in unſere Nachbarſchaft kommt; iſt er da, dann wollen wir ihn unſrerſeits zu ſchaffen machen! Sonntag iſt wieder ein Goͤtterfeſt in Straßburg, Haugwitz, und Ihr ſeyd geladen! Ich kann Euch unmoͤglich all' die ſchoͤnen Sachen berich⸗ ten, welche mir die Herzogin an Euch aufgetragen, denn ich werde eiferſuͤchtig; was hilft's auch? Ihr kommt nun einmal nicht!Ho, ho! rief Haug⸗

witz,Ihr meint wohl, ein Mann, der Herz

hat, habe kein Herz? Dieſe Woche muß hier die dringendſte Arbeit gethan ſeyn, und dann erhol ich mich einmal gern an ſchoͤnen Blicken, denen ich Zeit meines Lebens nicht Feind geweſen!

Seyd Ihr nicht vermaͤhlt, Commandant? Ich bin Wittwer, lieber Graf, und nie werd' ich meines Weibes vergeſſen; wenn ich aber ihr Ab⸗ bild wo finde, ſo ein recht hohes und ſuͤßes Geſchoͤpf voll Anmuth und Klarheit, voll Gluth und Schuͤch⸗ ternheit, wie meine Agnes war, ſo.Agnes? unterbrach Contarini hocherroͤthend.Kennt und liebt Ihr eine Agnes? forſchte Haugwitz.Ja, rief der Graf,ich kenne eine, ſie iſt die Bluͤthe von Lothringens Hofe, ſchlank und hoch wie die Lilie, und wie das Veilchen ſuͤß; ihre dunkeln Locken um⸗ weben, wie Zauberſchlingen, in denen die Seele ſich faͤngt, das bluͤhendſte Antlitz und den ſchlanken Hals; ihr Wuchs iſt wonniglich und prachtvoll zugleich; ihr kleiner Fuß ſcheint nie die Erde zu beruͤhren, ihre Hand iſt ein Inbegriff von aller Lieblichkeit, doch wovon kann man noch ſprechen, wenn man ihre Augen geſehen! Kann man ſich ſchwarze Sonnen