Periodikum 
Penelope : Taschenbuch der Häuslichkeit und Eintracht gewidmet auf das Jahr ... / hrsg. von Theodor Hell
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als ein verwegener und heldenkraͤftiger Ritter be⸗ kannt, und die Schoͤnen blickten ihn guͤnſtig an, denn Tapferkeit iſt der Schmuck des Mannes.

Agnes auch ſchien Graf Contarini allen andern, die ſich um ihre Huld bewarben, vorzuziehn. Con⸗ tarini mußte ſich fuͤr geliebt halten, ſein ganzes Weſen athmete ſelige Trunkenheit der befriedigten Liebe. Strenge Ehrfu cht gegen die Dame ſeiner Ge⸗ danken gebot ihm ſeine Ritterlichkeit; je mehr er ſich fuͤr begunſtigt hielt, je zarter und ernſter be⸗ nahm er ſich gegen Agnes. Reine Frauen haben Sinn fuͤr ein ſolches Bezeigen; noch liebte Agnes den Grafen nicht, allein ſie war ihm geneigt, und ſie ließ es ihm merken.

Contarini fand Agnes an dieſem Abend truͤbe geſtimmt, er wagte mit ſchüͤchterner Theilnahme ſie zu fragen, warum?Meine Landsleu nahen ſich Deutſchlands Grenzen ſprach Agnes,ſie werden das ſchoͤne Land mit Mord und Verheerung uͤberziehn, ſie werden untergehn oder ſiegen; mein Herz wird leiden, was auch geſchehe, denn Deutſch⸗ land iſt meine zweite Heimath geworden, und mein Herz kann von Frankreich nicht laſſen. Wie ſollt' ich Deutſchland nicht lieben? Ich habe hier

Freiſtatt, Ruhe, Gluͤck und Hoffnung gefunden, doch im tiefſten Innern wuͤnſche ich, daß meine Landsleute ſiegen. Oft hoͤre ich preiſend von den

rauen dieſes Landes ruͤhmen: ſie haben ein deut⸗ ſches Herz wie nun, wenn ich fuͤr das hoͤchſte Lob, das einer edlen Franzoͤſin zu Theil werden kann, den Ausſpruch halten muͤßte: Sie hat ein fran⸗ zoſiſches Herz? Wohl, entgegnete

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