Periodikum 
Penelope : Taschenbuch der Häuslichkeit und Eintracht gewidmet auf das Jahr ... / hrsg. von Theodor Hell
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und zog ſich ſchnell in das ihm angewieſene Zimmer zuruͤck.

Ein Stock! rief der feurige Rothkirch ihm nachein Baͤr aus deutſchen Hoͤhlen, rief Frescobaldi; doch Contarini fiel ein:Nein! er iſt ein Ehrenmann, er laͤßt mich heut Agnes ſehn! Die Uebrigen lachten. Sie eilten nun Alle, ſich zum Feſt zu ſchmuͤcken, zumal die italie⸗ niſchen Offiziers, und obwohl gluͤhend von Haß und Vertilgungswuth gegen Frankreichs Heer, treten ſie, duftend von Pariſer Eſſenzen und prangend mit niedlichen Taͤndeleien aus den Magazinen der Haupt⸗ ſtadt Frankreichs, in den hellerleuchteten Saal, wo der Herzog von Lothringen ein Feſt gab.

Agnes, die glaͤnzendſte und anmuthigſte der Hof⸗ fraͤuleins der Herzogin war franzoͤſiſcher Abkunft, aus altem, edelm, doch durch Armuth und Miß⸗ geſchicke gebeugtem Geſchlecht. Strahlend in eben

entknoſpter Jugendſchoͤne, ſchien ſie kaum der Erde

zu gehoͤren, da ihr Geiſt, ihre Anmuth, ihre be⸗ zaubernden Talente ſich in ihr zu einem Ganzen vereinten, desgleichen jene Zeit nicht auzuweiſen hatte. Reich geſchmuͤckt mit den Geſchenken der Her⸗ zogin, die ihr muͤtterlich vor Allen hold war, uͤber⸗ ſtrahlte ſie alle Damen des Feſtes, und nichts war der Anmuth vergleichbar, die ſie bei den zierlichen Taͤnzen entfaltete. Doch ſchien ſie nicht zu wiſſen, wie herrlich und ſchoͤn ſie ſey, und ihre anſpruch⸗ loſe Beſcheidenheit war der entzuͤckendſte ihrer Reize.

Wer den hohen, ſchlanken, feurigen Contarini

neben Agnes in den Reihen hinſchweben ſah, der

hielt Beyde für einander geſchaffen. Auch war er 12