Jahrgang 
1868
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die ſehr geſchickt angebracht iſt. Sofort ſtürzt eine der jungen Putz⸗ macherinnen heraus und der Dame zu Hülfe; man entſchuldigt ſich tauſendmal und nöthigt die Dame herein, um den Schaden auszu⸗ beſſern. 6 Während dies geſchieht, ſind die übrigen Damen beſchäftigt, Alles, was Schönes und Elegantes im Magazin, auszukramen; es herrſcht die größte Geſchäftigkeit.Vergeſſen Sie nicht die Ballrobe für die Gräfin 2.!Gehen Sie zur Herzogin Z.!Iſt die Garnitur für die Prinzeſſin B. ſchon beſorgt? So ruft Eine der Andern zu, die Dame bekommt natürlich eine hohe Idee von der Bedeutung dieſes Geſchäfts, ſie macht ihre Einkäufe und der Coup iſt gelungen.

Die Flagge deckt die Waare und manche Bruſt wird heute mit Orden geziert, die mit Mühe der Sträflingsjacke entgangen.

Herr X. hat lange die Sehnſucht, decorirt zu werden, aber er hat eine Vergangenheit, die dicht am Zuchthaus vorbei geſtreift iſt; indeß hat er einen Freund, der ihm verpflichtet und mit dem Miniſter bekannt iſt. Dieſer Freund hat verſprochen, bei dem Letztern ein gutes Wort einzulegen, und wirklich ſieht er ihn auf der Promenade mit dem Miniſter ſprechen.

Was hat er geſagt! fragt A. in großer Spannung.

Hat er etwas gegen mich?

O nein, im Gegentheil, er antwortete mir: ſagen Sie Herrn., er möge unbeſorgt ſein; ich werde dem Polizeidirector ſagen, er ſolle ihn nicht beunruhigen.

Der neue Ankömmling.

Wenn der Menſch nach den Theorien von Darwin und Vogt wirklich im Affengeſchlecht ſeinen Urſprung findet, ſo muß man die Beweiſe dafür nicht einſeitig aus dem körperlichen, ſondern vielmehr aus den allerdings noch weniger ſchmeichelhaften geiſtigen Aehnlich⸗ keiten herleiten. Die geſellſchaftlichen Zuſtände des Affen⸗

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geſchlechts zeigen uns mehr als jede Schädelbildung die unumſtößliche

Richtigkeit der Vogt'ſchen Lehre. Wer das uns vorliegende Bild aus dem Affenhauſe irgendeines zoologiſchen Gartens genau betrachtet, und wer nebenbei ſchon einmal in der Lage war, für einige Zeit als fremder Eindringling in eine kleine Stadt gerathen zu ſein, der wird erſtaunen, mit welcher wunderbaren Naturtreue die menſchlichen philiſtröſen Spießbürger ihreUrahnen in Vogt copiren. Wir bemerken da zuerſt und am auffälligſten den großen, ſchwarzen Hrang, ſeiner ſocialen Stellung nach wahrſcheinlich dergeheime Com⸗ miſſions⸗Affe des Etabliſſements, wie er mit drohender Miene dem neuen Ankömmling entgegen tritt:Was willſt du, kühner Fremdling, hier? Seine liebende Gattin ahnt im Gemüthe bereits die zukünftige Suprematie des Neuen, und angſterfüllt umklammert ſie den Gemahl und verbirgt ſich an ſeinem geheimen Commiſions⸗ Buſen. Neben ihnen, zum Sprunge gebückt, mit gefletſchten Zähnen, kauert eine gemeine Affenſeele voll Neid und Misgunſt, bei der es ſich augenſcheinlich weniger um den Ehrgeiz als um das Futter handelt. Er fürchtet von jetzt an bei den Mahlzeiten zu kurz zu kommen. Was Wunder? Gönnt ja unter den Menſchen auch einer dem andern nicht das tägliche Brot! Rechts und links von den Hauptperſonen äußern einige Affenminorum gentium ihr Mis⸗ fallen über den Neuen durch möglichſt blödſinnige Sprünge und Geberden. Der kleine am äußerſten Flügel iſt jedenfalls der unſchä⸗ lichſte und feigſte von allen; dafür reißt er aber auch das Maul am weiteſten auf. Und nun der Neue ſelbſt! Auf ſeinem biedern Antlitz liegt Wohlwollen und Lohalität. Nicht aus freier Wahl drängt er ſich in den fremden Cirkel, die unerbittliche Macht der Ver⸗ hältniſſe hat ihn, wahrſcheinlichim Intereſſe des Dienſtes, dahin verſetzt. Fern iſt es von ihm, einen andern beeinträchtigen zu wollen, ſeine Seele iſt frei von Ehrgeiz, und ſein Hunger bewegt ſich in den Grenzen des Anſtandes; nur ſein Herz iſt unbefriedigt, es ſehnt ſich nach Liebe. Und jetzt hat er gefunden, was er erträumte. Da oben ſitzt ein Affen⸗Mädchen, geſchmückt mit allen Reizen der Species, und vorüber iſt ſein Bangen vor den drohenden Gegnern, er achtet nicht die Gefahren, die ihn in nächſter Nähe erwarten, erblickt nur hin⸗ auf in die Höh. Möge ihn ein gütiges Geſchick glücklich aus ſeiner Feinde Macht befreien, und möge ſeine Liebe belohnt werden, wie es ſein reiches Herz verdient! Siegmund Haber.

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