Jahrgang 
1868
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Desdemona eine ebenſo vollendete Originalſchöpfung wie die Desdemona der Malibran. Es möge hier auch noch erwähnt ſein, daß die ehrgeizige Malibran,nachdem ſie lange Zeit in der Rolle der Desdemona die Pariſer zum höchſten Entzücken hinge⸗ riſſen, um das unerſättliche Publikum durch ein neues Reizmittel

die Partie der Desdemona der Schröder⸗Devrient zufiel. Es war die Benefiz⸗Vorſtelluug der Malibran, die bei dieſer Gelegenheit, wie uns Frau von Glümer in ihrenErinnerungen an Wilhelmine Schröder⸗Devrient erzählt, eine gemeine Rache an ihrer großen deutſchen Rivalin nahm. Doch zurück zu unſerm Thema.

Während die Sontag dieſe großen Bühnentriumphe nicht errang, ſondern durchlebte, beeilte ſich die hohe Geſellſchaft Londons ihr zu zeigen, daß ſie noch immer Lady geblieben und als ſolche zu betrachten ſei. Sie ſang auch in verſchiedenen faſhivnabeln Concerten; ſo in einem großenMorning-Concert, in vier Sprachen, nämlich die Zingari, von Donizetti, in Italieniſch; die große Arie aus demFreiſchütz, in Deutſch;With verdure clad, aus der Schöpfung, in Engliſch, undRobert, toi que j'aime, ausRobert der Teufel, in Franzöſiſch.

Die letzte Oper, in welcher die Sontag während dieſer Saiſon, 1849, erſchien, warFigaro's Hochzeit. Wer hätte nicht von ihrer reizenden, hinreißenden Suſanna gehört? Dieſes mal war ſie trefflich von der Parodi als Gräfin und von der Alboni als Cherubino(ein ziemlich dicker Page, ſollte man denken) unter⸗ ſtützt. Es war eine Glanzvorſtellung, in welcher ſie die Perle, der Diamant reinſten Waſſers war. Wir dürfen hier nicht vergeſſen zu erwähnen, daß ungeachtet des ſtets überfüllten Hauſes die Umſtände des Directors und der Oper eben in pecuniärer Hinſicht nicht die glänzendſten waren. Als reine Speculation iſt die Sängerin nicht benutzt worden. Mr. Lumley handelte ihr gegenüber als echter Gentleman, und in ſeinen Erinnerungen, die große Sängerin betreffend, iſt auch nicht ein einziges mal von einer Colliſion zwiſchen Director und Künſtlerin die Rede. Kein erkünſteltes Krankſein, keine Intriguen. Ihr Gemahl ſtand ihr als Freund und Rathgeber zur Seite, nicht alsSamiel einer Theaterdirection gegenüber. Es war gewiß ein Glück für die Sontag, daß ſie keine Theater⸗Mutter oder Theater⸗Tante be⸗ ſaß, keineprocoli, wie die Italiener dieſe Peſt des Künſtler⸗ lebens und der Directoren nennen. Die Mutter dercharming little Piccolomini, wie England dieſes kleine Grazienkind, ſeinen pet, nannte, war, obwol eine wirkliche Gräfin, der wahre Typus einer Theater⸗Mutter, einerméère d'artiste, die den Directoren die Hölle heiß machte! Der Vater der Cerito,Père Cerito, ſoll ebenfalls ein ausgezeichnetes Exemplar dieſer Gattung ge⸗ weſen ſein. Nach einem Triumphtanz ſeiner Tochter pflegte er oft auszurufen:Nous avons dansé magnifiquement ce scir! Der große Lablache hatte in ſeiner eigenen Frau ſogar dieſe Theater⸗Mutter. Papa Patti und Papa Wagner haben leider in England ſchlechte Namen zurückgelaſſen; und von der Malibran und der Seebach hieß es ſogar, daß ſie ihre eigenen Theater⸗

mütter ſeien. Wemgraut's nicht bei ſolchen Gedanken!

Gegen Ende des Jahres 1849 machte die Sontag ver⸗ ſchiedene Reiſen in die engliſchen Provinzen, begleitet von Thal⸗ berg, Calzolari, Frederico, Lablache und Piatti. Das Reiſen ſagte der Künſtlerin aber nicht zu. Das Wetter war äußerſt kalt. Außerdem hatte ſie ein Eiſenbahnunglück zu erleben, daß ihr beinahe das Leben oder ihre Stimme gekoſtet hätte. Die Künſtler⸗ geſellſchaft war am 29. December auf der Reiſe von Glasgow nach Aberdeen(Schottland) begriffen, als der Eiſenbahnzug unweit Laurencekirk in einer ſechs Fuß hohen Schneetrift ſtecken blieb.

Man fürchtete, der furchtbare Schneefall würde den ganzen Zug begraben, und nur mit Gefahr konnten die Armen aus ihrer fürchterlichen Situation befreit werden. Graf Roſſi, der ſeine theuere Gattin begleitete, richtete einen intereſſanten Brief an Mr. Lumley, den ich hier überſetzt wiedergeben will:Hätte Madame de Roſſi den Muth verloren, als ſie ſich von dieſen Gefahren in der Mitte von Nacht und tieſſter Finſterniß umgeben ſah(der Sturm warf uns nieder, als wir die Waggons verließen, und der Schnee lag ſechs Fuß hoch um uns) hätte ſie weniger Muth und Energie gezeigt, ſo würden wir gewiß ein tragiſches Reſultat zu beklagen gehabt haben. Wir würden Alle am nächſten

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Morgen zu Tode gefroren in den Coupés gefunden worden ſein.

Jede Spur von den Eiſenbahnwagen war um Mitternacht unter dem Schnee verſchwunden! Wären wir genöthigt geweſen, noch

hundert Schritte weiter zu gehen, ehe wir ein Haus, ein Obdach erreichen konnten, ich glaube wir würden Alle unterwegs todt zu ködern(Wolzogen), auch als Mohr aufgetreten iſt, während

niedergeſunken ſein! Lablache und mein Diener fielen beide be⸗ wußtlos zu Boden als wir das Haus erreichten. Der arme Mupleſon*) hütet noch ſein Bett zu Laurencekirk. Der gütige Himmel behüte uns vor größerm Unglück, allein Madame de Roſſi

hat dieſer ſchreckliche Zufall aufs tiefſte erſchüttert. Zweimal fiel ſie bis über die Hüften in den Schnee, und da ſie natürlicher⸗

weiſe keine Wäſche zum Wechſeln hatte, mit Ausnahme von einem Paar Strümpfe, das die Frau des Farmers ihr geliehen, ſo war ſie genöthigt, durch und durch kalt und naß wie ſie war, ihre Kleidungsſtücke auf dem Leibe vor dem Feuer trocknen zu laſſen. Sie können beurtheilen, wie ihre Stimme infolge deſſen gelitten hat, und wie unmöglich es für ſie ſein würde, jetzt in Concerten zu ſingen. Um ihre Geſundheit etwas zu reſtauriren, nahm ſie die Einladungen nach Belvoir Caſtle und Raby Caſtle, von denen ſchon oben Erwähnung geſchehen, zu Anfang des Jahres 1850 an. So begann dieſes Jahr, welches die Künſtlerin auch ebenfalls in Paris ſah, wo ſie ein Wunder bei den wechſel⸗ müthigen Pariſern die glänzendſten Triumphe in den ſoge⸗ nannten Sontags⸗Concerten im Conſervatoire feierte. Die beau-monde von Paris, die alte und jungeNobleſſe, ſelbſt die ercluſiveSociété du Faubourg St.-Germain huldigten ihr. Die Anweſenheit des damaligen Präſidenten ſelbſt(es war vor dem coup d'état) ſchreckte dieſe excluſive Societé der alten Nobleſſe nicht fort. Die Sontag ſang es ſchien eine ver⸗ ſöhnende Engelsſtimme.

So begann denn, während die Sontag in Paris und auch einmal in Brüſſel ſang, die Londoner Opernſaiſon, von 1850. Sie war natürlich wieder der Stern erſter Größe, mit einem wo möglich noch größern Nimbus. Alle Stände be⸗ eilten ſich ihr Huldigungen darzubringen, und ſie machte faſt noch größeres Furore als die Lind vor ihr. Sie ſang wieder im Barbier und auch die Zerline, wo jeder ſieexquisite fand. Darauf zum erſten male inI Puritani und ebenfalls zum erſten male in Halévy'sTempesta. Als Miranda entzückte ſie in dieſer Oper alle Welt, und man muß geſtehen, daß die liebenswürdige, friſche, natürliche Individualität dieſer Tochter Shakeſpeare's ihrer eigenen beſonders zuſagen mußte. Halévy, der die Oper ſelbſt dirigirte, und Scribe, der Verfaſſer des Libretto, waren namentlich entzückt und theilten mit ihr die Huldigungen, mit denen dieobern Zehntauſend die dreiErſchaffer über⸗ ſchütteten. Es möge hier noch bemerkt ſein, daßCaliban in Tempesta die letzte große Bühnenſchöpfung des großen Lablache war. Am 18. Juli deſſelben Jahres erſchien ſie, ebenfalls zum erſten mal, alsdie Tochter des Regiments. Hier, wie in der Nachtwandlerin hatte ſie mit dem Typus der Amina und der üiglia mit dem Schatten der Lind in die Schranken zu treten, allein Niemand konnte die ausgezeichnete Anmuth ihrer Dar⸗ ſtellung, ihres Geſangsvortrages beſtreiten. Weniger glücklich war ſie inSemiramide, das ſie zu ihrem Benefiz wählte, wie ihr die opera seria ja überhaupt nicht beſonders zuſagte.

Die Saiſon von 1851 das Jahr der großen Londoner Weltausſtellung im Hyde⸗Park ſah Henriette Sontag als regierende Opernkönigin ebenfalls wieder in London. Ihr erſtes Auftreten war wieder in derRegimentstochter. Sie ſchien jünger, lieblicher und friſcher denn je, und das beſte Lebenselexir, das beſte Verſchönerungsmittel, das ihr zu Gebote ſtand, war ge⸗ wiß ihr großer Erfolg. Wenn man bedenkt, in welchem Grade die Lind kurz zuvor die ganze Bewunderung Englands in An⸗ ſpruch genommen hatte, ſo ſcheint der rauſchende Beifall, den die Sontag jeden Abend empfing, faſt wunderbar. Dieſer Erfolg denn hatte auch den größten Einfluß auf ihre Geſundheit, auf ihre Stimme. Ihre Augen waren glänzend, ihre Geſichtsfarbe friſch und geſund: ſie war und blieb ein Wunder!

Sie ſang wieder in ihren beſten Rollen; in einer derſelben,

*) Der jetzige Director von Her Majesty's Theatre, ein großer Gönner der Tietjens.

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