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ſtationshauſe zurückzukehren, um dort nach Hagert zu fragen: er konnte ſich des Gedankens nicht erwehren, daß ihm ein
Unglück zugeſtoßen ſei.
Als er daſelbſt ankam, hörte er zu ſeiner größten Be⸗ ſtürzung, ein Bauer habe ſoeben die Anzeige gemacht, daß er und ſein Bruder den Controleur Hagert erſchlagen im Walde gefunden, und daß mehrere Leute dorthin geeilt ſeien,
um die Leiche zu holen.
Es war nicht daran zu zweifeln, daß einer der bei⸗ den Schmuggler die That verübt hatte; da ſich Welper je⸗ doch ſchon außer Hörweite befunden, als Hagert die Maske Grambow's herunter geriſſen, und da er an den beiden Schmugglern in Körpergeſtalt, Haltung und Tracht nichts Auffallendes bemerkt hatte, ſo konnte er nicht hoffen, den Thäter zu entdecken; und er ſchwur daher in ſeinem Grimm hoch und theuer, ſeinen ermordeten Collegen an jedem Schmugg⸗ ler, dem er wieder begegne, blutig zu rächen. Daß eine gerichtliche Unterſuchung zu nichts führen würde, ließ ſich im voraus annehmen, weil die beiden Bauern, welche den Er⸗ ſchlagenen gefunden, nur die Umriſſe eines davoneilenden Mannes geſehen hatten.
Die Kunde von dem ſchrecklichen Ereigniß verbreitete ſich ſchnell am folgenden Morgen in allen umliegenden Orten, und es wurden die verſchiedenartigſten Vermuthungen laut, wer die beiden Schmuggler geweſen ſein könnten, aber mit Aus⸗ nahme eines Einzigen wagte Niemand, einen beſtimmtern Ver⸗ dacht gegen irgendeine Perſon auszuſprechen. Dieſer eine war der Schulze von Danneik, dem der alte Fiſcher Garpke vor einiger Zeit bei dem Hochzeitsfeſte in Wieritz erzählt hatte, daß er auf dem Rückweg von der Stadt neben einem Tannen⸗ camp einen Mann mit einem ſchwarzen Geſicht geſehen, und daß dieſer in Statur und Kleidung Aehnlichkeit mit Johann Grambow gehabt.
Der Schulze, den der ehemalige Pferdehändler vor Jah⸗ ren einmal in einem Wortwechſel einen anmaßenden und un⸗ gerechten Menſchen genannt, und der dieſe Beleidigung noch nicht vergeſſen hatte, hielt jetzt die Gelegenheit für günſtig, ſich an ihm zu rächen. Er ſuchte den Controleur Welper auf und erzählte ihm unter dem Siegel der Verſchwiegenheit, was er von dem alten Fiſcher gehört hatte.
Die Zollbeamten, welche an dieſem Punkt der Grenze ſtationirt waren, hatten Grambow längſt heimlich im Ver⸗ dacht der Schmuggelei; da es ihnen aber bisjetzt noch nicht gelungen war, irgend welche Anhaltepunkte für ihren Argwohn zu gewinnen, ſo hatten ſie ſich darauf beſchränken müſſen, ihn von fern zu beobachten. Als Welper nun aber das Aben⸗ teuer des alten Fiſchers Garpke vernahm, beſchloß er, den Verdächtigen von Stund' an auf Schritt und Tritt zu über⸗ wachen.
Die Ausführung dieſes Vorhabens war jedoch mit gro⸗ ßen Schwierigkeiten verbunden. Welper konnte ihm wol von fern bis zur Stadt folgen, aber in dieſer mußte er nothwen⸗ dig ſeine Spur verlieren, wenn er die Namen der Kaufleute nicht kannte, für welche Grambow ſchmuggelte. Er ſann hin und her, wie er dieſelben erfahren könne, und gerieth endlich auf den Gedanken, während der Abweſenheit des Letztern deſſen Nichte aufzuſuchen und unter einem beliebigen Vorwand allerlei Nachforſchungen anzuſtellen.
So wanderte er denn gleich am nächſten Mittag nach Nerbin, trat in das Haus Grambow's, grüßte die eben auf der Flur beſchäftigte Marie aufs freundlichſte und fragte ſie mit gleichgültiger Miene, ob ihr Oheim daheim ſei.
Das arme Mädchen, welches die Nachricht von der Er⸗ mordung Hagert's mit einer unerklärlichen Angſt erfüllt hatte,
„Ich höre, daß dein Onkel ſich dann und wann noch mit dem Pferdehandel beſchäftigt...
Marie athmete leichter auf.
„Unſer Dienſt iſt ſo anſtrengend“, fuhr Welper fort, indem er auf dem Stuhle Platz nahm, den das Mädchen ihm hingeſchoben hatte,„daß wir mit dem Plane umgehen, uns auf eigene Koſten ein Pferd zu halten.“
„O, mein Onkel wird Ihnen ſchon eins verſchaffen können“, verſetzte Marie.
„Wann treff ich ihn denn zu Hauſe?“
„Er iſt heute Morgen nach der Stadt gegangen und wird ſchwerlich vor Abend zurückkommen.“
„Nun, da begegne ich ihm vielleicht— ich habe heute auch noch Geſchäfte dort.“
„Das würde wol ein reiner Zufall ſein“, erwiderte Marie, der eine ſolche Begegnung gefährlich für ihren Oheim ſchien.
„Bei wem arbeitet denn dein Onkel in der Stadt.“
„Den Namen der Leute kenn' ich nicht.“
„Haſt du ihn niemals nach der Stadt begleitet?“
„Nein— nicht ein einziges mal. Mein Onkel ſagt, der Weg ſei zu weit für mich.“
„Weißt du denn nicht, in welcher Straße die Häuſer der Leute ſtehen, bei denen er arbeitet?“
„Ich meine, einmal von meinem Onkel gehört zu haben, daß eins der Häuſer, wo er am meiſten aus⸗ und eingehe, am Marktplatze liege.“
Dieſe Auskunft war dem Zollbeamten ſchon ſehr will— kommen: er kannte dort einen Gaſthof und beſchloß, vom Fenſter deſſelben aus Tag für Tag ſo lange zu ſpähen, bis er entdeckt, in welches Haus Grambow hineingehe. Um je⸗ doch noch Zeit zu weitern Nachforſchungen zu gewinnen, bat er das Mädchen um einen Trunk Waſſer.
„Ich will Ihnen friſches Waſſer aus dem Brunnen holen“, ſagte Marie,„das Waſſer dort im Eimer iſt ſchon heute Morgen geſchöpft worden.“
Mit dieſen Worten verließ ſie das Haus, Welper aber ſprang raſch auf, ſchritt auf der Flur hin und her und warf ſpähende Blicke in das Wohnzimmer, deſſen Thüre offen ſtand, in der Hoffnung, dort irgendeinen Beweis für Grambow's heimliche Erwerbsquelle zu entdecken. War dieſer wirklich ein Schmuggler, ſo fand ſich vielleicht irgendeine Sache vor, deren Erſcheinung im Hauſe eines unbemittelten Landmannes gerechtes Staunen und Bedenken hervorrufen konnte.
Allein er gewahrte nichts als Zeichen übergroßer, an Armuth ſtreifender Einfachheit:; nirgendwo eine Schmuckſache oder Zierath, ein feineres Stück Zeug, ein Hausgeräth von einigem Werthe— auf dem großen Lehnſtuhl am Ofen lag nicht einmal ein Polſter, das ſogar in der kleinſten Hütte nicht zu fehlen pflegt.
ward beim Anblick des ihr wohlbekannten Zollbeamten todten⸗ bleich. Der entſetzliche Gedanke: dein Oheim iſt ein Schmugg⸗ ler und hat ſich vielleicht der Ermordung Hagert's verdächtig gemacht! fuhr wie ein Blitz durch ihre Seele— ſie mußte ſich an die Wand des Kamins lehnen, um nicht umzuſinken.
Dieſe Beſtürzung der Nichte des Verdächtigen war dem Zollbeamten im höchſten Grade auffallend; er ſtellte ſich jedoch, als bemerke er dieſelbe nicht und ſagte:
Nach Verlauf einiger Minuten kehrte Marie mit einem Glaſe friſchen Waſſers zurück; ſie hatte vom Garten aus ge⸗ ſehen, daß Welper forſchend in das Wohnzimmer geblickt und war dadurch von neuem in Unruhe verſetzt worden. Sie ſuchte dieſe jedoch ſo gut wie möglich zu verbergen und ſagte, indem ſie das Glas dem Controleur darreichte, mit erzwun⸗ genem Lächeln:
„Wenn ich erſt verheirathet bin, und Sie dann einmal nach der Wollnower Mühle kommen, kann ich Ihnen etwas etwas Beſſeres als Waſſer vorſetzen.
„Wann wird denn deine Hochzeit ſein?“
„Im nächſten Frühling.“
„Was wird dann aus deines Vaters Hofe?“
Dieſe Frage, bei welcher Welper nichts Beſonderes be⸗ abſichtigte, war nur ein neuer Grund der Beunruhigung für Marie; ſie gab allerlei Vermuthungen Raum und wollte eben ausweichend antworten, als ſich die Hausthür öffnete, und zu ihrer größten Ueberraſchung ihr Oheim hereintrat. Bei ſeinem Anblick ſtutzte auch der Zollbeamte und ſchaute Marie forſchend an, gleich als ob er argwöhne, ſie habe ihm wiſſent⸗ lich die Zeit der Rückkehr ihres Oheims falſch angegeben.
Grambow dagegen berrieth beim Anblick Welper's nicht


