Jahrgang 
1868
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ſoll. Und trotz all ſeiner Verſchwendung, trotz der Munifizenz, welche er ſeiner Umgebung zeigt, hegt er fortwährend das größte Mistrauen gegen ſie; der arme Mann iſt in ſteter Furcht, vergiftet zu werden! Jedes Glas Wein, das er trinkt, muß erſt von einigen Vertrauens⸗ männern gekoſtet werden, und ſeine Mutter muß alle die Speiſen bereiten, die er zu ſich nimmt.

Als in Aeghpten die Cholera ausbrach, floh er bekanntlich nach Konſtantinopel, natürlich nur um ſich ſeinen Unterthanen zu erhalten; aber auch dahin ließ er ſich alle Speiſen von ſeiner Mutter ſenden, und zwar in einem eiſernen Kaſten, zu dem nur er und die Mutter den Schlüſſel beſaßen. Als er eines Tages den Schlüſſel verlegt hatte, war die Noth groß. Vertraute er den Kaſten einem Schloſſer an, ſo konnte dieſer heimlich Gift hinein prakticiren. Ismael er⸗ nährte ſich alſo nur von gekochten Eiern, bis er den unſeligen Schlüſſel wieder gefunden hatte.

Es iſt immer der Zufall, dem man die intereſſanteſten Begeg⸗ nungen verdankt. Ich habe heute von einem Deutſchen zu erzählen, der ſechs Jahre in der Nähe des Königs Theodor von Abhſſinien geweſen und ihn als Hufſchmied überall zu begleiten hatte.

Karl Mertſcheck iſt ein geborener Aachener, wenigſtens aus der Umgegend von Aachen, und lernte, ich weiß nicht wo, das Schloſſer⸗ handwerk. Im Jahre 1859 verließ er Deutſchland und trat in die franzöſiſche Fremdenlegion. Mit einem der afrikaniſchen Regimenter in der Provinz Conſtantine ſtationirt, ließ er ſich ein ſchweres Sub⸗ ordinationsvergehen zu Schulden kommen und floh in die Steppen hinein. Wie er mir erzählt, lebte er ein Vierteljahr ganz auf ſich ſelbſt angewieſen in der Wüſte, die Stämme derſelben fliehend, weil er als Chriſt von ihnen Feindſeligkeiten befürchtete, und ſich nur von Datteln ernährend. Ohne zu wiſſen, in welcher Richtung, verlor er ſich allmählich in das Innere hinein zum Sudan und von Lebens⸗ überdruß gequält, müde der Entbehrungen, begab er ſich eines Mor⸗ gens in ein Dorf, deſſen Bewohner vor einigen Tagen erſt zum großen Theil durch einen feindlichen Ueberfall nievergemacht waren, und aus deſſen Hütten noch hier und da die Rauchſäulen aufſtiegen.

Mertſcheck ward von einer abyſſiniſchen Familie freundlich auf⸗ genommen und hörte hier, daß der Diſtrict ſoeben erſt von den ſchwarzen Truppen des Königs Theodor überfallen worden und zum Gehorſam gebracht worden ſei, während man in der ganzen Um⸗ gegend keine Idee davon habe, daß man ſich überhaupt gegen den König aufgelehnt. Während Mertſcheck die Gaſtfreundſchaft hier genoß, machte er auf den Pferden ſeines Wirthes häufige Ausflüge, gerieth dabei in einen Trupp Reiter, die ihn umringten, entwaffneten und mit ſich ſchleppten. Vor einen der Häuptlinge oder Lieutenants des Königs gebracht und befragt, was er könne, ward er mitgeſchleppt und als Hufſchmied beſchäftigt. Es ging ihm dabei nicht ſchlecht, man behandelte ihn mit Wohlwollen. Eines Tages ſah er vor ſeinem Gurbi, ſeiner Hütte, einen ihm bis dahin fremden Reitertrupp. Es war König Theodor, der an der Spitze deſſelben hielt, umgeben von einem halben Dutzend Reiter, die ganz wie er gekleidet.

Mertſcheck's Beſchreibung vom König Theodor bietet nichts Neues, er iſt ſchon hundertmal ganz ebenſo beſchrieben. Theodor ließ Mert⸗ ſcheck zu ſich führen, hieß ihn ſeine Arbeit liegen laſſen, ließ ihm ein Pferd bringen und von dieſem Tage ab war Mertſcheck einer der Sonbein des Königs, den er auf allen ſeinen Zügen begleiten mußte.

kui⸗ Mertſcheck erzählt, hatte er faſt täglich Gelegenheit, vor der kalten Grauſamkeit dieſes Mannes zu erſchrecken, und wiederum ebenſo oft Urſache, in ihm den gutmüthigſten Charakter zu ſchätzen. Mertſcheck nennt Theodor ein für Jeden, der dieſe Völkerſchaften nicht kenne, unbegreifliches Geſchöpf, das heute Tiger, morgen Lamm, indeß immer noch hundertmal beſſer geweſen, als die gemeinen Schakale, die aufſäſſigen Satrapen, die mit den Engländern gegen ihn Partei genommen.

Während die engliſche Expedition ſich Magdala näherte, lag Mertſcheck in der Feſtung wochenlang am Fieber danieder. Er hörte nichts als den Lärm um ihn her und die undeutlichen Gerüchte, die ihm ſein abhſſiniſcher Diener brachte. Als Magdala erſtürmt wurde, drangen zwei engliſche Soldaten auch in ſein Haus. Er verſtändigte ſich auf ſeinem Krankenlager mit ihnen und ward auf Verwendung eines engliſchen Offiziers, der franzöſiſch ſprach, aus Magdala fort und in die engliſche Ambulance gebracht.

Wieder geneſen, zog Mertſcheck mit den Engländern, blieb noch einige Wochen in Kairo und kam dann nach Deutſchland, um ſich in ſeiner Heimat anzuſiedeln.Geld hab' ich nicht, ſagte er,aber ich habe mancherlei ſehr originelle Koſtbarkeiten, die ich den Muſeen offeriren will und aus deren Erlös ich ſchon im Stande ſein werde, mir einen Herd zu bauen. Mertſchek iſt eine robuſte, an Strapazen gewöhnte Natur; man ſieht ihm den Abenteurer an, aber ſeine Er⸗ zählungen ſtimmen ſo genau mit Allem überein, was wir über Abyſſinien wiſſen, daß es mir intereſſant ſein wird, einige von ſeinen mündlichen Schilderungen demnächſt hier wieder zu geben.

Der Tabackshandel iſt bekanntlich in Frankreich, Italien und Spanien Monopol der Regierungen, die aus demſelben Millionen

über Millionen gewinnen, indem ſie ihre Völker mit ſchlechtem Kraut derart vergiften, daß in Paris bereits eine Revolution gegen dieſen gouvernementalen Misbrauch entſtanden und eine Arbeitseinſtellung aller Rauchenden bereits mehrmals proponirt worden iſt.

In Frankreich war die Tabacks⸗Induſtrie bis zum Jahre 1791 in den Händen mehrerer großen Geſellſchaften, dann ward ſie frei und blieb es bis zum Jahre 1811, in welchem ein Zufall dieſen Handel wieder zum Regierungs⸗Monopol machte.

Der Kaiſer Napoleon begegnete nämlich auf einem Ball einer mit Diamanten bedeckten Dame. Neugierig erkundigte er ſich nach ihrem Namen und erfuhr, ſie ſei die Gattin eines Tabacks⸗Fabri⸗ kanten. Einige Monate ſpäter erſchien ein Decret, das die Fabri⸗ kation und den Verkauf des Tabacks ausſchließlich der Regierung zurückgab.

Immer wieder zur Emancipation der Frauen! In Detroit (Amerika) hat ein Borduell zwiſchen zwei Frauen angeſichts einer großen Menge von Zuſchauern ſtattgefunden. Der erſte Gang war von keiner Bedeutung; beim zweiten ſchlug Little Frank ihrer Geg⸗ nerin Lib Scott zwei Zähne ein. Dieſe revanchirte ſich, indem ſie Little Frank einen Fauſtſchlag auf den Schädel verſetzte, daß ſie halb todt zu Boden fiel. Man hob ſie auf, wuſch ſie, gab ihr ein Glas Whiskeh und die Boxerei nahm ihren Fortgang, bis die Polizei hinzu kam und ihr ein Ende machte.

Auch in London haben ſich kürzlich zwei junge Mädchen, Emma Ford und Luiſe Buggins öffentlich vor einer großen Verſammlung gebort. Die Veranlaſſung war Eiferſucht; es handelte ſich darum, wer von Beiden die Glückliche ſein ſolle. Die Polizei ſtörte auch dieſen Kampf und verurtheilte Beide zu zwei Shilling Strafe.

Originell iſt ein anderer Beitrag zu demſelben Thema.

Im hindoſtaniſchen Diſtricte Singboum galt, wie die Indian⸗ News erzählen, ſeit undenklicher Zeit die Sitte, daß der Mann ſeine Frau kaufen mußte. Die Frauen wurden hoch bezahlt; die Väter forderten für eine Tochter 30 40 Stück Rinder, und ſo waren nur die Söhne der Reichen im Stande, ſich zu verheirathen.

Bei dieſer traurigen Sachlage kam nun der in Chota⸗Nagpur commandirende engliſche Colonel Dalton auf eine Reform⸗Idee. Er berief die Edelſten des Landes zuſammen, ſtellte ihnen vor, daß dies nicht länger ſo gehen könne und proponirte, den Preis einer Frau auf zehn Stück Rinder herabzuſetzen.

Sämmtliche Familienväter acceptirten einſtimmig den Vorſchlag und ſo kam die folgende Taxe zu Stande: eine Frau koſtet zehn Stück Rinder oder als Aequivalent ein Paar Ochſen, eine Kuh und ſieben Rupien für die Reichen; ſieben Rupien und gar keine Rinder für die Unbemittelten.

Am Morgen nach dieſer Verſammlung verheiratheten

ſich drei⸗ hundert Paare im Diſtricte Singboum.

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Ein humoriſtiſcher Rabenfang.

Eine der drolligſten Scenen bereitete mir ein Vetter, ein großer Jäger vor dem Herrn, den ich im vorigen Winter beſuchte.

Die ganze Flur um ſein Gehöft herum war mit einer leichten Schneedecke überzogen. Mein Vetter ſaß in ſeinem Arbeitszimmer und fabricirte lange Papierdüten, als ich zu ihm eintrat.

Was treibſt du da? fragte ich neugierig.

Du langweilſt dich, antwortete er.Ich will dir heute eine originelle Jagd veranſtalten.

Mit Papierdüten? fragte ich lachend.

Ja! du wirſt ſehen!

Etwa zwanzig lange Düten, ſorgfältig angefertigt, lagen vor ihm. Der Diener brachte eine Schüſſel volk gehackten Fleiſches, das dem Geruch nach ſchon in Fäulniß übergegangen war. Langſam nahm er eine Düte nach der andern und warf ein Stück Fleiſch hinein. Dann holte er den Vogelleim, beſtrich die obern Ränder der Düten und forderte mich auf, ihm zu folgen.

Draußen auf dem Felde hatte er in der Schneedecke bereits einige Dutzend kleiner chlinderförmiger Löcher in den harten Boden graben laſſen. In jedes derſelben ſenkte er eine der Düten.

Komm, ſagte er, mich zu einer kleinen Hütte führend,wir werden vom Fenſter aus dem Schauſpiel beiwohnen.

Kaum hatten wir die Hütte betreten, als ſich ein ganzer Schwarm von Raben zeigte, der krächzend über dem Felde kreiſte, wahrſcheinlich angelockt von dem Geruch des Fleiſches. Hungrig ließen ſie ſich auf die Schneedecke nieder und alsbald begann das Schauſpiel, das wirklich ſeine komiſche Wirkung nicht verfehlte.

Einer der Raben nach dem andern ſteckte den Kopf in die Düten, um das Fleiſch herauszuholen. In der Luft taumelnd, eine lange Düte vor dem Kopf, überſchlugen ſie ſich etwa zehn Fuß hoch vom Boden und fielen dann todt auf die Erde. Nur einer von ihnen war nur betäubt, und dieſem einen rettete der Neid eines Vogels das Leben, als dieſer gierig die dem Kameraden am Kopf klebende

Düte mit dem Schnabel packte und ſie zerriß.