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und der dadurch erzeugte Lichtſchimmer gaben mir Gelegenheit zur Beobachtung eines außergewöhnlichen Schauſpiels. Die Luft war mit den verſchiedenartigſten Wurfgeſchoſſen ange⸗
füllt: Baumzweige, große Steine, Balken und alle möglichen
beweglichen Gegenſtände wurden mit unglaublicher Schnellig⸗ keit vor dem Sturme hergetrieben.
Plötzlich machte ſich ein heftiger Stoß fühlbar und ſandte ein kaltes Fröſteln durch alle meine Glieder, denn ich erwartete das ganze Haus über uns zuſammenſtürzen zu ſehen. Die Wolkenmaſſe hatte ſich wieder geſchloſſen, und abermals herrſchte tiefe Dunkelheit, während das Heulen des Sturmes und die krachenden Donnerſchläge ſich zu einem ſo grauſenvollen Getöſe verſchmolzen, daß jedes Herz erbebte und der Muthigſte von Furcht und Angſt ergriffen ward.
Von dem, was zunächſt geſchah, habe ich nur eine ſehr unvollkommene Erinnerung bewahrt; mein klares Bewußtſein erwachte erſt in dem Augenblicke wieder, in welchem ich, von Herrn Gordon begleitet, die zum Keller führende Leiter hinab⸗ ſtieg. Doch weiß ich, daß, bevor wir die Fallthür ſchloſſen, der Sturm mit neuer Heftigkeit wieder ausgebrochen war, und das Zittern der Mauern ſagte mir, daß ſie nicht lange mehr ſtehen konnten, wenn der Orkan nicht bald nachließe.
Nachdem die Fallthür über uns geſchloſſen war, herrſchte in dem Kellergewölbe eine wenigſtens relative Ruhe, und wir waren nun wieder im Stande, uns, anſtatt durch die bisher nothgedrungen angewendete Zeichenſprache, durch Worte zu verſtändigen. Unſere eigene Stimme wieder zu hören, war, nach dem überwältigenden Getöſe, welches ſeit einer Stunde rings um uns her geherrſcht hatte, ein tröſtliches Gefühl, das Worte nicht zu ſchildern vermögen. Für die arme Madame Suter muß dieſes Gefühl ein wahrhaft beſeligendes geweſen ſein, denn ſie konnte ſich nun wieder ſprechen hören und ihr eigenes Stöhnen und Aechzen vernehmen.
„Gott ſchütze uns!“ rief ſie aus.„Ich ſterbe vor Angſt und Schrecken. Hätte ich doch Aberdeen nie verlaſſen! dann könnte ich— barmherziger Himmel! Was iſt das?“
In dieſem Augenblicke ertönte über uns ein Knall, dem ein betäubendes Krachen folgte, bei welchem die Erde unter unſern Füßen erbebte.
„Das Haus iſt zuſammengeſtürzt“, ſagte Herr Gordon gelaſſen—„ich wußte, daß es einem ſolchen Unwetter nicht lange widerſtehen würde.“
Lautes Jammern und Wehklagen erhob ſich unter den Negerinnen. Bisher waren meine Gedanken von wichtigern Dingen dermaßen abſorbirt worden, däß ich keine Zeit ge⸗ funden hatte, mich mit den Einzelheiten der mich umgeben⸗ den Scene zu beſchäftigen. Das große, dunkle Gewölbe war nur durch den ſchwachen Schimmer zweier Lichter und einer vom Plafond herabhängenden Lampe erleuchtet, ſodaß eben nur Licht genug vorhanden war, um Allem ein groteskes und diaboliſches Ausſehen zu verleihen. Die im Hintergrunde auf dem Erdboden kauernden Neger erſchienen als die Perſoniſicirung von Geiſtern der Finſterniß, welche ihr Verdammungsurtheil erwarteten; ein alter Neger, deſſen hohe und geſpenſterartige Geſtalt hinter den anderen emporragte, glich einem boshaften Höllengeiſte, der ſich an dem Fall der Uebrigen weidete.
Während einer vollen Stunde blieben wir in einem Zuſtande der Ungewißheit in Bezug auf Alles, was über uns vorging. Alles, was wir mit Beſtimmtheit wußten, beſtand darin, daß die Heftigkeit des Orkans bedeutend nachgelaſſen hatte. Ich vermochte die Ungewißheit endlich nicht mehr zu ertragen, und die Leiter hinaufſteigend, bemühte ich mich, die Fallthür zu öffnen, um den Zuſtand der Dinge über uns ermitteln zu können.
die Thür auch nur um einen Zoll empor zu heben, und wir mußten endlich von unſerm Verſuche abſtehen, denn es war
offenbar, daß die Trümmer des zuſammengeſtürzten Hauſes ſich
über die Fallthür gelegt hatten und daß wir, bis Beiſtand von außerhalb uns zutheil würde, hoffnungslos eingekerkert waren.
Unſere Lage war demnach eine keineswegs beneidenswerthe, denn wir hatten nicht die leiſeſte Idee, wann— wenn über⸗ haupt jemals— man uns zu Hülfe kommen würde, und unſer Vorrath an Lebensmitteln war ſehr geringe. Dies war je⸗ doch noch nicht das kleinſte Uebel, mit welchem wir zu kämpfen hatten; denn als wir in dumpfem Hinbrüten über unſere Lage daſaßen, drang gleichſam aus den Eingeweiden der Erde ein räthſelhaftes Brauſen und Brüllen zu unſern Ohren. Einige Minuten verſtrichen, während wir verſtört und betroffen ein⸗ ander anblickten; dann begann ſich der Erdboden unter unſern Füßen zu heben,— das ganze Gewölbe ſchien zu wanken, die Mauern krachten und die zur Fallthüre hinaufführende Leiter zerfiel in Trümmer und ſtürzte unter die Neger herab, deren wildes und verzweiflungsvolles Angſtgeſchrei durch das Gewölbe hallte. Es war in der That ein überaus qualvoller Augenblick. Wir ſtanden regungslos vor Entſetzen; denn wir erwarteten nichts Geringeres, als daß die Erde im nächſten Moment ſich öffnen und uns verſchlingen werde.
Und kaum war das Erdbeben glücklich überſtanden, als eine neue Gefahr uns zu drohen begann. Durch eine der Mauerſpalten, welche infolge des Erdſtoßes entſtanden waren, floß Waſſer mit reißender Schnelligkeit in das Gewölbe herein, und ſchon war der Erdboden einige Zoll hoch damit bedeckt. Anfangs ſchienen weder Frau Suter noch die Neger und Negerinnen die volle Bedeutung dieſes Ereigniſſes zu begreifen; als aber das Waſſer immer mehr zunahm, erwachte die Schottin zu einem Gefühl dieſer neuen furchtbaren Gefahr.
„Was iſt das nun wieder?“ rief ſie emporfahrend,„wir werden Alle elendiglich ertrinken!— Gibt es denn gar kein Rettungsmittel?— Fällt Ihnen kein Ausweg ein?“ fügte ſie hinzu, ſich an mich wendend.
„Keiner“, antwortete ich reſignirt.„Wir ſind in der Macht der Vorſehung; ſie allein kann uns retten, wenn es ihr Wille iſt.“
Das Antlitz der alten Dame bedeckte ſich mit Leichen⸗ bläſſe, und mit wilden Geberden die Arme emporwerfend, kreiſchte ſie verzweifelnd:
„Ich kann nicht ſterben, ich will nicht ſterben! Will Niemand mich retten? Ich will jeden Preis zahlen.— Ich will euch Allen die Freiheit kaufen und euch reich machen!“ fügte ſie, die Neger anredend, hinzu.
„Ja, Madam— wir Sie retten, wenn könnten; aber wenn die Waſſer uns über Köpfe ſteigt, wir nicht können helfen uns ſelbſt,— wir dann ſein gleich Alle— und frei
Alle— Gott Lob und Dank!“ Als das Waſſer immer höher ſtieg, war es ein wahr⸗ haſt intereſſantes Studium, die Geſichter Derjenigen, welche
mich umgaben, beſonders die der Neger zu beobachten. Der allmähliche Uebergang von Beſorgniß zu ernſter Furcht, und von Furcht zur wildeſten Verzweiflung würde überdies ko⸗ miſch geweſen ſein, wenn unſere Lage nicht ſo entſetzlich ge— weſen wäre.
Während jedoch faſt alle Andere jammerten und weinten, blieben Marie und Fanny Gordon vollkommen gefaßt und ruhig. Ihr Muth verließ ſie keinen Augenblick, obgleich das Waſſer nun ſchon bis zu ihren Knien heraufreichte. In den Geſichtern dieſer beiden wackern Mädchen konnte man jene
Ich ſchob den Riegel zurück, fand jedoch, daß meine eigenen Kräfte zum Oeffnen der Fallthüre nicht ausreichten. Ich rief demnächſt Herrn Gordon und einen der Neger herbei aber auch unſere vereinigten Anſtrengungen waren unvermögend,
geduldige Gelaſſenheit und ausdauernde Standhaſtigkeit leſen, welche einen beſondern Charakterzug der anglo⸗tropiſchen Frauen bilden. Ihre Ruhe und Todesverachtung ſtand in auffallendem Gegenſatze zu der raſenden Verzweiflung, welche Frau Suter ſowie die Neger und Negerinnen entfalteten. Es war aber auch in der That eine Lage, welche den Muth des unerſchrockenſten Menſchen auf die Probe zu ſtellen ge⸗ eignet war. Was Herrn Gordon betrifft, ſo wußte ich, daß es ihm keineswegs an Muth gebrach: aber in jener ſchreck⸗ lichen Stunde ſchien auch er ſeine Standhaſftigkeit vollſtändig verloren zu haben. Er ſtierte wild umher; die Muskeln um ſeinen Mund zuckten und bebten krampfhaft, und dann und wann murmelte er einige mir unverſtändliche Worte vor ſich hin.
Zoll für Zoll ſtieg das Waſſer, bis es meine Weſte er⸗
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