Jahrgang 
1868
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Der Trompeter ſprengt zurück und das ſchwere Geſchütz des Fein⸗ des eröffnet abermals ſein Feuer gegen den Thurm.

Mehrere Stunden ſchon währt der ungleiche Kampf. Noch zeigt ſich kein Freund in der Nähe.

Wohl ſchwenken auf den fernen Höhen criſtiniſche Vorpoſten ihre Fähnchen und feuern ihre Gewehre ab, zum Zeichen, daß der Entſatz heranrücke; doch zu ſpät!

Immer heftiger und heftiger wird der Thurm beſchoſſen. Schon iſt er halb zerſtört und dem Einſturze nahe; noch nicht aber ſind die Vertheidiger zur Uebergabe geneigt, muthiger vielmehr ſcheinen ſie zu ſein; denn immer näher und näher rückt der Entſatz.

Frei und aufrecht die Bruſt dem Feinde darbietend, treten ſie jetzt an den Kranz des Thurmes und feuern ihre letzten Schüſſe ab.

Hoch erhoben in der ſpaniſchen Jungfrau Hand flattert nun die Freiheitsfahne. Die Tambours ſchlagen Marſch, und Trompeter und Pfeifer blaſen luſtig drein, als wenn der Sieg errungen wäre; denn vor dem Dorfe bereits zeigt ſich die Hülfe.

Doch ach! Es iſt zu ſpät! Ein Hoch noch tönt der Freiheit Spaniens; noch ein paar Kanonenſchüſſe fallen, es ſchwankt und ſtürzt der Thurm, und begraben unterm Schutt der Kirche liegen die tapferen ſpaniſchen Freiheitskämpfer und damit ein zweites Mädchen von Zcragoza. R. v. G.

Unter der Regierung Karl's II. von England waren politiſche Verfolgungen nichts Seltenes, und ſie hätten leicht einen großen Um⸗ fang annehmen können, wenn die Neigung der bedeutenden Herrn, welche den König umgaben, freieren Spielraum genoſſen hätte. Dies war jedoch durch eine, zur rechten Zeit im Oberhauſe geſpro⸗ chene Rede verhindert, und der Redner war der Graf Careevan. Es handelte ſich darum, den Miniſter Grafen Danbh unter ſchwe⸗ ren Beſchuldigungen in Anklagezuſtand zu verſetzen, worauf ſeine Geg ner mit einer Heftigkeit drangen, die nicht viel Gutes verſprach. Da erhob ſich der würdige Careevan.

Mhlords, begann er,ich verſtehe nicht viel Latein, aber ſo leidlich engliſch und glaube die Geſchichte meines Vaterlandes zu kennen. Dieſes jedem Patrioten nöthige Studium hat mir die trau⸗ rigen Folgen gezeigt, welche faſt alle vom Parteigeiſt vorgenommenen Proceduren dieſer Art hatten und welch unglückliches Ende ſie nah⸗ men. Ich will, um nicht langweilig zu werden, die Beiſpiele aus älterer Zeit übergehen und nur mit der Zeit der Regierung der Königin Eliſabeth beginnen. Zu derſelben verfolgte Sir Walter Raleigh den Grafen Eſſex; dieſer legte ſein Haupt auf den Block, und Lord Bawe verfolgte Sir Walter. Dieſer hatte das Loos des Eſſer, und was Lord Bawe geſchah, wiſſen Sie. Buckingham verfolgte Bawe und Buckingham ward von Stafford, damals noch Wentworth ver⸗ ſolgt, und Sie wiſſen, was ihm zuſtieß. Sir Harrh Stanne ver⸗ ſolgte Stafford, und ſein Ende iſt Ihnen bekannt. Hhyde verfolgte Stanne, und Sie kennen ſein Schickſal. Graf Danby hat Hyde's Untergang veranlaßt, und Sie wollen ihm jetzt vergelten. Es iſt mir gar nicht ſchwer, vorauszuſagen, was mit ihm geſchehen wird, wenn die gerichtliche Anllage erhoben wird. Sein Loos hängt nur an Ihrer Entſcheidung, nur wer es ſpäter ſühnen wird, das iſt mir augenblicklich noch unbekannt, aber ich glaube, ſein hef⸗ tigſter Gegner!

Careevan ſchwieg. Jenes aber war der damalige Herzog von Buckingham. Wie ſpäter allgemein, machte die kurze Rede des Lords eine ſolche Wirkung im Oberhauſe, daß einige Minuten lautloſe Stille eintrat.

Der Menſch iſt begeiſtert! rief dann plötzlich der Herzog von Buckingham,ein paar Gläſer Wein haben die Sache entſchieden!

Eine Unterſuchung wegen Danby ward nicht eingeleitet, aber die Rede Careevan's verdiente wohl, von allen eifrigen Staats⸗ männern und Politikern beherzigt zu werden.

Wäbrend der Herzog Philipp von Orleans, zur Zeit der Revo⸗ lution Philipp Egalité genannt, ſich vergeblich bemühte, die Krone Frankreichs auf ſein Haupt zu ſetzen, gelang ſolches bekanntlich ſei⸗ nem Sohne Ludwig Philipp, der als König der Franzoſen achtzehn Jahre hindurch für das verkörperte Friedensprincip Europas galt. Das Ende der Sache bewies jedoch, daß im Gegentheil die Regie⸗ rung des Bürgerkönigs ſyſtematiſch auf die Revolution hingearbeitet hatte, und ſo ſehr der königliche Orleans früher gelobt worden, ſo ſtark ward er ſpäter getadelt und beſchuldigt. Auch viele Züge ſeiner jimgern Jahre hat man ſpäter verdächtigt und in ihnen abſichtliches Buhlen um Volksgunſt u. ſ. w. ſehen wollen. So z. B. in Folgen⸗ dem: Während Ludwig Philipp, noch als Herzog von Chartres,

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Oberſt des 14. Dragonerregiments war, welches in Mons garniſo⸗ nirte, kam er dazu, als ein badender Menſch, der Ingenieur Siret, eben dem Ertrinken nahe war. Er ſprang ins Waſſer jenem zu Hülfe, ward jedoch ſo von dem Sinkenden ergriffen, daß er mit demſelben hätte ertrinken müſſen, wenn nicht der Mohr des Prinzen alle Beide aus dem Waſſer gezogen. Dies geſchah im Jahre 1791, und allerdings bewarben ſich die Orleans jener Zeit ſehr um Volksgunſt, daß die Behauptung einer geſpielten Comödie nicht ganz unſinnig erſcheint, ſobald man an die ſpätere Klugheit des dama⸗ ligen Herrn von Chartres denkt.

Soviel iſt gewiß, daß der Hergang viel bequemer ein entſprechen⸗ des Reſultat ergeben konnte, wenn er nur ſeinem Mohren den Befehl gab, den Ertrinkenden herauszuholen; er hätte dem armen Kerl er⸗ ſpart, ſich um zwei Perſonen zu quälen, was jedenfalls keine Klei⸗ nigkeit war.

Eine andere Anekdote aus ſeinem Leben iſt folgende: Als Louis Philipp, König der Franzoſen, im Jahre 1793 flüchtig in der Schweiz umherirrte, kam er eines Abends, an dem böſes Wetter herrſchte, zu einer ziemlich dürftigen Herberge und verlangte Aufnahme für die Nacht. Die Wirthin verweigerte ſolche und ließ ſich nur durch viele Bitten be⸗ ſtimmen, ein Strohlager herzurichten, auf das ſich der ermüdete Gaſt warf und ſofort entſchlief. Am Morgen, noch im Halbſchlum⸗ mer liegend, hörte der Prinz einen neben ihm regelmäßig hin⸗ und hertap⸗ penden Gang; davon ermuntert, blickte er auf und ſah einen jungen Menſchen mit geſchultertem Gewehr, der ihn offenbar bewachte. In der Lage des Prinzen war das eine böſe Erſcheinung; erſchreckt fragte er deßhalb nach deren Bedeutung und was man von ihm wolle.

Euch niederſchießen, wenn Ihr ohne Erlaubniß aufſteht! antwortete der Bengel kaltblütig.

Aber warum denn?

Weil die Mutter glaubt, daß Ihr ſie beſtehlen oder mit der Zeche durchgehen wollt!

O, wenn's weiter nichts iſt! meinte der Prinz und bezahlte

ſchnell, um ſeiner Gefangenſchaft zu entgehen; ebenſo eilig verließ er das Haus. Gewiß eine intereſſante Erfahrung für einen Prinzen.

Der Dockor Johnſon befand ſich einſt bei der Miſtreß Macau⸗ lah zu Tiſche. Bald kam das Geſpräch auf die Gleichheit der Men⸗ ſchen und ſoviel der Doctor ſich auch bemühte, die philanthropiſche Dame auf einen andern Gegenſtand zu bringen, hielt ſie doch an ihrem Thema feſt und ſuchte nach Möglichkeit Haare zu ſpalten. Johnſon ſchwieg endlich und ſpeiſte nur um ſo ſchneller. Als die Dame zu Ende gekommen und er geſättigt war, blickte ihn jene

ſiegesgewiß und triumphirend an. Johnſon lächelte, erhob ſich und

bat ſehr höflich einen Bedienten, ſeinen Platz einzunehmen.

Was thun Sie? fragte die Dame ganz erſtaunt.

Ich übe Ihre Theorie in der Praxis! antwortete lachend der Doctor.

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Dr. S. in 6. Das Preßgeſetz!!

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