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ein Opfer, das ziemlich leicht zu tragen war, weil inzwiſchen an⸗ dere Unternehmer die Bahn vollendet hatten.
Doch genug der Beiſpiele. Geſtehen wir es offen ein: in der„höhern Induſtrie“ und nun gar im Humbug übertrifft die amerikaniſche Zunft die deutſche wie die geſammte europäiſche
Feuil
Aus aller Welt. XXXVI. Das heilige Jahr.— Eine Partie um eine ſeidene Schnur.— Die Suez⸗Kanal⸗An⸗
leihe.— Der Chignon iſt gerettet!— Adelinchen.— Die Emancipation der Ameri⸗ kanerinnen.
Eine Nachricht, die alle Gläubigen mit ſrommer Freude efüllt, kommt ſoeben von Rom. Papſt Pius IX. wird im Jahre 1870 ein Jubiläum veranſtalten, nicht etwa ſeiner Regierung oder ſeiner Statt⸗ halterſchaft, ſondern ganz einfach ein katholiſches Jubeljahr, wie es vor der babhloniſchen Gefangenſchaft bei den Juden alle funfzig Jahre gefeiert wurde. Die Sache iſt lange her, aber das iſt mit allen frommen Gebräuchen ſo.
Wie der Sabbat alle ſieben Tage gefeiert wird, ſo ward das Jubeljahr alle ſiebenmal ſieben Jahre feſtlich begangen, und ganz dieſer hebräiſchen Sitte gemäß führten auch die Päpſte die chriſtlichen Jubiläen ein. Schon Papſt Bonifacius VIII. machte im Jahre 1300 den Anfang damit, ſeine Nachfolger aber ſcheinen dieſe Jubiläen in verſchiedenen Zeitabſchnitten gefeiert zu haben, denn ich finde in der Geſchichte keine feſte Norm; vielleicht veranſtalteten die Päpſte dieſe Feſtlichkeiten je nachdem ihnen das Maß der Sünden dieſer Welt voll zu ſein ſchien; denn die Geſchichte erzählt uns, daß jeder, der zu dieſem Feſte nach Rom wallfahrtete, vollſtändige Vergebung für alle ſeine Sünden erhielt.
Pius IX., indem er das anno santo, das heilige Jahr, auf 1870 feſtſetzt, läßt uns Zeit genug zur Vorbereitung; wir haben anderthalb Jahre vor uns, um mit unſerm Gewiſſen ins Reine zu lommen und für die Feſtkleider zu ſorgen. Ein beſonderes Programm iſt meines Wiſſens noch nicht ausgegeben; ich fürchte aber, es wird eine Menge von Peterspfennigen koſten, an denen es übrigens dem heiligen Vater nicht zu fehlen ſcheint. Noch immer läßt er neue Soldaten für ſeine Zuaven⸗Regimenter rekrutiren, deren Handgeld mit Peterspfennigen bezahlt wird; in Frankreich und Belgien ſind wiederum eigene Werbebureaux zu dieſem Zweck errichtet, zwei chriſt⸗ liche Fürſten dienen bereits in dieſen heiligen Regimentern, eine große Anzahl der Söhne des legitimiſtiſch franzöſiſchen Adels hält es für die höchſte Ehre, das Schwert Petri zu tragen, und der Prinz Napo⸗ leon hat ja neuerdings wieder ſein Wort gegeben, daß ſein erhabener Vetter den Papſt nimmermehr im Stiche laſſen werde.
Man erzählt mir bei dieſer Gelegenheit, daß ſelbſt einige der Briganten⸗Banden im Römiſchen und Neapolitaniſchen kürzlich ſich durch einen Prieſter an den heiligen Vater gewendet haben, mit der Bitte, ihren Mitgliedern zu geſtatten, in die Reihen als Zuaven ein⸗ treten zu dürfen. Sie haben die höchſte Treue und Ehrlichkeit ge⸗ lobt, und die päpſtliche Regierung würde auch im Grunde nichts da⸗ gegen haben, wenn ſie nicht befürchten müßte, daß die Söhne der legitimiſtiſchen Familien ſich weigern, mit elenden Briganten zuſammen zu dienen. Wie dem ſein mag, die päpſtliche Zuaven⸗Armee ſoll zum Jubeljahre 1870 in ihrem ganzen Glanz den Felſen Petri umgeben.
Die ſchlimmſten Beiſpiele wer⸗ den uns ſtets von den Mächtigen dieſer Erde gegeben. Prinz Na⸗ poleon hat bekanntlich auf ſeiner Reiſe auch den Sultan in Kon⸗ ſtantinopel beſucht; beide Hoheiten haben ſich zuſammengeſetzt und einen Friedens⸗Tſchibuck geraucht, und bei dieſer Gelegenheit hat der Prinz den Sultan gefragt:„Hein⸗ rich, wie ſteht's mit deiner Re⸗ ligion?“ Der Sultan hat darauf anſtatt jeder Antwort ſechs ver⸗ ſchiedene Sorten Wein herein⸗ tragen laſſen, die ihm der Koran verbietet, und beide haben auf langen Frieden und ewige Freundſchaft getrunken. Als der Prinz
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ſehr bedeutend; ja ſelbſt der chauviniſtiſche deutſche Induſtrie⸗ ritter wird, wenn er die Hand auf die Börſe legt, geſtehen müſſen, daß ſeine amerikaniſchen Collegen großartiger„arbeiten“ Suum cuique.
Richard Michaelis.
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ſeinen erhabenen Gaſtgeber verließ, ſchenkte ihm dieſer einen koſtbaren, mit Edelſteinen verzierten Tſchibuck, der gerade ſo viel koſten ſoll, wie der Sold der Hälfte der türkiſchen Offiziere, der bekanntlich ſehr ſelten ausgezahlt wird.
Während ſeines Beſuches hat Prinz Napoleon wenigſtens ein gutes Werk geſtiftet: er hat den Sultan mit Muſtafa⸗Paſcha aus⸗ geſöhnt, der als Haupt der Jung⸗Türken lange in Paris als Ver⸗ bannter lebte und dort ſeine Verbannung ſo angenehm wie möglich zu machen verſtand.
Von der türkiſchen Armee ſoll der Prinz auch diesmal wieder ſehr wenig erbaut geweſen ſein. Man erzählt bei dieſer Gelegenheit eine Anekdote aus der äghptiſchen Armee, in der bekanntlich bei der vor⸗ herrſchenden Faulheit das Spiel ebenſo graſſirt wie in der türkiſchen.
Während des Hrientkrieges ward in dieſer Armee von Morgens bis Abends auf der Trommel gewürfelt und Karten geſpielt; die Offiziere verſpielten gegenſeitig nicht nur ihr Geld, auch ihre Waffen, ihre Pferde ſogar. Heute noch iſt's in dieſer Armee, wie es damals war, und ſo wird es bleiben, ſo lange es eine türkiſche Armee gibt.
Die erwähnte Anekdote iſt der beſte Beleg hierfür. Ein ägypti⸗ ſcher Hauptmann in Alexandrien, Namens Khalil, hat ungeheueres Glück im Spiel und beutelt alle ſeine Kameraden aus. Der Paſcha erfährt davon und läßt ihn zu ſich rufen.
„Khalil⸗Aga“, ſagt der Paſcha zu ihm,„du mußt ſehr reich
ſein; denn ich höre, du haſt alle deine Kameraden ruinirt. Wie viel beſitzeſt du?“
„Paſcha“, antwortete der Hauptmann,„Allah iſt mir gnädig geweſen.“
„Aber weißt du nicht, daß der Koran das Spiel verbietet?“
„Ich weiß es und deshalb will ich nicht mehr ſpielen! Ich ſchwöre es dir, Paſcha!“
„Schwöre morgen; heute ſollſt du mit mir ſpielen; entweder du ruinirſt mich oder ich ruinire dich!“
Der Hauptmann mußte gute Miene machen. Das Spiel begann mit wechſelndem Glück auf beiden Seiten. Endlich hatte der Paſcha dem Hauptmann all ſein Geld abgenommen, und der letztere verſpielte ſogar ſeinen Säbel.
„Jetzt biſt du arm, Khalil!“ rief der Paſcha aus. nun aus dir werden?“
„Bilmem(ich weiß es nicht). Ich habe nur eine Bitte, laß mir meinen Säbel, bis ich dir den Reſt bezahlen kann!“
„Ich will dir noch mehr geben!“ antwortete der Paſcha, griff in die Taſche und reichte ihm eine ſeidene Schnur.
Der Hauptmann nahm ſie ſchweigend. Er verſtand den Befehl, und am andern Morgen hing ſeine Leiche an einer Straßenmauer⸗
„Was ſoll
Da wir gerade von Aeghpten reden, ſei des koloſſalen Schwindels erwähnt, der jetzt eben in Paris mit den Actien des Sucz⸗Kanals getrieben wird. Herr v. Leſſeps, der alle äghptiſchen Mumien aus ihrem Schlummer aufgeſcheucht, ſpielt ſeinen letzten Trumpf aus; die Compagnie générale hat wiederum einige hunderttauſend Francs an die Zeitungen gezahlt, um ſich die glänzendſten Artikel über die Zukunft des Suez⸗Kanals ſchreiben zu laſſen, und laut dieſen Artikeln beſteht denn natür⸗ lich die ganze ägyptiſche Steppe aus lauter Gold⸗ körnern, die nur aufgeleſen zu werden brauchen.
Herr v. Leſſeps verheißt die Einweihung des vollendeten Kanals zum October nächſten Jahres und konnte keine günſtigere Zeit für ſeine lette Finanzſpeculation wählen als die gegenwärkige. Sein Auf⸗ treten, ſeine ganze Manipulation erinnert an den Räuber in der Fa⸗ bel, der den Eſel wegführt, während ſich zwei andere um ihn ſchlagen.
Herr Emil Pereire, das Oberhaupt des unſeligen Credit mopilier, und Herr Mires, der in ſeinem Proceß mühſelig dem Bagno ent⸗ kommen, beide ſtreiten ſich in den Zeitungen und vor Gericht, wer von ihnen der größte Spitzbube— d. h. der ehrlichſte Mann ſei. Inzwiſchen kommt Herr v. Leſſeps, eröffnet eine neue Actienzeichnung und führt den Eſel, das Publikum, fort, das trotz aller Denkzettel, die es durch die mexicaniſche Anleihe, den Credit mopilier und alle die verwandten Schwindeleien bekommen, niemals klug wird.
Rheumatismus⸗Ketten, Revalenta arabica, Malzextract, Credit mobilier, Suez⸗Kanal, es iſt immer daſſelbe, und immer führt der Kluge den Eſel in den Stall!.—
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