Jahrgang 
1868
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Preiſe des Grundbeſitzes. Grundſtücke in Städten von 2000 3000 Einwohnern werden mit Summen bezahlt, für welche man zu andern Zeiten vorzügliche Bauſtellen in großen Handelsſtädten erſtehen kann. Der Acker uncultivirten Wald⸗ und Prairielan⸗ des wird mit 25 und 30 Dollars erſtanden, Boden, der unter gewöhnlichen Verhältniſſen 1 bis 2 Dollars per Acker erzielt.

Der Bankrott einzelner großer Speculanten reicht dann hin, alle die erträumten Reichthümer der Grundbeſitzer zu vernichten. Eine Zahlungseinſtellung zieht die andere nach ſich. Das ſcheu gewordene Kapital flüchtet in ſichere Banken, und der Preis des Grund und Bodens weicht unter den natürlichen Werth aller Beſitzungen. Häuſer ja ganze Städte werden verlaſſen, weil die Bewohner dieſer über Nacht entſtandenen Töchter des Hum⸗ bugs genöthigt ſind, für ihren Lebensunterhalt zu ſorgen.

Goz. von F. Weiss.

Der Weſten zeigt viele ſolcher Plätze, und der Reiſende er⸗ ſtaunt durchaus nicht, wenn er in einem mitCity bezeichneten Orte ein halb verödetes Neſt, beſtehend aus einem Dutzend bau⸗ fälliger Häuſer findet. Doch war ich einigermaßen erſtaunt, als mir auf einer Tour von St.⸗Paul nach Neu⸗Ulm eines Tages der Kutſcher zurief:Killburn City!

Hier ſteht ja nicht einmal ein Country-store, entgegnete ich umherblickend.

No Sir, beſtätigte der Poſtillon.

Auf mein Befragen theilte mir der amerikaniſcheSchwager mit, daß auch Killburn-City einmal eineaufblühende Stadt geweſen ſei, daß aber die wenigen Häuſer derſelben ſchon ſeit einigen Jahren vom Erdboden verſchwunden wären.

Nicht minder großartig tritt der Humbug auf dem Gebiete der Eiſenbahn⸗Speculation auf. Einen der intereſſanteſtenFälle ließen wir uns von einem deutſchen Arzte mittheilen, welcher ſeit dem Jahre 1849 in den Vereinigten Staaten lebt.

Im Anfange der funfziger Jahre trat eine Actiengeſellſchaft in Milwaukee auf und kündigte an, ſie ſei geſonnen, eine Bahn

von dieſer Stadt nach dem Miſſiſſippi zu bauen. Agenten der Geſellſchaft bereiſten die Strecke zwiſchen Milwaukee und Prairie du chien, forderten die an dieſer Linie wohnenden Grundbe⸗ ſitzer auf, das erforderliche Terrain gratis der Geſellſchaft zur Verfügung zu ſtellen was auch geſchah und der Bau der Bahn begann.

Nachdem eine kurze Strecke vollendet war, erklärte die Direction der Geſellſchaft, eine große Anzahl der Actionäre hätten ſich geweigert, die fälligen Raten ihrer Actien zu zahlen, weil die Rentabilität ſehr unwahrſcheinlich, mithin die Sicher⸗ heit des Kapitals nicht geſichert erſcheine. Die Direction machte

nun den an der projectirten Linie wohnenden Grundbeſitzern fol⸗

genden Vorſchlag: Die Farmer und Städte ſtellen der Direction Hypotheken,

= X. A. von F.

lautend auf den dritten Theil des damaligen Werthes derjenigen Beſitzungen zur Verfügung, welche unmittelbar an der Bahn lie⸗ gen. Dieſe Hypotheken werden von der Direction an den Börſen von New⸗York und Boſton als Sicherheit für die Capitaliſten offerirt. Die Ausſteller der Hypotheken erhalten für den Betrag ihrer Werthpapiere einlösbare Antheilſcheine auf die zu bauende Bahn, dieſe wird vollendet, der anliegende Grund und Boden ſteigt um mehrere hundert Procent, und die Beſitzer dieſer Grund⸗ ſtüͤcke haben ein vortheilhaftes Geſchäft gemacht.

Die braven Bürger von Wisconſin, begierig, die Bahn vollendet zu ſehen, gingen auf die Offerte ein, dieDirection ver⸗ kaufte ſämmtliche Hypotheken ſchleunigſt auf dem öſtlichen Geldmarkte und wurde nicht mehr geſehen. Nun erhob ſich ein überaus fetter Proceß zwiſchen den Käufern der Hypotheken und den be ſchwindelten Grundbeſitzern. Jahre lang währte der gerichtliche Streit. Pro und contra wurde ein Journal gegründet, große Summen verausgabt, bis endlich beide Theile des Haders müde wurden und ein Vergleich zu Stande kam. Es wurden durch⸗ ſchnittlich 10% an die Käufer der ominöſen Papiere bezahlt