Jahrgang 
1868
Einzelbild herunterladen

Minze Julin Iht ſugen miüt Linien aus: chligen u und rben

ſt ein hiſtüc

Bau⸗ ertos, ſchöne elches

blic, duch

eiſte, inen das und iner bitle

ſell. rn, Sie

und Goldwäſchereien, ſie trugen niemals unter 50% und gin⸗ gen ſeit Gründung dieſes ſegensreichen Inſtituts, alſo ſeit 1810, an Kind und Kindeskind über. Es klebte kein Blut an ihren Zinſen, und die Beſitzer der Actien thaten den ſüßeſten Schlummer, ohne des Nachts auf ihren Kiſſen von den Seufzern der Beraubten ge⸗ ſtört zu werden.

Sie beteten für eine gute Saiſon, wie die Nachbarn des Meeres einſt in ihren Kirchen beteten: Gott ſegne unſern Strano! und er erhörte ſie, denn er gab ihnen, wie geſagt, des Jahres ihre runden 50 bis 75 Procente, die andern 25 verkrümelten ſich bei der Berechnung.

Man wird einwenden: wenn das Strandraub war oder iſt, warum theilt denn die Regierung mit uns? Ich ſage nicht das Gegentheil; man kann ſogar ſehr Recht haben, und es iſt eine alte Erfahrung, daß man ſtets zu kurz kommt, wenn man mit den Großen zu theilen gezwungen iſt.

Die Frage, was aus den Spielbädern werde, wenn 1872 der grüne Tiſch hinweg getragen wird, dieſe Frage ventilirt man hier alle Tage. Ich denke mir, es wird mit dem Spiel ebenſo gehen, wie mit der Brigantage in Süditalien, die auch nicht auszurotten iſt. Das Spiel wird ſich wie ſie in die Berge zu⸗ rückziehen; es werden ſich wohlthätige Menſchen finden, welche in ihren Häuſern dieTempel errichten; es wird Wiesbaden, Homburg und Nauheim ergehen wie den Häuſern, in denen einmal der Schwamm ſtect, oder wie den Menſchen, die an Blutvergiftung leiden.

Aber es wird ſtill und melancholiſch werden, wie es ſchon heute pie Sonntage ſind, an denen nicht geſpielt werden darf, wenn cht für einen genialen Vergnügungs⸗Commiſſarius ſorgt. lappern der Goldſtücke iſt den im Curgarten ſitzenden

Freimden eine unentbehrliche Muſik, es iſt der Sang vom Golde,

der ſie ſchön auf den Stühlen draußen unter den ſchattigen Kaſtanien⸗ bäumen träumen läßt, denn ſelbſt wenn ſie ihr letztes Goldſtück drin⸗ nen ſpeben verloren haben, träumen ſie von denen, die ſie wieder gewinnen werden. Es liegt Poeſie im Glück und im Unglück, aber man muß zu beiden die Gelegenheit haben: es muß ſchneller und jäher Wechſel ſein, um das Gemüth in Schwung zu erhalten.

Und wie ſorgt man hier jetzt dafür? Denke Dir, Leſer, einen Menſchen, dem man drinnen im Spielſaal die Taſchen ge⸗ plündert. Melancholiſch ſetzt er ſich draußen auf die Rohrſtühle. Es iſt aber nicht nur der Krieg gegen die Taſchen hier organiſirt, auch gegen die Hoſen ſogar; denn die Hausknechte in allen Ho⸗ tels klagen darüber, daß die Fremden ſämmtlich ihre Kleider an den Nägeln zerreißen, mit venen man ſo ſinnreich dieſe Stühle zuſammen gezimmert. Auf die Taſchen habt ihr euer Privilegium, aber laßt uns wenigſtens die Hoſen ganz.

Es wird ſtill und melancholiſch werden, ſag' ich, wenn das Spiel aufgehoben iſt, denn ſchon jetzt während der Sonntage triecht die Langeweile im Curgarten, wo man die Nachmittags⸗ concerte um 4 Uhr in der glühendſten Sonnenhitze veranſtaltet, damit die Gäſte nach 6 Uhr ins Theater gehen lönnen, wozu Niemand große Luſt fühlt. Schon jetzt ſind dieſe Sonntage zum Gähnen langweilig; was ſoll's werden, wenn es in Zukunft die ganze Woche ſo iſt.

Wir werden Pfänderſpiele im Curgarten veranſtalten müſſen; wir werden alle um den Muſik⸗Pavillon herum ſitzen, auf welchem der(natürlich von der Regierung zu ernennende) Maitre de plaisir ſteht und mit vernehmbarer Stimme aus⸗ ruft:Was ſoll der thun, dem dies Pfand gehört? worauf eine Stimme ruft:Er ſoll rückwärts auf einem Eſel zur Platte hinauf reiten und die wilden Schweine von uns grüßen!

Großer Jubel! Die Gräfin Eulalia muß auf einem Eſel rückwärts zur Platte hinauf reiten, und Lieutenant v. A. erbietet ſich, ſie zu begleiten. Drei Tage darauf wird die Verlobung proclamirt und vierzehn Tage ſpäter wird ſie als rückgängig er⸗ klärt, da man ſich gegenſeitig in den Vermögensverhältniſſen ge⸗ täuſcht. Als Erſatz dafür hat inzwiſchen das Pfänderſpiel zehn andere Verlobungen zur Folge gehabt, und zur Erleichterung der Arrangements gibt der vereidete Maitre de plaisir unter der Hand allen Vätern und Müttern den Rath, ihm über die Mitgift ihrer Töchter die nöthigen confidentiellen Mittheilungen zu machen.

Es ſei fern von mir, zu glauben, daß mit dem Spiel auch der Rheumatismus und das Podogra aufhören werden. Dieſe ſtillen podagriſtiſchen Gäſte werden nach wie vor hierher kommen, aber auch für ſie, die im Spiel noch ihre einzige Gemüthsbe⸗ wegung ſuchen können, da ihnen das Geſchick alles Uebrige ver⸗ ſagt, auch für ſie wird etwas gethan werden müſſen. Man wird Vergnügungspartien für ſämmtliche Rheumatismatiker veranſtalten, hundert Rollſtühle werden einander in einer unabſehbaren Reihe folgen, weißgekleidete Mädchen, die natürlich auch amtlich ausge⸗ wählt ſind, werden ihren Weg mit Blumen beſtreuen; man wird alle Jahre einen Ehren⸗Podagriſten ernennen, dem am Koch⸗ brunnen und im Curgarten die höchſte Reverenz zu erweiſen iſt; ja man wird vielleicht Kletterſtangen errichten, an denen die auf Krücken hierher gekommenen Kranken die Wunderkraft der Ther⸗ men beweiſen können.

Ich ſpare mir die Ausführung meines Programms für die Zukunft auf; man wird meines Rathes ſchon bedürfen, wenn die Zeit kommt. Die Wiesbadener trauern ſchon jetzt um ihren Her⸗ zog, wie werden ſie erſt trauern um ihren Gott, den allmäch⸗ tigen Götzen Hazard, der die Louisdore der Fremden vorn ver⸗ ſpeiſte und ſie hinten an die Wiesbadener wieder von ſich gab, nicht zu reden von den Armen, die er ſpeiſte, und von den Künſtlern, denen er ihre Gage zahlt. Sprecht, ſo viel ihr wollt, von Religion und chriſtlicher Moral, die Kinder und Kindeskin⸗ der von Wiesbaden werden doch ſagen, der Götzendienſt ſei beſſer geweſen als der Gottesdienſt.

Inzwiſchen iſt's leider von Allen gefühlt, die Wiesbaden ſeit Jahren kennen, daß die eigentliche Sahne hier mehr und mehr verſchwindet. Wiesbaden iſt ein ſchlicht bürgerlicher Curort geworden, auf deſſen Oberfläche nur noch hier und da ein Fett⸗ auge ſchwimmt, und die Promenade am Teiche gleicht hinſichtlich der Geſellſchaft oft zum Verwechſeln dem Krollſchen Etabliſſement. Wiesbaden wird immer mehr Stadt und immer weniger Curort. Noblesse oblige und deshalb geht ſie vorzugsweiſe nach Baden⸗ Baden. Es iſt, als betrachte man wahrhaft elegante Toiletten als zu Schade für Wiesbaden, und infolge deſſen iſt nichts leichter, als innerhalb vierzehn Tagen die Toiletten aller anwe⸗ ſenden Damen aus dem Gedächtniß zu kennen.

Jene ruſſiſchen Fürſtenfamilien, die hier ſonſt regelmäßig zu erſcheinen pflegten, alle jene Nobleſſe, welche im Sommer ſo gern nach Wiesbaden zog, ſie geht jetzt nach Ems oder Baden; nur die engliſchen Shopkeepers halten aus, aber ihre blonden Miſſes ſind wie die Haubenſtöcke, und ihre Locken wickeln ſie mit Pa⸗ piloten aus Gebetbuchsblättern.

Woran es liegt, daß die Saiſon an Eleganz verloren, daß die Wirthe trotz all der Frequenz, trotz der 25,000 Fremden, welche das Badeblatt ſchon aufzählt, die Preiſe der Wohnungen herabſetzen mußten? Die Curhaus⸗Direction ſelbſt iſt ſchuld da⸗ ran. Sie läßt ſich von Baden⸗Baden überflügeln, und wenn ſie etwas thut, um ihre Gäſte zu amüſiren, ſo langweilt ſie die⸗ ſelben. Baden⸗Baden annoncirt gegenwärtig die glänzenbſten Concerte und Theatervorſtellungen; Baden⸗Baden engogirt die bedeutendſten Künſtler in Wiesbaden veranſtaltet man Con⸗ certe, in welchen man das Publikum bei 35 Grad Hitze durch Schlaflieder auf dem Cello einlullt, ja man ſtellt den Curſaal abenteuernden Gauklern zur Dispoſition, und ſo konnte es ge⸗ ſchehen, daß Albina di Rhona zum Skandal der Geſellſchaft im Curſaal tanzen, declamiren und Taſchenſpielerkünſte treiben durfte, was in einer Seiltänzer⸗Bude gewiß am rechten Orte geweſen wäre.

Ich verlange keineswegs, daß man zum Amüſement der Geſellſchaft jedem Gaſt eine Spieluhr an ſeiner Badewanne an⸗ bringe, aber im Curhauſe ein langweiliges Concert des Cäci⸗ lien⸗Vereins, um deſſentwillen man die Circulation abſperrt, und im Theater heuteCabale und Liebe, morgenDorf und Stadt und übermorgen vielleichtDer Sohn der Wildniß, auf welche vortreffliche Stücke man 25 Gulden einnimmt dazu ſoll man ſich lieber die Eſel einladen, die für alle Fälle geſattelt zwiſchen dem Curhaus und dem Theater ſtehen.

Hans Wachenhuſen.