Jahrgang 
1868
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Lorenz von Medici und Julian Giambertv.

Ei, das iſt hochwillkommen, rief Lorenzo.Ich ſoll in Venedig nur Gutes erfahren; heute ſchon hat man mich mit allerlei Luſtbarkeiten überſchüttet. Er wies auf einen ſchönen Folianten, Zeichnungen, Gefäße und Käſtchen von ſeltener Arbeit, welche ihn umſtanden.Nun kommt, laßt uns Euern Entwurf ſehen tritt zu mir, Geromino, du magſt das ſchöne Werk mit anſchauen. Der Günſtling Lorenzo's trat hinter den Stuhl des Herrn, Julian ſchob ein niedriges, mit ſchwerem venetianiſchen Sammt überzogenes Tabouret vor den Mäcen, ſtützte ſein linkes Knie darauf und gegen daſſelbe den Plan lehnend, zog er die Hülle von demſelben fort, mit welcher er ſeine Zeichnung be⸗ deckt hatte.

Ah das iſt herrlich, rief Lorenzo, von der Zierlichkeit des Entwurfes entzückt.Das macht Euch Ehre das iſt ein

Wachenhuſens Hausfreund. RI. 14.

* R. Brend'amour& Co⸗

Werk würdig der Alten, man ſieht, Ihr habt den Vitruv ernſtlich ſtudirt welch kühne Bogen, welche großartige und doch ſo graziöſen Verhältniſſe. Julian begann nun die Einzelheiten zu erklären.

Dieſer Aufgang iſt ganz nach dem Vorbilde des Vitruvius, ſagte er.Aber dieſe Wölbung habe ich nach neuen Principien conſtruirt, ſie ſoll aus einem einzigen Bogen beſtehen und dürfte ihresgleichen nicht finden.

Lorenz prüfte die Zeichnung;hier unten, ſagte er lächelnd,hier ſind die Linien ein wenig unſicher ja, wenn ich mir den Einwurf erlauben darf: die Rechnung ſcheint mir nicht ganz zu ſtimmen. Es macht den Eindruck, als habe der treffliche Julian Giamberto in aller Eile und um nur bald fertig zu werden, dieſen Theil der Zeichnung vollendet. Julian er röthete leicht.

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