Jahrgang 
1868
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lichen Schmuckes an Gold und Silber zu bedürfen, imponirte Lorenz unter Allen, die ihn an dem feſtlichen Tage umgaben, am meiſten. Ein ſchwarzſammtenes Unterkleid, deſſen Kanten einfach geſtickt waren, verhüllte ſeine mächtige Geſtalt. Darüber wallte ein rother Seidenrock, den Knöpfe von Diamanten zuſammenhielten. Auf dem Haupte trug er ein Baret, mit leichtem Pelzwerk ver⸗ brämt, an ſeinen Fingern blitzte nur ein Ring, und über die Schulter hatte er ein Schwert an ſtählernem Bande hängen. Es war daſſelbe Schwert, das ihn in allen Kämpfen begleitet hatte mit dem er ſich einſt der Mörder Bandini und Maffei er⸗ wehrte, als ſie ihn und ſeinen Bruder Tulian überfielen, der das Opfer dieſer Verſchwörung ward. Movenigo trank aus einem hohen venetianiſchen Glaspokale dem Mediceer den Willkommen der Stadt Venedig zu, und als Lorenz dieſen Gruß freudig er⸗ widerte, ſalutirten wieder die Geſchütze. An der Piacetta landete der Buccentoro mit dem hohen Gaſte, der von hier aus ans Land ſtieg und durch die jubelnde Menge mit Movenigo in den Dogen⸗ Palaſt ſchritt. Hier wartete das Feſtmahl des Gefeierten dann geleitete der Doge ihn in ein prachtvolles Gemach, deſſen Fenſter auf die Piacetta hinaus gingen, und in deſſen Fenſter der heilige Theodor und der geflügelte Löwe des Markus von den Spitzen der beiden Granitſäulen ſchauten, welche im Jahre 1174 die Venetianer aus Griechenland nach der Hauptſtadt gebracht hatten. Lorenz von Medici blieb, nachdem er ſeine Diener entlaſſen hatte, allein in dem herrlich verzierten Gemache. Drunten auf dem Platze wogte und ſummte die Menge, begierig zum Fenſter hinauf⸗ ſchauend, hinter welchem der berühmte Gaſt weilte. Allmählich trat die Dämmerung ein, und die Kuppeln, die Thürme, alle Fenſter flammten feſtlich helle. Lorenz hatte nur noch Augen und Sinn ſür die Schönheiten, welche vor ſeinem künſtleriſchen Blicke ſich hier entfalteten. Am feſtlichen Tage war ſeine Auf⸗ gabe geweſen, den Staatsmann, der mit einem mächtigen Nach⸗ barn Frieden ſchloß, glänzen zu laſſen, die große politiſche Rolle, die er zu ſpielen berufen war, vollendet durchzuführen; als der Lärm des Empfanges nachgelaſſen hatte, trat die ernſte, mühe⸗ volle Beſchäftigung in den Hintergrund, und die heitere Welt erſchloß ſich vor Lorenz, der nicht genug in den herrlichen Formen ſchwelgen konnte, die jetzt das Licht des Mondes beſtrahlte. Geromino, ſagte er zu dem leiſe eintretenden Kammerdiener, wir haben noch Zeit, ehe das Nachtmahl beginnt. Verhüllen wir uns und fahren wir durch dieſe göttliche Stadt. Matteo ſoll ſagen, ich ruhe. Lorenz zog über ſein ſchwarzes Kleid eine unſcheinbare halblange Robe.Bitte den Cavalier Montone, der zu meinem Dienſte beſtellt iſt, mich zu geleiten, damit ich uner⸗ kannt von Allen, inmitten des jubelnden Volkes, das mich ehrt, auch die Kanäle befahren kann. Es duldet mich nicht länger.

Montone erſchien bald genug. Der Wunſch Lorenz' des Prächtigen war dem Cavaliere Befehl. Er gab dem wachthaben⸗ den Diener ein Zeichen und die Weiſung, daß Lorenz, der Gaſt Venedigs, ſchlummere, dann führte er ihn über Gänge und Treppen zu einer zierlich gewundenen Stiege, welche in den Kanal auslief. Eine Fackel verbreitete hier Helle; denn ſo ſtrahlend die ganze Stadt auch aus dem nächtlichen Dunkel ſich erhob an dieſer Stelle herrſchte tiefe Finſterniß, die Gondeln vermieden es, mit den Fröhlichen hier hindurch zu gleiten, Stille ringsum und von dem Markus⸗Platze her tönte der Lärm des Volkes die Treppe mündete gerade an der Stelle des Kanals, wo hinter dem Dogen⸗Palaſte ſich der Bogen der Seufzerbrücke ſpannt. Lorenz ſtieg in die bereit gehaltene Gondel bald war er, mit ſeinem Begleiter unter der Marmorwölbung des Rialto durchfahrend, in den großen Kanal gekommen, woſelbſt Hunderte erleuchteter Schiffchen ihn umringten und Keiner der vielen Tauſenden ahnte, wie nahe er dem Gefeierten ſei, der ſich zwiſchen all Denen bewegte, die ihm heute donnernde Grüße zugerufen hatten, die viel darum gegeben haben würden, wäre es ihnen vergönnt geweſen, Lorenz von Medici als Gaſt im Kanale zu begrüßen. Die Gondel, welche Montone abſichtlich von dem nächſten Traghetto herbeigeholt hatte, war ſehr einfach ausgeziert. Der Cavalier hatte, um ſeinen hohen Gaſt nicht der Neugierde auszuſetzen, keine Beleuchtung durch Lampen oder Fackeln anbringen laſſen. Gerade dies erregte die Aufmerkſamkeit der Menge.Beim heiligen Markus! rief eine luſtige Stimme aus

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dem Haufen von jungen Männern und Mädchen, der den Ballaſt einer großen Gondel bildete,beim heiligen Markus dieſes iſt heute ein ſeltener Fall. Heda! Pietro oder Gregorio oder Battiſta oder wie der Burſche von Gondoliere heißen mag weshalb iſt denn kein Leuchtkäfer da vorne auf Eurem Schiffe? He 2

Erleuchtet es! Erleuchtet es riefen Alle, und die umher kreuzenden Gondelinſaſſen wiederholten dieſen Ruf.

Signores, ſagte Montone, ſich halb im Schatten des Gondeldaches bergend.Achtet den Wunſch eines Fremden der unbehelligt bleiben und behaglich dem bunten Treiben zu⸗ ſchauen will laßt die Gondel weiter fahren.

Geh wir hindern Keinen, rief ein junger, reichgekleideter Mann, deſſen ſcharf markirtes Geſicht ein dunkler Vart einfaßte. Aber wir finden es ſonderbar, daß heute, wo Alles dem großen Mediceer mit Hochrufen, Fackeln und Lichtern huldigt, Ihr in einer dunkeln Eondel dahinfahrt.

Der Fremde, rief Montone,iſt ein Freund von mir ein ernſter Mann ein Deutſcher.

Ah, das iſt was Anderes ja die Deutſchen ſind ſtill ſie ſind nicht leicht zu erwärmen, aber ſagt Euerm Freunde, daß wir die Deutſchen doch ehren namentlich ich, der ich Künſtler bin, ich rufe Euerm Freunde da in der Gondel ein Hoch aus auf den Deutſchen Heinr. Wohlgemuth wenn er nach Deutſchland zurückkommt, ſoll er das wieder erzählen.

Ihr ſeid Maler? ſagte Montone.

Ein wenig, aber noch mehr bin ich Architekt und deshalb viel⸗ leicht mein Aerger, weil Ihr nicht Eure Gondel erleuchtet hattet zu Ehren des Medici. Ich bin nämlich in ſeinen Dienſten ich arbeite einen Riß für ſeinen Palaſt zu Proggio⸗Cajano, ich bin ſchon fertig damit, nur wenig Linien fehlen noch, und ich wollte ihm gern hier in Venedig die Zeichnung vorlegen nun ſeht aber die ſchönen Frauen hier die luſtigen Freunde ſie hielten mich von der Arbeit ab, und da möchte ich nicht, daß Lorenz erführe, ich ſei hier nun er wird es auch nicht erfahren aber gehabt Euch wohl, Herr, wir müſſen hier abbiegen die Gondeln fahren zu dicht. Addio. Die Gondel ſchoß in einen Seitenkanal.

Ich habe ihn gleich erkannt, ſagte Lorenz zu Montone. Es iſt mein talentvoller Julian Giamberto. Morgen werde ich mir einen Spaß mit ihm machen.

Am folgenden Tage hielt eine Gondel des Dogen vor dem Hauſe Grocho's, des Steinhauers, hier wohnte Julian. Der Maler und Architekt, der noch im ſüßen Traume ſich wiegte, ward mit dem Erſuchen geweckt, ſich ſchleunigſt in den Palaſt des Dogen zu begeben, woſelbſt der hohe Gaſt, Lorenz von Medici, ihn ſprechen wolle.

Gottes Leib, ſagte Julian, das Bett verlaſſend.Wie ſchlimm iſt es doch in dem Venedig dieſe Sbirren wittern doch Allerlei ſelbſt die harmloſen Maler und Baumeiſter. Wie wiſſen Sie, daß ich in Venedig bin? Ohne Zweifel will Lorenz den fertigen Riß ſehen und ich kann ihn noch nicht aufweiſen. Julian lief zu dem Reißtiſche, wo auf einer Platte der feingezeichnete köſtliche Plan des mediceeiſchen, neu zu er⸗ bauenden Palaſtes in Stift und Farbe entworfen glänzte.Wie hoch iſt es an der Zeit? Eben läuten ſie im Frari di Prime wenn die zweite Meſſe beginnt, muß ich fertig ſein. Er ergriff ſeine Federn, Lineale, Zirkel und begann zu zeichnen. Es ging ihm trefflich von der Hand, und einige Minuten vor der ange⸗ ſetzten Zeit ſtand er mit dem Plane auf der großen Treppe des Dogenſchloſſes. Es währte nicht lange, ſo erſchien der Diener und führte Julian durch eine Menge reichgekleideter Hofleute und Cavaliere, die alle auf Audienz bei Lorenz harrten, aber dieſer empfing immer die Künſtler zuerſt.

Julian Giamberto, ſeid willkommen, rief Lorenzo dem Künſtler entgegen, ihm die Hand reichend.Ich vermuthete Euch nicht in Venedig. Erſt heute in der Frühe des Tages erhielt ich Nachricht davon, daß Ihr in der Lagunenſtadt wäret, und ſo ſendete ich zu Euch. Julian hatte ſeinen Plan an die Wand des Zimmers gelehnt.

Ich habe etwas mitgebracht, daß Euch erfreuen möge, gnädigſter Herr, ſagte er.Es iſt der Riß für den ländlichen Wohnſitz zu Poggio⸗Cajano.