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ſeine Knechte, welchen ſich eine Abtheilung königlicher Arkebuſiere anſchloß. Hinter dieſen ſchritten abgemeſſen einige Magiſtrats⸗ perſonen in ihren ſchwarzen Talaren; einer von ihnen trug eine Pergamentrolle mit dem Urtheilsſpruch, ein anderer einen weißen Stab. Dann endlich erſchien der Verurtheilte, ein ſchöner
junger Mann von fünfundzwanzig Jahren. waren langſam, aber feſt. Seinen Körper umhüllte ein Kittel von grobem Tuche, das edle Haupt ſenkte er zu Boden. Am Morgen waren ſeine prachtvollen blonden Haare unter Henkers⸗ hand gefallen; ein langer ſchwarzer Schleier bedeckte ſein Antlitz, und auf der Bruſt trug er eine Tafel, auf welcher mit großen rothen Buchſtaben ein Wort geſchrieben ſtand— das Wort: BETRUGER.
Eine ſtarke Abtheilung der Schaarwache machte den Be⸗ ſchluß des Zuges.
Die Menge drängte ſich trotz der ſtrengen Befehle, welche ausgegeben waren, ganz nahe an den Zug heran, die Sol⸗ daten waren nicht im Stande, ſie abzuwehren.
„Der arme junge Menſch!“ ſagte eine Krämerin aus einer benachbarten Straße,„ruchlos ſieht er nicht aus!“
„Aber er ſoll doch hingerichtet werden!“
„Nach dem Spruche des Parlaments zu Paris— pah, die Herren ſind mir die rechten Richter.“
„Nun, das Tribunal zu Rheims hatte ihn doch auch ſchon zum Galgen verurtheilt!“
„So jung und ſchon zwei mal verurtheilt“, miſchte ſich ein Dritter in das Geſpräch.„Was hat er denn verbrochen?“
„Er wollte König ſein.“
„König von Frankreich?“
„Nichts Geringeres!“
„Alle Welt will heut zu Tage König von Frankreich ſein“, murmelte der Greis, indem er erbittert auf die Ligue anſpielte.
„Er gab ſich für einen Sohn des verſtorbenen Königs Karl IX. und Eliſabeth's von Oeſterreich aus.“
„Das kann jeder hergelaufene Menſch leicht behaupten.“
„Aber ſchwer beweiſen; er wenigſtens muß keine Beweiſe haben beibringen können, ſonſt hätte man ihn wol nicht ver⸗ urtheilt.“
„Er ließ ſich Franz III. von Frankreich nennen!“
„Wie ein echter Valois?“
„Genau ſo!“
„Er hatte auch Anhänger.“
„Unzufriedene gibt es immer.“
„Waren ihrer Viele?“
„Fn⸗ ziemliche Anzahl!“
„War er reich?“
„Nein, aber er bezahlte königlich, und davon hatten alle Theile Vortheil, ſeine Parteigänger ſo gut als er ſelbſt.“
„Woher erhielt er denn ſeine Gelder?“
„Aus Oeſterreich.“
„Alſo hat der Kaiſer den armen jungen Mann unter⸗ ſtützt?“ „Nein, die Königin Eliſabeth.“
„Die Witwe des verſtorbenen Königs Karl IX. von Frankreich?“
„Eben die.“
„So hat er ſie gekannt?“
„Er hat die hohe Frau im Kloſter Sancta⸗Clara zu Wien beſucht; ſie hat nämlich nach dem Tode ihres Gemahls den Schleier genommen.“
„Und hat ſie ihn als ihren Sohn anerkannt?“
„Man ſagt es!“
„Es erſcheint in der That ſehr glaubhaft, da ſie ihn unterſtützt hat!“
„Er hatte auch noch andere Hülfsquellen.“
„Iſt es möglich!“
„Drei oder vier greiſe Edelleute ſollen Alles für ihn geopfert haben.“
„Sind ihre Namen nicht bekannt?“
„Hm— jedem Sperling auf dem Dache, nur das löb⸗ liche Parlament von Paris wollte von nichts wiſſen.“
Seine Schritte
„Das iſt freilich ſehr bequem.“
„Eine Krähe hackt der anderen die Augen nicht aus.“
„Ja ja, die großen Spitzbuben läßt man laufen, die kleinen werden gehenkt, wie man ſieht!“
„Der arme junge Mann!“
„Er ſoll in ſehr gutem Einvernehmen mit dem Herzog von Epernon geſtanden haben.“
„Das glaube ich gern, iſt es doch bekannt genug, daß der Herzog Heinrich IV. durchaus nicht wohl will.“
„Hat denn Niemand einen Verſuch zu ſeiner Rettung gemacht?“
„Niemand.“
„Hätten ſie nur bei unſerm guten König Heinrich um Gnade für ihn gebeten, ſie wären ſicher nicht abſchlägig be⸗ ſchieden worden.“
„Sie ſollen insgeheim ſeinen Tod als unumgänglich nothwendige Maßregel dargelegt haben.“
„Wahrhaftig?“
„Freilich— um ihn auf ewig ſtumm zu machen!“
„O die Schurken!“
„Wenn das der König wüßte!“
In dieſem Augenblicke langte der Zug am Fuße des Schaffotes an. Der Verurtheilte betrat die Stufen deſſelben. Plötzlich rief eine Stimme laut im tiefſten Schmerz.
„Franz! Franz! Wir ſind dir nahe— uns?“*
Der Jüngling wandte das Haupt und erblickte einen Greis, welcher ſeine Arme nach ihm ausbreitete. Er winkte ihm ein letztes Lebewohl zu, erhob die Augen zum Himmel und ſchritt feſten Fußes die ſieben Stufen zum Hochgericht hinan.
Unter dem ſchwarzen Schleier, dem Zeichen der Schande, ſchlich ihm eine Thräne die Wange hinab.
Meiſter Nicolas Pilefort überſchaute mit kundigem Auge noch einmal prüfend die entſetzlichen Geräthe des Todes. Der Magiſtratsbeamte entrollte ſein Pergament und las mit lauter Stimme das Todesurtheil des Parlaments von Paris. Er fügte noch einige Worte hinzu:
„Franz von La Ramée, du haſt nur noch wenige Augen⸗ blicke zu leben. Du ſtehſt dann vor dem ewigen Richter, vor dem Gott, der Alles ſieht, dem Nichts verborgen iſt. Bekennſt du, daß du die Hand nach der Krone Frankreichs betrügeriſch ausgeſtreckt? Sprich, dich hört das Volk!“
Der Henker entſchleierte das Haupt des Verurtheilten. Ein Gemurmel durchlief die ſtaunende Menge.
„Ganz das Geſicht des verſtorbenen Königs, Karl's IX.“ ſagten einige alte Leute.
Nachdrucksvoll und mit lauter Stimme rief der junge Mann:
„Ich bin Franz von Valois, einzig rechtmäßiger Beherrſcher dieſes Landes!“
„Henker, thu deine Pflicht!“ fiel ihm der Magiſtrats⸗ beamte ins Wort.
Der Stab wurde gebrochen, alle Ceremonien erledigt. Kein Auge blieb trocken; das Geſchick des unglücklichen Jüng⸗ lings hatte die Menge tief gerührt— dieſelbe Menge, welche erſt in herzloſer Rohheit herbeigeeilt war, um das traurige Schauſpiel eines Todeskampfes zu ſehen— die beſſeren Ge⸗ fühle brachen beim Anblick von ſo viel Jugend, ſo viel Schön⸗ heit doch hervor; man darf es zur Ehre des menſchlichen Herzens nicht verſchweigen.
Plötzlich entſtand ein Gedränge.
Ein Greis theilte die Menſchenmaſſe und ſchritt auf das Schaffot zu; es war ein Prieſter, er trug ein Crucifix in der Hand. Langſam beſtieg der heilige Mann das Hochgericht.
„Herr Euſtache Cocquerel!“ rief der Verurtheilte laut, und ſein bleiches Geſicht erglühte von einem Strahle innigſter Freude.
„Ich habe nicht vergeſſen, daß das Kind des ſchwarzen Hauſes zu meiner Gemeinde gehört“, antwortete der greiſe Prieſter feierlich,„ich kam, ihm beizuſtehen in ſeiner letzten ſchweren Stunde!“
ſiehſt du


