Jahrgang 
1868
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ſſich mit den Worten zu mir wendete:

zur Seite, noch fragen, ob mir das Glück gewogen ſein wird? Man hat es mir ganz feſt vorher verkündet, man hat mir ebenſo wol Glück als Unglück geweiſſagt, wie Sie gleich hö⸗ ren ſollen!

Es ſind etwa achtzehn oder neunzehn Jahre ver⸗ verfloſſen ich erinnere mich nicht mehr genau als wir uns eines Morgens bei dem König Karl befanden; außer mir war noch der Cardinal, mein Oheim und Frau Katharine an⸗ weſend. Dieſe erzählte uns unter Anderm, daß ſie kürzlich die Bekanntſchaft einer ganz außerordentlich merkwürdigen Wahrſagerin gemacht habe. Der König antwortete nichts; der Cardinal zuckte ſpöttiſch die Achſeln, und ich ſchwur, daß ich auf dergleichen Kunſtſtückchen nichts gäbe.

Das beſte Mittel, Sie zu bekehren, iſt, jenes Weib kommen zu laſſen?, entgegnete Frau Katharine, und wenig Augenblicke ſpäter ſtand die Kartenlegerin vor uns.

Sie begann ihr Handwerk und ſchlug zuerſt Roth für den König und darauf Schwarz für mich.

(Sire!v ſagte ſie zum Monarchen, iſt für die Fürſten ſehr verhängnißvoll!»

Was heißt das, gute Frau?»

Daß Eure Majeſtät in einem Mai ſterben wird.»

In welchem Mai?» fragte Karl erbleichend.

H, gewiß erſt in ſpäter, ſpäter Zeit!»

Der Cardinal wollte mit der Wahrſagerin nichts zu ſchaffen haben, aber Frau Katharina bat und drängte ſo ſehr, daß er endlich gute Miene zum böſen Spiel machen und nach⸗ geben mußte.

Gnädigſter Herr», ſagte die Alte zu ihm,«was wün⸗ ſchen

(der Monat Mai

Sie von mir zu erfahren?»

Die Zukunft! erwiderte er lachend.

Sie werden König ſein!»

(Ich?» rief jetzt der Cardinal, und lachte nicht mehr. Sie ſelbſt, gnädigſter Herr, allein auch Sie müſſen vor dem Monat Mai auf der Hut ſein; er iſt für die Könige von Frankreich ſehr verhängnißvoll!

Und habt Ihr mir nichts zu ſagen, fragte ich ſie darauf.

O ja, mein Fürſt, blickend,Sie ſind bereits König, ſein!

Was ſollen dieſe Worte bedeuten?

«Ich weiß es ſelbſt nicht, ſchöner Herr, aber die Zu⸗ kunft wird es lehren. Auch Sie haben ſich vor dem Monat Mai zu hüten; vor dem Monat Mai und vor den Kutſchen.

Nun bin ich an der Reihe, Tonina, ſprach jetzt Frau Katharina.

Hier ging der König hinaus, und der Cardinal folgte ihm. Wir Drei blieben allein in dem Gemach, Frau Katha⸗ rine, die Kartenlegerin und ich. Auch ich ſchickte mich an, mich zu entfernen; nicht, daß ich der Sache überdrüßig ge⸗ weſen wäre, ſondern aus Beſcheidenheit. Ich wurde jedoch zurück gerufen und blieb zugegen. Tonina ergriff die Hand der hohen Frau und ſprach: 2

(Gnädige Fürſtin, der Erſte Ihrer Söhne ſtarb durch einen Zufall, der Zweite wird einer Krankheit unterliegen, der Dritte wird meuchlings ermordet werden.

Die Königin ſchrie laut auf.

Gnädigſte Frau, fuhr das Weib fort,« Einen gibt es, der Sie ſelbſt rächt, oder aus deſſen Gebeinen Ihnen doch ein Rächer auferſteht!»

(Nenne ihn, Tonina.

(Es wird Ihr erſter Enkel ſein, hohe Frau. Auch er wird einſt König werden; allein die Valois werden nur unter Einer ſchrecklichen Bedingung gerächt werden: dies Kind muß noch am Tage ſeiner Geburt verſchwinden.»

(Was ſoll das heißen?»

Nichts Anderes, als was ich ſage, hohe Frau: dies Kind muß verſchwinden, und die Valois werden neu erblühen, oder doch gerächt ſein! Tonina entfernte ſich auf ein Zeichen Katharinens, welche

gute Frau?»

antwortete ſie, mich zärtlich an⸗ und Sie werden es einſt

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zweiten male!

Sie hatten Recht, auf ſolche Kunſtſtückchen nichts zu geben, dies Weib iſt wahnwitzig.»

Und nun, meine Herren, bedenken Sie wohl: König Karl ſtarb in einem Maimonat(30. Mai 1574); der Cardinal wurde König von unſeres Vetters, des(General⸗Lieutenants des Staates und der Krone Frankreich, wie er ſich nennt,

in Folge eines unglücklichen Zufalls auf der Jagd nach ein⸗ jähriger kurzer Regentſchaft, Karl IX. unterlag einer Krank⸗ heit; Heinrich III. fiel von Mörders Hand die Volovis ſind ausgeſtorben. Was halten Sie nun von den Weiſſagungen der alten Tonina? Würden auch Sie nicht ein klein wenig an gutes Glück glauben, wenn ſie es Ihnen vorhergeſagt hätte?

Ein fröhliches Gelächter war die Antwort hierauf, und die ganze Geſellſchaft war durch die launig vorgetragene Er⸗ zählung des Mannes mit dem rothen Mantel aufs Heiterſte geſtimmt. Jauchzend ſchwuren Alle ihrem Führer zu folgen bis in den Tod und mit ihm zu fallen, oder zu ſiegen. Während dieſes Auftrittes verhielt ſich Frau Guillemette und ihre Gäſte ganz ruhig: ſtill und aufmerkſam ſaßen ſie Alle in einem Winkel des Saales. Der Hauptmann La Rameée ſchien in düſteres Sinnen verſenkt; Simon horchte mit weit aufgeriſſenen Augen auf jede Silbe des Geſprächs, ohne ein Sterbenswort davon zu faſſen; Frau Guillemette ſaß glück⸗ ſelig lächelnd da; das Kind des ſchwarzen Hauſes wurde nicht

müde, alle die ſchönen und ſtattlichen Männer zu betrachten, deren

Waffen augenſcheinlich nicht müßig in der Rüſtkammer gehängt hatten; zu dem Manne im rothen Mantel, welchen er wieder und wieder betrachtete, fühlte er ſich mit ganzem Herzen hin⸗ gezogen; Jakob von Campdaraine endlich ließ ſich auch nicht das kleinſte Wort von der an der Tafel geführten Unterhal⸗ tung entgehen und murmelte nur bisweilen ſtill für ſich: Ja es gibt eine Vorſehung, ſie offenbart ſich mir heute zum

Mein guter Mann, Gaſtwirth an,weißt du, daß Alles, was du uns da vorge⸗ ſetzt haſt, ausgezeichnet iſt?

Es iſt nicht anders als immer, gnädiger Herr, ant⸗ wortete der Wirth zu den(Drei Kronen? mit beſcheidenem Stolze,und bei einem Gaſte wie Eure Hoheit, thut man gern, was man kann.

Mordi, es wird nicht oft vorkommen, daß du ſo vor⸗ nehme Herren unter deinem Dache ſiehſt!

Bisweilen doch!

Oho! Kennſt du die Namen dieſer edlen Ritter?

Wer hätte ſie mir nennen ſollen?

So will ich es jetzt thun. Werke wohl auf und be⸗ halte ſie feſt im Gedächtniß; denn ihre Träger ſind die edelſten und beſten Leute in ganz Frankreich. 3

Meiſter Denis lauſchte mit angehaltenem Athem.

Zu meiner Rechten ſiehſt du Seine Erlaucht, den Fürſten von Pleſſis⸗Marly, Philipp von Mornay, Geſandten des Königs von Frankreich.

Ein Geſandter!

Zu meiner Linken erblickſt du den Marguis von Rosnh, Maximilian von Beéthune, Schatzmeiſter des Königs.

Ein Schatzmeiſter!

Dieſer Herr iſt Thomas von Clermont, Graf von Saint⸗Georges und Fürſt von Delain in der Franche⸗Comté.

Himmel, ein Fürſt!

Hier Baron Honorat von Beauvilliers; Graf von Saint⸗ Aignan, Oberſtallmeiſter des Königs; der würdige d Aumont; Graf Kaspar von Schomberg; Graf von Rambouillet; Theodor

Maurh, Generalfeldmarſchall des Königs; Givry; Herr von Vic; Herr von Humieères; Sarlu; Saint⸗Tronquet; Neuville; Biron; der edle Crillon und Jakob von Caumont; Marquis von Force; Graf von Caſtelnau, Oberkammerherr des Königs. Nun, mein lieber Mann, was ſagſt du nun?

Ich ſage, daß der gnädige Herr Eins vergeſſen haben.

Und das wäre? 83*

Mayenne Gnaden, und trägt die Krone noch; Franz I. ſtarb

redete jetzt der Rothmantel den

Agrippa von Aubigné; Graf von Aubigné; Fürſt von Saint⸗