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ihu ſen,
lich an ſich gebracht. Jeder von ihnen ſoll nur einen Mann als Bedienung mit ſich nehmen.
Armſtrong hat den Kampf angenommen, und ſo kann denn nächſtens die gefährliche Reiſe wieder losgehen.
Die Regierungen, denen es im eigenen Lande auf etwas mehr oder weniger Dunkelheit niemals anzukommen pflegt, machen ſich viel Sorge um die gänzliche Verdunkelung der Sonne, welche uns am 18. Auguſt bevorſtehen ſoll, aber nur im indiſchen Ocean total zu beobachten ſein wird.
Die franzöſiſche Regierung hat bereits, wie erwähnt, eine Commiſſion von Gelehrten und Marine⸗Offizieren ernannt, welche auf einem Regierungs⸗Schiff abgehen ſoll, um in dieſen Gewäſſern ihre Veobachtungen zu machen, auch zu dieſem Zweck eine Summe von 50000 Francs ausgeſetzt. Mehrere andere Staaten bereiten ähnliche Expeditionen vor und ſparen nicht das Geld, um den Zweck zu erreichen; es wird alſo einen Wettkampf um die Sonnenfinſterniß geben.
Die franzöſiſche Expedition beſteht aus fünf Perſonen, ſoll ſich zunächſt nach Saigun begeben und von dort aus den Golf von Siam als beſten Beobachtungspunkt erreichen. Alles, was nur an Inſtru⸗ menten u. ſ. w. aufzutreiben iſt, wird mitgenommen, und die fran⸗ zöſiſchen Marine⸗Offiziere der chineſiſchen Stationen ſollen den Ge⸗ lehrten ihre Dienſte zur Verfügung ſtellen.
Die Sache iſt nun ſo weit ganz hübſch und der Zweck ein un⸗ ſtreitig erhabener; aber es hat bekanntlich mit den Sonnenfinſter⸗ niſſen immer ſeinen eigenen Haken. Auch am 6. März 1867 erwartete man eine Sonnenfinſterniß, die auch in Europa, namentlich in Frank⸗ reich und Italien ſichtbar ſein ſollte. Wie zu erwarten war, machten ſich alle Sternengucker mobil; ſie reiſten nach den zweckmäßigſten Punkten, die Regierungen ſtellten ihnen die nöthigen Gelder und
Inſtrumente zur Dispoſition; aber ſiehe da, oder vielmehr ſiehe nicht
da als der Tag kam, verfinſterte ſich die Sonne zwar(daran zweifelte Niemand), aber Niemand ſpürte etwas davon. Der Himmel war dicht überzogen, es regnete, ja es ſchneite an einzelnen Beobachtungs⸗ orten, und die Herren reiſten unverrichteter Sache wieder nach Hauſe.
Wie nun, wenn es auch den Gelehrten, die in die indiſchen Ge— wäſſer reiſen, um die totale Finſterniß zu ſehen, wiederum ſo er⸗ ginge? Wenn ſie die weite Reiſe gemacht hätten, um es— regnen zu ſehen, was ſie zu Hauſe viel bequemer haben könnten?
Die Regierung ſowol wie die Commiſſion ſcheinen dieſe Möglich⸗ keit vorausgeſetzt zu haben. Die letztere hat deshalb für den un⸗ günſtigen Fall den Auftrag erhalten, allerlei anderweitige Forſchungen anzuſtellen, die der Welt von Vortheil ſein können, um ſich die Zeit zu vertreiben und ſich nützlich zu beſchäftigen, und ſollen ihr auch für dieſe nicht voraus zu ſehenden Zwecke die Offiziere des Kriegs⸗ ſchiffs hülfreiche Hand leiſten.
Wie wär's, wenn man ſich die Zeit verkürzte, um ein bischen Seeräuberei zu treiben? Oder, noch beſſer: wenn man ſich das Bei⸗ ſpiel des Chriſtoph Columbus zu Nutze machte, indem man irgend noch ein unerobertes Land der Wilden überfiele und ihnen zuriefe wie jener Weltentdecker: Ihr elendes Geſindel, der Gott der Weißen verlangt Euere Unterwerfung! Wenn Ihr nicht binnen drei Stunden zu Kreuze kriecht, wird er die Sonne verfinſtern und Ihr werdet Euer ganzes Leben lang im Duſtern ſitzen!— Die Wilden würden darauf antworten: das wollen wir doch erſt erwarten!— Die Sonne würde ſich ſofort verfinſtern und die Wilden ſich unterwerfen.
Mein Vorſchlag iſt auf alle Fälle der Ueberlegung werth. Wenn es den Leſer intereſſirt, ſo füge ich hinzu, daß wir in dem laufenden Jahrhundert an Sonnenfinſterniſſen ſchon hinter uns haben die von 1801, 1806, 1842, 1850, 1851, 1856, 1860, 1861, 1867, und daß wir noch zu erwarten haben die von 1870 G. December), 1887 (19. Auguſt), 1896(9. Auguſt) und endlich 1900 am 8. Mai, welche letzteren uns übrigens wenig hier kümmern ſollen.
Die Zeitungen bringen die betrübende Nachricht, daß der Page der Königin Victoria von England geſtorben ſei. Für meine Leſerinnen wird dieſe Trauerbotſchaft vielleicht eine rührende ſein, wenn ſie ſich dieſen Pagen vorſtellen, wie man ſich eben einen Pagen vorzuſtellen pflegt, achtzehn Jahre alt, blond, fromm, gehorſam und treu, mit einem Worte, wie ſie die Dichter beſingen. Unſer Jahr⸗ hundert der Proſa kennt leider dieſe Pagen nicht mehr, und es kann deshalb nicht verſchwiegen bleiben, daß der Page der Königin mit Ehren ſeine dreiundachtzig Jahre zählte, was ihn nicht hinderte, der Page der Königin zu ſein.
Aus Sevilla kommt eine ſtolze Nachricht. Cuchares, der ge⸗ feierte Toreador, der Stierfechter Par escellence, hat ſeinen ſieben⸗ hundertſten Stier in der Arena erlegt, ohne während ſeiner ganzen Siegeslaufbahn jemals ernſtlich verwundet worden zu ſein. Es dürfte ſich kaum ein Metzger in Europa rühmen können, ſo viel Ochſen niedergeſchlagen zu haben, wie der göttliche Cuchares Stiere erlegt. Sollte es nicht einem der übrig gebliebenen gelingen, endlich den Tod ſeiner Brüder an dem gefeierten Eſpada zu rächen?
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twas Neues, wenn auch ſonſt Alles ſchon dageweſen. In Paris verkündet man das demnächſtige Erſcheinen einer„Geheimen Zeitung“. Es iſt das nicht etwa ein Journal für geheime Räthe oder ſolche, die es werden wollen, ſondern ganz einfach ein kleines Journal, das in einem Couvert erſcheint und über deſſen geheimen Inhalt noch nichts Näheres verrathen wird.
Ich ſchließe meine heutigen Plaudereien mit den alarmirenden Ereigniſſen, deren Schauplatz ſeit einigen Wochen das belgiſche Ge⸗ fängniß Leuwarden iſt. Schon mehrmals gelang es nämlich in letzter Zeit einigen Gefangenen dort, nächtlich zu entwiſchen, ohne daß man ihrer wieder habhaft zu werden vermochte.
Der Commandant gab natürlich infolge deſſen verſchärfte Ueber⸗ wachungsbefehle, aber auch dieſe fruchteten nicht; denn in einer der letzten Nächte ereignete ſich abermals ein Fluchtverſuch, den ſeltſamer Weiſe gerade das„Gcho des belgiſchen Parlamentes“ in folgenden Zeilen berichtet:
Eine neue Entweichung hat wiederum ſtattgefunden. Ein Schuß der Schildwache ſetzte in der Nacht Alles in Alarm. Der Commandant hatte nämlich einen Eſel für ſeine Kinder gekauft, und dieſes Thier gerieth während der unerträglichen Hitze, die es nicht ſchlafen ließ, auf die Idee, ſeinen Stall zu verlaſſen, um in der Nachtkühle eine Promenade zu machen. Auf dieſem Spaziergange kam der Eſel an eine Mauer. Freund ſchöner Ausſichten, legte er die Vorderfüße auf die Brüſtung, um hinüber zu ſchauen.
„Qui vive!“ ruft die Schildwache.
Der Eſel glaubt ſich nicht verpflichtet, jedem Neugierigen zu ant⸗ worten, und beobachtet hartnäckiges Schweigen. Da fällt ein Schuß und das arme Thier bricht zu Tode verwundet zuſammen.
Alles läuft herbei, durch den Schuß erſchreckt, und findet den Todten.
Wer war hier der Eſel?
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Ein unenthülltes Geheimniß.
Am 7. December gegen 11 Uhr des Nachts ſaß Doctor Villena in ſeiner, in der Sacramentſtraße in Toledo gelegenen, beſcheidenen Wohnung, mit Leſen beſchäftigt, als das Geräuſch eines vor ſeiner Hausthür haltenden Wagens ihn aufhorchen ließ. Fünf Minuten ſpäter klopfte Jemand leiſe an die Thür und er öffnete.
„Herr Doctor Villena?“ redete ihn eine Dame an, die verſchleiert war, daß es ihm nicht möglich war, zu erkennen, häßlich oder ſchön, jung oder alt ſei.
„Der bin ich, Madame, bitte einzutreten.“
Die Dame ließ ſich auf dem Fauteuil nieder.
„Worin kann ich ihnen nützlich ſein?“ fragte dieſer.
„Iſt Niemand hier, der uns hören kann?“
„Niemand.“
„Ich verlange Ihre Hülfe für eine Perſon, die mir nahe ſteht; ich wende mich zuerſt an Sie, aus verſchiedenen Gründen, die zu erörtern unnöthig iſt. Sie ſollen für Ihre Mühe reichlich belohnt werden, unter der Bedingung, daß Sie das tiefſte Schweigen be⸗ obachten und daß Sie ſich vor dem Verlaſſen ihrer Wohnung die Augen verbinden laſſen. Sind Sie damit einberſtanden, mein Herr?“
„Etwas weniger geheimnißvoll wäre mir lieber, indeß habe ich nichts dagegen einzuwenden, ſobald Sie nicht die Abſicht haben, mich indirect an einer ungeſetzlichen Handlung theilnehmen zu laſſen.“
„Nun, dann treffen Sie Ihre Anſtalten, es handelt ſich um eine Entbindung.“
Villena war im Augenblicke fertig.
„Hier ſind 2000 Francs“, ſagte die Dame,„laſſen Sie uns einſteigen.“
Am Fuße der Treppe warf die Verſchleierte dem Doctor eine Art ſchwarzſeidene Kapuze über den Kopf und ergriff ſeine Hand, um ihm beim Einſteigen behülflich zu ſein; der Wagen fuhr dahin. Der Doctor in ſeiner Ecke errieth ſofort, daß er zu irgendeiner reichen Familie geführt werde, denn die Kiſſen waren von Seide und die beiden Pferde flogen dahin wie echte Vollblut. Der Doctor ver⸗ ſuchte ſich möglichſt zu orientiren, doch verſchiedene Kreuz⸗ und Quer⸗ wege, die der Wagen einſchlug, machten es ihm unmöglich. Endlich verließ der Wagen Toledo, ohne daß er wußte, durch welches Thor,
ſo dicht ob ſie
wenig beſuchten Seitenweg, denn die Baumzweige zerknickten unter den Rädern, ſtill.
„Wir ſind da“, ſagte die Dame, indem ſie ihn von Neuem bei der Hand nahm und ihn erſt einen langen Gang und dann eine hohe Treppe hinaufführte; hier drehte ſich ein Schlüſſel im Schloſſe, eine Thür öffnete und ſchloß ſich wieder; Villena konnte wieder um ſich blicken, denn er war jetzt ohne Kapuze. Er befand ſich in einem großen, viereckigen, ſpärlich meublirten Zimmer, das nur durch den Schein des im Kamin brennenden Holzes beleuchtet wurde. Vor ihm, quer vor einem verhangenen Fenſter ſtand ein eiſernes, zur Hälfte von Vorhängen verdecktes Bett. Er gewahrte auf demſelben eine
unbewegliche menſchliche Geſtalt.
und hielt nach ungefähr dreiviertel Stunden in einem wahrſcheinlich


