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Unabhängig von den Beſtrebungen, welche in den letz⸗. ſch
ten Jahrzehnten Deutſchland in ſteter Spannung erhalten, E 1 u k U 0 r d d k U t o10 und doch damit im innigen Zuſammenhange, hat ſich das
Bewußtſein der Macht und Kraft auch nach einer Richtung 3—
hin entwickelt, welche, von geringen Anfängen ausgehend, bald zu einer gewaltigen Strömung anſchwellend, Volk und Regierung zum gemeinſamen Handeln fortriß. Ein Blick auf die lang ausgedehnten Geſtade der Oſt⸗ und Nordſee, das richtige Gefühl, daß der überſeeiſche deutſche Handel nur unter kräftigem ſtaatlichen Schutze gedeihen und blühen könne, die hiſtoriſchen Ueberlieferungen der kühnen Thaten und großen Erfolge zur See unſerer Altvorderen, kurz Alles mußte dazu dienen, dem allgemeinen Drange nach der Ein⸗ richtung einer deutſchen Marine Vorſchub zu leiſten, deren kräftige Entwickelung in verhältnißmäßig kurzer Zeit unter ſolchen Umſtänden nicht lange auf ſich warten ließ. Einmal in dieſem Fahrwaſſer, konnte es nicht ausbleiben⸗ daß deutſche Bildung und Strebſamkeit ſich ein Feld ſuchten, auf dem ſie, mit anderen ſeefahrenden Nationen wetteifernd, aufs Neue die culturhiſtoriſche Miſſion des deutſchen Volkes bethätigten.
Das Streben nach handelspolitiſchen Vortheilen, ins⸗ beſundere die Aufſuchung einer nordweſtlichen Durchfahrt als eines kürzern Handelsweges nach Oſt⸗Aſien, gab ſchon vor Jahrhunderten den Engländern Veranlaſſung zu Po⸗ lar⸗Expeditionen, denen ſich ſpäter die Amerikaner rivali⸗ ſirend anſchloſſen. Männer wie Davis Baffin, Parrh, Roß, Franklin, MClintock, MClure, Kane, Inglefield, de Haven und Andere haben dieſen Unternehmungen ihr Leben ge⸗ weiht und ihre Namen der Nachwelt überliefert. Wie gering auch verhältnißmäßig ihre Erfolge waren, ſo konnte doch weder dieſer Umſtand, noch die bisjetzt unbeſiegten Schwierig⸗ keiten, welche ſich dem weiteren Vordringen in die arktiſchen Regionen entgegenſtellten, noch auch endlich das beklagens⸗ werthe Loos Franklin's und ſeiner Genoſſen dem Verlangen nach neuen Forſchungen ein Ziel ſetzen. Die Wiſſenſchaft, welche bis dahin an der gewonnenen Ausbeute nur ein ge⸗ ringes Intereſſe hatte, war beſonders durch die zur Auffin⸗ dung Franklin's geleiteten Expeditionen und die von den Führern derſelben gemachten Erfahrungen angeregt worden, und als im Jahre 1865 Kapitän Osborn der geographiſchen Geſellſchaft zu London einen von ihm vollſtändig ausgearbei⸗ teten Plan einer Nordfahrt, die als vornehmlichſtes Ziel die Auffindung des Nordpols zum Gegenſtande hatte, vorlegte, wurde derſelbe mit Acclamation angenommen und die Aus⸗ führung beſchloſſen. Die Idee Osborn's ging dahin, auf dem bisher eingeſchlagenen Wege im Weſten von Grönland zu Schiffe Smithſund zu erreichen und von dort bis zum Pol auf Schlitten vorzudringen, wobei er auf den bis⸗ herigen Erfahrungen fußend, von der Vorausſetzung aus⸗ ging, daß Feſtland oder eine zuſammenhängende Reihe von Inſeln, wodurch die Anlegung von Proviant⸗Depots ermöglicht würde, Smithſund und den Pol mit einander verbinden müßten. Einem deutſchen Gelehrten war es vor⸗ behalten, der Ausführung der Osborn'ſchen Expedition wenig⸗ ſtens vorläufig Schranken zu ſetzen. Unſer allbekannter Pro⸗ feſſor Dr. Petermann aus Gotha, correſpondirendes Nit⸗ glied der Londoner geographiſchen Geſellſchaft, trat in einem an dieſe gerichteten Briefe mit Entſchiedenheit gegen den Os⸗ born'ſchen Plan auf und empfahl mit ſchlagenden Gründen, deren Aufzählung nicht Gegenſtand dieſer Abhandlung ſein kann, das Einſchlagen der öſtlichen Route über Spitzbergen, in⸗ dem er namentlich auf die Reſultate der Parrh'ſchen Expedition verwies, welcher in dieſer Richtung den nördlichſten Punkt 82 45“ erreicht und weit nach Norden hin ein ſchiffbares Meer gefunden hatte. Dieſer Plan, für welchen ſich nach langen und heftigen Debatten ſchließlich auch der Präſident der Londoner Geſellſchaft, Sir Roderik Murchinſon, und mit ihm die Majorität der Mitglieder entſchied, fand auch in Deutſchland An⸗ klang, und der Rückhalt, den man in der Kriegsmarine mit Recht er⸗ warten durfte, ſpornte dazu, bei der Ausführung eines deutſchen Pro⸗ jects den Engländern zuvor zu kommen. Hauptſächlich war es Reinhold Werner, Corvetten⸗Kapitän der norddeutſchen Bundes⸗Marine und gegen⸗ wärtig Ober⸗Werftdirector in Danzig, welcher begeiſtert auf die Ideen ſeines Freundes Petermann einging und den Ruhm ſowie die Vortheile eines ſolchen Unternehmens dem Vaterlande zu ſichern ſuchte. Von der Ueberzeugung ausgehend, daß unter den obwaltenden politiſchen Ver⸗ hältniſſen auf eine raſche Betheiligung Seitens der Regierungen nicht zu rechnen, wurde beſchloſſen, die Expedition durch Aufbringung von Privatmitteln ins Leben zu rufen. Mit der ihnen eigenen Energie wirk⸗ ten beide Männer für das Zuſtandekommen des Unternehmens und
hatten auch bald die Genugthuung, daſſelbe geſichert zu ſehen. Im Früh⸗ ſommer 1865 verließ ein in England gecharterter Dampfer, aufs Beſte ausgerüſtet und mit Gelehrten am Bord, Hamburg mit der Beſtimmung Hammerfeſt anzulaufen, die von einem Schweden in der Nähe entdeckten Kohlenlager zu exploriren, demnächſt Gillis⸗Land feſtzulegen und ſo weit als möglich nach Nord-Oſten vorzudringen. Leider vereitelte Furcht und kleinliche Eiferſüchtelei des am Bord des Dampfers befindlichen eng⸗ liſchen Maſchinen⸗Perſonals die Ausführung ſchon in ihren erſten Sta⸗ dien, und die Expedition mußte aufgegeben werden. Weit entfernt, ſich
durch dies Misgeſchick abſchrecken zu laſſen, ſuchte Werner das vorgeſteckte Ziel auf anderem Wege zu erreichen. Seine dienſtliche Stellung gab ihm
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Gelegenheit, im Verkehr mit hochgeſtellten und ein⸗ flußreichen Männern dieſe für das Project zu inter⸗ eſſiren und namentlich die Herren v. Bismarck, v. Roon und Moltke dafür einzunehmen. Durch ihre Vermittelung gelang es ihm am 19. Februar 1866 in der militäriſchen Geſellſchaft zu Berlin ſeinen vortrefflichen Vortrag„Betrachtungen über eine deutſche Nordpolfahrt“ in Gegenwart Sr. Majeſtät des Königs und der meiſten Mitglieder des königlichen Hauſes zu halten. Das Ergebniß überſtieg ſeine kühnſten Hoffnungen und ſchon beſchäf⸗ tigte ſich Werner, auf die in Ausſicht geſtellte Staatshülfe fußend, da⸗ mit, die Zeichnungen zur Einrichtung Sr. Majeſtät Dampf⸗Corvette „Nymphe“ für eine längere Polar⸗Expedition anzufertigen, als die dro⸗
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