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Aber er iſt zu entſchuldigen; denn wahrlich, ich hätte nie ge⸗
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„Was haben Sie, königliche Hoheit?“ riefen die Ritter durcheinander, indem ſie gleichfalls aufſprangen.
Der Angeredete antwortete nicht, ſondern fuhr fort, das Kind des ſchwarzen Hauſes in ſeltſamer Erregung zu betrachten.
„Wer ſind Sie?“ fragte er endlich mit zitternder Stimme.
In ſtolzer Ruhe antwortete Franz:„Ich bin der Sohn des Hauptmanns La Ramée.“
„Des tapfern La Ramte?“ fragten die Ritter.
„Ja, meine Herren.“
Der alte Hauptmann fühlte in gerechtem Stolze ſein Herz höher ſchlagen; allein er verbarg ſich hinter ſeinem Freunde Jakob von Campdaraine, welcher anfing, blaß und beklommen zu werden. Der hohe Herr athmete bei der Antwort des Jünglings tief auf und ſagte dann zu einem ſeiner Gefährten:
„Welch thörichter Gedanke fuhr mir da durch den Sinn.
glaubt, daß es ſo außerordentliche Aehnlichkeiten geben könnte. Es iſt ganz ſein Ebenbild, als er in dieſen Jahren ſtand— die blaſſe Geſichtsfarbe, die klugen und ſtolzen Züge, die ſchwermüthigen Augen, der feingeſchnittene Mund— ſehen Sie nur, Lommeau!“
Dieſe Worte waren an einen Mann von etwa funfzig Jahren gerichtet, welcher einfacher und minder kriegeriſch aus⸗ ſah als die übrigen Herren des Gefolges. Auch dieſer er⸗ bleichte und heftete auf das Kind des ſchwarzen Hauſes er⸗ ſtaunte und erſchrockene Blicke.
„Wahrlich— man kann ihm nicht mehr ſtammelte er beſtürzt.
„Lommeau!“ rief Jakob jetzt laut aus und ſprang er⸗ regt in die Höhe,„Sie ſind Lommeau, der Arzt?“
„Der bin ich. Sie kennen mich?“
„Sie ſind aus Poitiers?“
„Sie haben in den Jahren von 1565— 1575 in Paris gelebt?“
„Sie waren der Leibarzt der Königin?“
„Ja— allein was ſoll das hier, mein Herr!“ ſagte ſtolz der Mann der Wiſſenſchaft,„und woher kennen Sie mich?“
„Ich war damals Commandant der Palaſtwache des Königs!“ entgegnete Herr von Campdaraine mit größerer Ruhe.
„Nun, dabei iſt wohl kein beſonderes Geheimniß“, ver⸗ ſetzte der Arzt mit leichtem Spott.
„Es gibt auf Erden kein Geheimniß, mein Herr Lommeau“, ſagte Jakob betonend.
Der Andere betrachtete den Sprecher mit durchbohrenden Blicken, gleich als wollte er deſſen innerſte Gedanken erforſchen. Dieſer zuckte mit keiner Muskel des Angeſichts und wandte ſich darauf wieder zu der Gruppe, welche Frau Guillemette, Simon Garlande, der Hauptmann La Ramée und ſein Sohn
gleichen!“
bildeten. Sie Alle ſtanden noch unter dem Eindrucke, welchen
Erinnerungen
das Aufſehen, das der Anblick des jungen Franz verurſacht, auf ſie hervorgebracht hatte.
„Meiſter Le Roy“, ſagte die greiſe Hoheit jetzt lächelnd, „wir Alle werden uns mit Freuden an das Wirthshaus zu den(Drei Kronen zurückerinnern!“
„O Dank, tauſend Dank für die Ehre, welche Sie uns
erzeigt, gnädigſter Herr!“
„Nun heißt es: Aufgeſeſſen, meine Herren, und vorwärts nach dem Schloſſe.— Bezahlen Sie unſern wackeren Wirth, Lommeau.“ Damit ſchritt der Greis hinaus, indem er noch einen langen Blick auf das Kind des ſchwarzen Hauſes heftete. Die Ritter folgten ihm, mit Ausnahme Lommeau's, welcher in dem Saale bei Guillemette und ihren Bekannten noch einen Augenblick zurückblieb.
„Ja, es gibt eine Vorſehung!“ dachte Jakob von Campdaraine.„Es wäre ein Verbrechen, daran zu zweifeln. Ueberall kann man den Fingerzeig Gottes wahrnehmen; der Zufall iſt ein Unding.“
Lommeau bezahlte die Frau Guillemette war auf's Höchſte zufrieden. der Arzt die Gruppe und wollte ſich entfernen.
„Mein Herr“, redete ihn der Hauptmann La Ramee an,„darf ich Sie um eine Gefälligkeit erſuchen?“
„Sprechen Sie.“
„Sagen Sie mir, wer jener edle Greis iſt, Gefolge Sie ſich befinden.“
„Sie ahnen es nicht?“
„Nein.“
„Es iſt der König.“
„Der König!“ riefen alle Umſtehenden.
„Ja, der König“, beſtätigte Lommeau.
„Und welcher König?“ fragte der Hauptmann.
„Se. Majeſtät der König Karl X. von Frankreich.“
„Das Haupt der Ligue!“
„Das Haupt Frankreichs, mein Herr!“
„Wäre es unhöflich, Sie noch darum zu fragen, ob er wirklich gefangen iſt?“
„Leider, ja!“
„Und weſſen Gefangener iſt er?“
„Derjenige Heinrich's von Bearne.“
„So ſind dieſe Edelleute alſo in der That—“
„Seine Hüter! Nur ich allein bin ſein Freund und be⸗ weiſe, daß ich es bin.— Doch leben Sie wohl, mein Herr; Se. Majeſtät erwarten mich!“
„Ein Wort noch— wohin gehen Sie jetzt?“
„Nach Schloß Fontenay.“
„Ich danke Ihnen.— Glück auf den Weg!“
„Leben Sie wohl, meine Herren!“— Er entfernte ſich.
„Auf Wiederſehen, Doctor Lommeau!“ rief ihm der greiſe Jakob von Campdaraine in ſeltſamem Tone nach.
(Fortſetzung folgt.)
Zeche mit fürſtlicher Freigebigkeit; Dann grüßte
in deſſen
*
an Geſterreich.
Das Czechenthum.
Das heutige Böhmen iſt keineswegs ſo aufgegangen in. bei ſeiner langen Zugehörig⸗
dem öſtevreichiſchen Reich, als es keit angenommen werden ſollte. Man wird ſich noch erinnern, wie eigenthümlich darauf auch die Proclamationen der preußi⸗ ſchen Generale beim Einmarſch in Böhmen ſpeculirten, und ſeit der Regierung des Baron v. Beuſt rumoren die Czechen gegen die neue Ordnung und gaben kürzlich in Prag ſogar bis Profeſſor Herbſt kund, der Mitglied des Miniſteriums der neuen Aera geworden iſt. Die Czechen träumen noch von einem eigenen Reich, einer eigenen Krone, wie zu den Zeiten Podiebrad's, und es iſt ſehr intereſſant, wie dieſes mitten in Deutſchland lebende Volk, welches ſeit vielen Jahrhunderten
zu Emeuten ihren Groll gegen den liberalen deutſchen
ſchon zum deutſchen Reich gehört, in neuerer Zeit nicht nur
wieder zu neuem nationalen Leben erwacht iſt, ſondern ſich auch in der Verzweiflung für den Panſlavismus ſo ſtark be⸗ geiſtert hat, daß es am liebſten die Ruſſen herbeiriefe, um die böſen Deutſchen zu verſchlucken,„was ja doch einmal ge⸗ ſchehen wird“, ſagt der Czech mit Napoleon I., da wir nun
nicht republikaniſch geworden ſind und vorläufig auch wenig
Ausſicht dazu haben.„In funfzig Jahren iſt Europa republi⸗
kaniſch oder koſackiſch“, prophezeite der Gefangene von St.⸗Helena, und das hat ſich der Czech, der für eine Republik keine Natur hat, gemerkt und iſt ſeitdem aus zweihundertjährigem Schlaf zu neuem Leben erwacht und wartet des Reiches, welches zu ihm kommen wird.„Die Deutſchen ſind unſere Todfeinde, gegen die wir uns wehren müſſen“, ſo etwa ſprach im vorigen Jahre der politiſche Hauptführer der Czechen, Rieger, in


