Kuſſe.
Wie vas Alles heranwächſt!“
fentenziös.
Sitten.“
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unſeres lieben Franz, und unſere ganze Familie wird denſelben heute Abend in froher Runde nach Würden feiern.“ Franz belohnte ſie für dieſe liebevollen Worte mit einem
„Auch am 3. Oetober 1571 fand eine Taufe bei uns ſtatt“, fuhr ſie fort,„nämlich diejenige unſeres Cöleſtin.—
„Ja, ja, die Zeit vergeht!“ ſagte Meiſter Denis le Roy
„Wenn man glücklich iſt, verſtreicht ſie nur zu ſchnell, mein Freund!“ entgegnete Guillemette.
„Und glücklich ſind wir Alle hier!“
„Gott ſei gelobt, das ſind wir.“
Franz dachte an die geharniſchten Krieger des Herzogs von Epernon— und die Zeit ſchien ihm unerträglich lang⸗ ſam dahinzuſchleichen.
„Guten Chriſten, rechtſchaffenen Leuten geht der Segen Gottes immer zur Seite“, ſagte der Hauptmann La Ramee. „Ihr habt Euer Glück redlich verdient, Frau Guillemette, und wenn böſe Menſchen fähig wären, es zu ſehen und zu begreifen, ſo würde es gar bald keine böſen Menſchen mehr auf der Erde geben.— Gute Beiſpiele veredeln ſchlechte
„Allerdings und je beſſer die Sitten, deſto beſſer die Geſchäfte“, ſagte der Kronenwirth unter lautem Lachen.„Dem Himmel ſei Dank; ſeit den zweiundſechzig Jahren, daß der Gaſthof im Beſitze unſerer Familie iſt, hat kein ſolcher Ver⸗ kehr darin geherrſcht. Nach Vivonne kommen mehr Fremde, als je zuvor; der Krieg, bringt— uns hat er begütert gemacht. Ich freue mich ge⸗ wiß nicht über fremdes Unglück, das ſei ferne aber ich nehme mein Gutes, wo es mir der liebe Gott ſendet, und ich lobe ihn dafür.“
„Du ſiehſt immer heiter in die Welt, mein Freund“, verſetzte ſeine Hausfrau.„Ich tadle deinen ſtets frohen Muth nicht, allein du verlierſt ganz aus den Augen, daß ſeit den zwei Monden, da unſer König und Herr ermordet wor⸗ den, keine Seele mehr in unſerm Gaſthof abgeſtiegen iſt, und wenn dieſe ſchlechten Zeiten ſo fortdauern, dürften wir leicht unſere zwanzigjährigen Erſparniſſe wieder zuſetzen!“
„Wir wollen nicht gleich verzagen, mein Herzchen die Zeiten werden bald wieder beſſer werden, und mit ihnen der Verdienſt.“
„Ich höre Pferdegetrappel auf der Landſtraße!“ ſagte plötzlich Jakob von Campdaraine.
„Es ſind wol die Bauern, welche vom Jahrmarkt in Poitiers zurückkehren“, entgegnete Simon Garlande.
Franz eilte ans Fenſter und ſtieß einen lauten Ruf der Ueberraſchung und Freude aus.„Es ſind Ritter, Krieger, Edelleute!“ jauchzte er hell auf.
Unverzüglich eilte Alles ans Fenſter, indeß Meiſter Denis die Treppe hinunter lief mit den Worten:„Welches Glück für uns! Siehſt du, Guillemette, daß die Zeiten wieder beſſer werden?“
In der That hielt die Cavalcade der geharniſchten Reiter bald vor dem Gaſthofe„Zu den drei Kronen“ an. Meiſter Denis näherte ſich, das Käppchen demüthig in der Hand, demjenigen von ihnen, welcher ihm der Vornehmſte zu ſein ſchien. Dies war ein Greis von ehrwürdigem Ausſehen, welchen ſein Gefolge nahe, jedoch mit allen Zeichen ehr⸗ erbietigſter Hochachtung umgab.
„Ihr ſeid der Beſitzer dieſes Gaſthofs?“ fragte er mit freundlicher Stimme.
„Ja, gnädiger Herr!“
„Kann man bei Euch einige Erfriſchungen bekommen?“
„Was der gnädige Herr nur befehlen!“
„Steigen wir ab, meine Freunde“, ſagte der Greis zu ſeinem Gefolge, indem er ihnen mit gutem Beiſpiel voranging. „Dieſer entſetzliche Staub hat mir die Zunge ganz ausge⸗ dörrt, und wenn der Gaſtwirth(Zu den drei Kronen» ſeine Verheißung erfüllt, ſo wird das uns Allen ſehr gut thun.“
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welcher Andere an den Bettelſtab
koppelt, und Meiſter Denis führte ſeine Gäſte, indem er ihnen voranſchreitend den Weg zeigte, in den großen Saal, in welchem ſich Frau Guillemette und ihre Geſellſchaft befand. Der Greis,
aber noch feſten Schritten ein, beantwortete den Gruß der fünf Anweſenden mit einer leichten Verbeugung ſeines Hauptes und nahm dann ſeinen Sitz am oberen Ende der großen Tafel, welche Meiſter Denis mit allen Reichthümern ſeiner Vorraths⸗ kammer zu beſetzen ſich beeilte. Vortrefflich bedient, meine Herren; wahrlich, für ein Wirthshaus auf dem Lande ausgezeichnet!“ ſagte der alte Herr, indem er ein junges Huhn zertheilte.„Es hat mir in meinen ſechsundſechzig Jahren nie ſo gut geſchmeckt, als heute!“ „Belieben Sie, dieſen Wein zu⸗ koſten, gnädiger Herr“, ſagte einer der Edelleute,„er iſt in der That ſehr ſchön.“
liches Wirthshaus gerathen!“ entgegnete der Greis. Meiſter Denis ſtrahlte vor Glückſeligkeit; dieſe ſchmeichel⸗ haften Reden ſchwellten ihm das Herz mit freudigem Stolze. „Gnädiger Herr“, ſagte Einer aus der Tafelrunde, zi bitte Sie, den Magen nicht zu überladen!“ „D, ſchweigen Sie, Hippokrates; wenn ich Ihnen folgte, ſo ſtürbe ich jährlich dreihundertfünfundſechzig mal den Hunger⸗
Rolle; ich eſſe mit dem Appetit eines Gefangenen.“
„Ah, gnädigſter Herr“, nahm jetzt einer der Edelleute das Wort,„es ſind jetzt zwanzig Jahre, daß mein Bruder Franz Page in königlicher Hoheit Dienſten war; wer hätte mir damals geſagt, daß ich als Offizier der Carabiniere vom Regiment Saint⸗Tronquet—“
„Einſt noch mein Gefangenwärter werde nicht ſo, Herr von Polignac?“ ergänzte der Greis.„Das wollen Sie doch ſagen!— O, meine Herren, Sie ſind insgeſammt vortreffliche Gefangenwärter; aber Sie müſſen doch auch zugeben, daß ich ein ſehr umgänglicher Gefangener bin!“
„Königliche Hoheit!“ murmelte Guillemette andächtig und bewundernd.
„Ein Gefangener?“ dachte Hauptmann La Ramte,„wer kann dieſer Mann nur ſein?“
Meiſter Denis ſchwamm in einem Meere von Wonne; er ſchien ſich vervielfältigt zu haben; denn noch nie hatte er ſeine Gäſte mit ſolcher Eile und Pünktlichkeit bedient, als heute. „Mein guter Mann, wie nennt Ihr Euch?“ fragte einer der Zecher.
„Le Roy, gnädiger Herr!“*)
Bei dieſer Antwort brachen alle Edelleute in ein ſchallen⸗ des Gelächter aus.
„Le Roy, le Roy!“ wiederholte Der, welcher vorhin „königliche Hoheit“ angeredet worden war.„Le Roy, und als Wirthshausſchild(Drei Kronen?— ah, das iſt vor⸗ trefflich! Der Zufall miſcht ſich ins Spiel, um es ſo luſtig als möglich zu geſtalten.“
haltet Ihr es mit der Ligue oder mit dem König?“
Das Gelächter verdoppelte ſich.
„Mit dem König!“ antwortete Denis
„Mit welchem?“
„Mit dem König!“
„Aber mit welchem?“
„Ei nun, ich denke es gibt nur Einen, meine Herren!“
Während dieſer kleinen Scene hatte ſich Franz von La Ramee den luſtigen Kumpanen genähert, um ihre Rüſtungen beſſer in Augenſchein nehmen zu können. in den Anblick der geharniſchten Männer und beneidete ſie von ganzem Herzen. Der Greis bemerkte ihn und ſtieß plötz⸗ lich einen Ruf des Schreckens und der Ueberraſchung aus; dann erhob er ſich und trat einige Schritte auf den Jüng⸗ ling zu.
le Roy arglos.
Die Pferde wurden an die Ringe in der Mauer feſtge⸗
*) Ein Wortſpiel; le roy heißt bekanntlich„der König“.
welchem die Edelleute ehrerbietig folgten, trat mit langſamen,
„Wirklich, meine Herren, wir ſind da an ein vorzüg⸗
tod. Einmal iſt nicht immer, und ich falle nicht aus der
„Meiſter Wirth“ ſchallte wieder eine Frage,„mit wem
Er vertiefte ſich ganz
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