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alt, da muß man der Jugend Raum laſſen.“
Der Adoptivſohn des Hauptmanns La Ramée zählte achtzehn Jahre. Er war in dem Wirthshauſe„Zu den drei Kronen“ erzogen worden, allein er theilte mit Denen, welche er ſeine Brüder nannte, niemals die Mühen und, Arbeiten ihres Standes. In ſeiner ganzen Erſcheinung gab ſich ein gewiſſes vornehmes Weſen kund; es ſchien, als ſei ſeine feine, aber kräftige Hand nur geſchaffen, den Degen eines Edel⸗ mannes zu führen.— Die gute Guillemette hatte es an mütterlicher Zärtlichkeit gegen ihr Pflegekind nicht fehlen laſſen, und der alte Hauptmann hatte den Jüngling in allen Leibesübungen aufs Trefflichſte unterrichtet. Oft ſagte er zu ſeinem Freunde Jakob mit dem ganzen Stolze eines Vaters und Lehrers:
„Franz iſt der beſte Schläger in ganz Frankreich!“
„Nach Euch!“ gab Campdaraine zur Antwort.
„Ich zähle nicht mehr mit, ich bin bald achtzig Jahre
Der Pfarrer ſeinerſeits hatte ſich des Knaben ebenfalls angenommen; er unterrichtete ihn in Allem, worin er ſelbſt Kenntniſſe beſaß. Aber indem er den Geiſt bildete, hatte er auch die Seele nicht vergeſſen; Franz war, trotzdem überall Spal⸗ tungen und Sekten das Haupt erhoben, ein frommer und eiſriger Katholik geworden.
In dem Dörfchen war er außerordentlich beliebt. Jeder Bauer ſchien ihn zugleich mit dem greiſen Hauptmann und der Kronenwirthin an Kindesſtatt angenommen zu haben.— Mit wohlwollendem Lächeln grüßten ihn die Alten im Dorfe, wenn er in ſeinem beſcheidenen, aber geſchmackvollen Wamms, das zierliche Barett auf dem Seite, ſtattlich daherſchritt; die Frauen nannten ihn nie anders, als„den Sohn des Fürſten“,— hätten jedoch wohl ſchwer⸗ lich angeben können, welches Fürſten; und das Geheimniß ſeiner Geburt, weit entfernt, ihnen als ein Makel zu gelten, umgab ihn vielmehr in ihren Augen mit einer Art von ge⸗ heimnißvollem Nimbus. Seine blauen, ſchönen Augen hatten einen ſeltſamen Glanz; es lag in ihnen ein ſtilles Feuer und wieder eing. gewiſſe ſchmerzliche Entſagung. Es war, als präge ſich in dieſen klaren und tiefen Blicken die Klage aus, in die engen Grenzen eines Dorfes gebannt zu ſein, und oft ſchien es wiederum, als brenne der Jüngling vor Be⸗ gierde, hinauszuſtürmen in die Welt, um ſich den ihm ge⸗ bührenden Platz zu erobern; es ſchien, als male ſich die Zu⸗ kunft groß und glorreich in dieſem Feuerkopfe.
„Ihr ſeid mein Vater!“ ſo redete das Kind des ſchwarzen Hauſes oft den greiſen Hauptmann an,„aber meine Mutter— wer iſt meine Mutter?“
„Guillemette Le Roy“, antwortete der Alte, indem er einen Seufzer unterdrückte.
„Wohl, die gute Guillemette, meine Mutter, weil ſie mit der treuen Zärtlichkeit einer ſolchen für mich ſorgt. Allein bisweilen iſt mir doch, als fülle ſie mein Herz nicht ganz aus; ich empfinde oft eine ſchmerzliche Leere, eine ahnungsvolle Beklommenheit, wenn ich den ſüßen Namen einer Mutter ausſprechen höre. Sagen Sie mir, mein Vater, ob ich ſie erſt im Himmel ſehen werde: und ich will mein Stündlein ruhig erwarten. Dieſe Ungewißheit bricht mir das Herz. O, ich flehe Sie an, lichten Sie den Schleier, welcher meine Kindheit deckt, und ich will Sie ſegnen, als ob Sie mir zweimal das Leben gegeben hätten.“
Der Greis bedeckte die Augen mit der Hand, und Jakob von Campdaraine ergriff die Rechte des jungen Mannes, in⸗ dem er mit einem ſeltſamen Gemiſch von Liebe und Achtung ſagte
„Sehen trüben?“
„O. Verzeihung, Verzeihung!“ rief Franz dann innig aus,„allein mein Drang, dies zu erfahren, iſt zu groß.“
In einer Nacht ward die Einwohnerſchaft von Vivonne plötzlich durch lautes Pferdegetrappel und Waffengeklirr aus dem Schlummer geſchreckt. Durch das ſonſt ſo friedliche Dorf
welche ich innig liebe, iſt
Sie denn nicht, wie tief Sie Ihren Vater be⸗
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Haupte und den Degen an der †
— der Anblick der ſtattlichen Krieger ſchien ihn heftig aufzu⸗ regen; ſeine Augen funkelten von Kampfesluſt, und ohne Zweifel ließ der greiſe Mann ſeine einſtigen Waffenthaten, ſeine glorreichen Siege, die Tage ſeiner Jugend und ſeines Ruhmes vor ſeinem Geiſte vorüberziehen.
„Wer iſt Euer Feldherr?“ fragte er einen Carabinier. „Der Herr Herzog von Epernon.“
„Von wo kommt Ihr?“
„Von Paris.“
„Und was iſt das Ziel Eures Marſches?“ „Angouléme, der neue Regierungsbezirk des Herrn Her⸗ zogs. Er will mit Heinrich von Bearne nichts mehr zu ſchaffen haben.“
Als der letzte Mann der Nachhut an dem ſchwarzen Hauſe vorbeigezogen war, umarmte Franz ſtürmiſch ſeinen Vater und rief:„O wie ſchön iſt es, einen Helm, eine Rüſtung zu tragen! Wie herrlich muß es ſein, zu kämpfen und zu ſiegen! O mein Vater, laß mich hinausziehen in das Feld, hinaus zum blutigen Streite! Oder ſoll der Degen, den ich an meiner Seite trage, in der Scheide roſten?“
„Wackerer Junge!“ rief der Greis, indem er ihn ſtür⸗ miſch an ſein Herz drückte.
Der alte Jakob war vor wenig Augenblicken eingetroffen; er betrachtete die Gruppe in ſchweigender Rührung.
„Ja“, wiederholte der Jüngling enthuſiaſtiſch,„dem Klange der ſchmetternden Trompete möcht' ich folgen— kämpfen, triumphiren!— Wollen Sie mir dazu Ihren Segen geben, mein Vater?“
„Es iſt noch nicht an der Zeit!“ und gewichtig.
„Und wann wird dieſe von La Ramte wieder.
„Hoffen Sie, vertrauen Sie!“
Der Schüler des alten Hauptmanns hatte in jener Nacht ſüße Träume: er befand ſich im Geiſt im Schlachtgetümmel, er hörte das Blaſen der Trompete, das Feuern und das kriegeriſche Geſchrei der Truppen. Er focht mit großer Aus⸗ zeichnung und wurde auf der Wahlſtatt ſieggekrönt zum Ritter und Marſchall von Frankreich erhoben.— Als er erwachte, füllten ſich ſeine Augen mit Thränen, und er ertrug den ſchmerzlichen Gegenſatz ſeines Traumbildes mit der Wirklich⸗ keit nur, indem er ſich die ermuthigenden Troſtesworte des alten Jakob immer und immer wieder ins Gedächtniß zurückrief.
Zu dieſem Manne hegte er eine große Zuneigung er liebte in ihm den alten Kampfgenoſſen ſeines Vaters und lauſchte begierig den Schilderungen aus ſeiner Jugendzeit, wo er noch die Waffe geſchwungen und manchem Feinde den Schädel ge⸗ ſpalten. Der Greis hielt ſich ſtets in den Grenzen ehr⸗ erbietigſter Achtung gegen den Jüngling; er wachte über ihn, wie über einen koſtbaren Schatz, und die Dörfler pflegten ſcherzend zu ſagen, der Alte nehme den Beinamen, welchen die Frauen dem Kinde des ſchwarzen Hauſes gegeben, indem ſie es„Sohn des Fürſten“ hießen, für wirklichen Ernſt.
erwiderte Jakob ernſt
Zeit kommen?“ fragte Franz
6. Der Gefangene von Fontenay.
Um die Vesperzeit des 3. October 1589 ſaßen ſechs Per⸗ ſonen in fröhlichem Vereine im großen Saale des Gaſthofs„Zu den drei Kronen“ beiſammen. Dieſe heitere Tafelrunde beſtand aus Meiſter Denis le Roy, Frau Guillemette, Jakob von Camp⸗ daraine, dem Landmann Simon Garlande, dem Hauptmann La Ramee und deſſen Sohne. Die elf Kinder des Hauſes waren auf dem Felde beſchäftigt. Es war ein prachtvoll ſchöner Tag; der Himmel ſtrahlte im feſtlich reinſten Blau; auf den Gefilden lag des Höchſten Segen; die Sonne vergoldete die Wipfel der Bäume, welche ein leiſer Wind ſäuſelnd bewegte die Vögel ſangen mit heller Stiume ihre Lieder— kurz, die ganze Natur prangte im Feierkleide.
„Ja, morgen haben wir den 4. gute Guillemette,„das iſt der Tag des
October“, ſagte die heiligen Franz und
zogen zahlreiche Abtheilungen von Truppen. Franz eilte zum ſchwarzen Hauſe, er fand ſeinen Vater vor der Thür ſtehend
für uns ein hohes Feſt; denn es iſt S
der Jahrestag der Taufe
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