Ilnſtrirt
es Volksblatt.— Herausgeber Pans achenhuſen
XI. Jahrgang.
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Der Erbe eines Thrones.
Novelle von Hermann Uhde.
(Fortſetzung.)
4. Der achte Engel.„Ich bin es.“
„Und was verſchafft mir zu ſo ungewohnter Stunde die
ls der Klopfer gegen die Hausthür dröhnte, hatte Guille⸗ Ehre Ihres Beſuchs?“ fragte der Gaſtwirth; denn er hatte mette Le Roy ſoeben ihr ſiebentes Kind in ſeine Wiege ge⸗ bisher den Hauptmann nur von fern geſehen und wußte nichts
legt. Sie betrachtete das kleine Weſen mit großer Zärtlic von ihm, als ſeinen Namen. keil, mit Blicken, wie ſie nur einer Mutter eigen ſind ſo„Ich werde es in Eurer Gegenwart zu Frau Guille⸗
Armen entſchlummert, und der undankbare kleine Schelm fühlte„Sie iſt oben; bitte, ſchreiten Sie voran!“ nöthigte höf⸗
innig, ſo beſorgt und ſo muthvoll zugleich. Es war auf ihren mette ſagen.“ gar nicht, wie er ſie verließ, um in die des Schlummers zu lich Denis le Roy.
Der Hauptmann La Ramce trat in das Gemach, wo beſeligten Auge ſpiegelte ſich die ſtille Freude, eine ſo vor- Guillemette den Schlummer ihres Jüngſtgeborenen bewachte. Die ſchöne Wirthin machte ihm eine artige Verbeugung und
5 treffliche Gattin ſein zu nennen. „Hörſt du nicht?“ fragte plötzlich Guillemette.„Es war ſchob ihm einen Schemel hin.
„Frau Guillemette“, begann der Hauptmann, indem er „Du träumſt, mein Herz!“ ſich ſetzte,„wißt Ihr auch, daß man in ſtürmiſchen Nächten Der Klopfer ertönte zum zweiten male. ſeltſame Dinge auf der großen Straße von Vivonne findet?“ „Nein doch— nein, du haſt Recht wie immer, liebes„Und was, Herr Hauptmann?“
Weib!“ fuhr der Gaſtwirth fort.„Aber wer kann zu ſo ſpäter„Seht her!“ „O, das reizende Kind!“ rief das junge Weib im Tone
ſinken. Meiſter Denis betrachtete ſeine Frau, und in ſeinem mir, als ob unten geklopft würde!“
Stunde Einlaß begehren?“ „Ohne Zweifel jener Reiter, welcher während des Sturmes des höchſten Entzückens aus und beugte ſich nieder, um es zu
vorüber kam.“ liebkoſen. „Ganz gewiß nur er. Er wird nirgends ein Lager haben„Faſt ſo ſchön, wie das Eure; nicht wahr?“ finden können, und die Wege ſind jetzt zu ſchlecht, um die„Und Ihr habt das arme, kleine Weſen gefunden?“
nächtliche Reiſe fortzuſetzen!“„Vor kaum zwei Augenblicken!“
„Allein ich habe den Hufſchlag ſeines Pferdes nicht ge⸗„Auf der Straße?“
hört!“ ſchaltete Guillemette ein.„Allerdings; unweit vom ſchwarzen Hauſe. Ihr könnt
„Lieber Himmel, das iſt nicht eben ſeltſam; hatte ich denken, daß mich mein Fund in nicht geringe Verlegenheit 3 doch nicht einmal ſein Klopfen gehört! Doch ich ſchwatze und ſetzte. Zum Glück entſann ich mich jedoch bald auf all das ſchwatze, während ich längſt die gaſtliche Thür der(drei Gute, was Euch das ganze Dorf und hauptſächlich mein Kronen hätte öffnen ſollen!“ Freund Jakob von Campdaraine nachſagt. Ich erinnerte mich Meiſter Denis le Roy eilte die Treppe hinunter. In ferner an die Klänge der Kirchenglocken, welche heute Morgen * der Hand trug er eine Laterne; er öffnete: ein Mann von zur Taufe Eures jüngſten Kindes geläutet haben. So kam 3 hohem Wuchs ſtand vor der Thür des Gaſthofs. ich zu Euch.— Habe ich Recht gethan?“
„Treten Sie ein, mein Herr!“ ſagte höflich der Kronen⸗ Meiſter Denis konnte vor Staunen kein Wort mehr her⸗
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1 wirth. aus bringen; er beſah nur immer mit großem, verwundertem
Der Mann überſchritt die Schwelle. Meiſter Denis ging Auge den Säugling, welchen der Hauptmann La Rameée noch
einen Schritt hinaus und fragte den Unbekannten:„Aber Ihr auf dem Arme hielt.
Pferd, mein Herr?“„Ein Findelkind!“ ſagte er endlich.„Ein Findelkind
„Welches Pferd?“—
6„Nun, ſind Sie denn nicht der Reiter?“„Leider, ja! Ein armes, verlaſſenes Findelkind.“.
—„Betrachtet mich doch“ der Spitzbube von Vater!“ Meiſter Denis hob die Laterne zu dem Geſichte des Sprechers„O die herzloſe Mutter!“ ergänzte Guillemette ihren
empor.„Der Hauptmann La Ramée!“ rief er überraſcht. Gatten.
Wachenhuſen's Hausfreund. XI. 14.


