Jahrgang 
1868
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3 635 ſeine Füße im mächtigen tühlen Rhein, badet und ſeinen Kopf in ſdie Köpfe ſchülteln, da die Zeit gekommen, wo er fällig iſt. n der beſagten Quelle kühlt, was hat das Weißbier bewirkt? Im Der Himmel freilich ſendet die Wein- und Kartoffelfäule, aber des it Gärtners Schuld iſt es, der Birnen auf die Aepfel pfropft, wenn h keins von beiden auf dem Baum wächſt. Gott behüte mich, meinem verehrten Freund Seyfried, dem

hieſigen Polizeidirector, etwas Böſes hiermit geſagt zu haben. Keinen Beſſeren als ihn hätte man wählen können; die Achtung zeigt es, die er ſich überall erworben. Der Dorn vrückt leiver von höher herab und dringt deshalb um ſo tiefer ins Fleiſch.

Aber laſſen wir die Politik. Der König kommt und wird ſchon ſelbſt einmal nach dem Rechten ſehen.

Setzen wir uns in den Curgarten, eins der ſchönſten und

ſtillſten Plätzchen in der Welt, wenn nicht gerade Muſik darin

6 gemacht wird, die leider der frühern bei weitem nachſteht. Die Frankfurter drüben ſind glücklich; dort ſpielt Apoll Parlow vom 3 Regiment, der inmitten des böhmiſchen Kriegsgetümmels uns e Abends Schubert'ſche Melodien zum Beſten gab. Aber ſie ſagen(˙ hier, die Muſik ſei gut, und ſo mag's drum ſein. i Aus den geöffneten Fenſtern des Curſaales dringt das Ge' . klapper der Gold⸗ und Silbermünzen herüber, eine dichte Hecke 3 umgibt die Spieltiſche. Es ſind die Honigſchüſſeln, deren Rand 5 ſich mit lüſternen Fliegen bedect. deutſcheſten aller germaniſchen Gauen, in dem luſtigen und lebens⸗ Geſtern war Sonntag. Du weißt, lieber Leſer, daß die frohen Völkchen, das dem Eroberer der deutſchen Einigung mit blu⸗ Hölle mit dem Himmel ſeit Anbeginn im Proceſſe liegt. Der . tendem aber warmen Herzen entgegenkam, in dem geſundeſten letztere hat nun in demſelben kürzlich einen unbedeutenden Vor⸗ Fleiſch, das nicht wie drüben in Frankfurt mit orientaliſchen theil gewonnen man ſpielt an Sonntagen nicht mehr, weil Speck durchwachſen, in dieſem glücklichen Ländchen iſt gouverne⸗ das unchriſtlich wäre, und die Croupiers haben an dieſem Tage 1 mentaler Misgriff bemüht, die Köpfe mit pieſtiſchem Duſter zu dieſelbe Freude wie die Knaben, wenn keine Schule iſt. Die Spie⸗ umwölten; ſie nehmen die Blätter der Bibel und des Geſang⸗ ler aber fragen wie Luther: warum iſt ein Tag heiliger als der* i buchs, um ſie als Charpie in die noch friſche Herzwunde zu andere? . ſtecken, ſie tödten die Fibern und Faſern in einem Völkchen, das Wenn ich einmal wieder nach Italien komme, muß ich mich . po ſehr geſchaffen, die ſympathiſche Vermittelung zwiſchen Nord⸗ doch erkundigen, ob die Banditen dort am Sonntage auch die 3 und Süddeutſchland zu übernehmen, und wenn es ſtumm und Kaſſen der Reiſenden reſpectiren. verſtimmt iſt, nehmen ſie die preußiſche Elektriſirmaſchine, um Die Roſenzeit iſt eben zu Ende; die Orangen am Teiche 3 eeinen mediciniſchen Proceß zu veranſtalten, den ſie Schonung tragen die ſchönſten Blüten und hauchen frühmorgens ihre ſchön⸗ der berechtigten Eigenthümlichkeiten nennen. ſten Düſte aus. Nur die Brunnentrinkenden, die hier um fünf Uhr 6 Ich bin immer der Meinung geweſen, daß ein preußiſcher ſchon ihre Promenade beginnen, haben den Vortheil davon. Man 3 Landrath eine überaus nützliche Verwaltungs⸗Potenz ſei, ich habe muß ihnen das gönnen; denn die Armen haben allerlei unreine, auch oft geſehen, daß es in ſeiner Hand lag, Segen und Wohl⸗ mit Salzen und Metallen geſättigte Gewäſſer im Leibe und müſ⸗ 5 fahrt zu verbreiten, wenn es galt, ganze Dorfgemeinden zu be⸗ ſen ihre beſtimmte Anzahl Schritte machen, um das Alles in ſich Hrücken, ihrem Nothſtand abzuhelfen, Brücken und Meilenſteine zu verarbeiten. in Ordnung zu halten und für die Wahl geſinnungstüchtiger Ab⸗ Während des Vormittags iſt's ſtill im Curgarten. Sie 1 geordneter zu ſorgen. Aber es iſt trotdem ſchlimm, eine neu eroberte liegen alle in den Badewannen. Nur die Provinz mit einem der Krone angeſtammten Landraths⸗Rayon zu Spieler gehen ab und zu; ſie treten ſo unter⸗ verwechſeln. Es iſt ein leichtes, müheloſes Verfahren, die Grenz⸗ nehmend hinein in das Curhaus und kom⸗ 5 pfähle und Wegweiſer mit neuen Landesfarben anzuſtreichen, es men gerupft wieder heraus. Wenn die 5 genügt ein Maurerpinſel und ein Lineal, um dieſes untergeordnete Bank es Allen recht machte, würde ſie Kunſtwerk zu vollbringen; aber es ſind immer nur die Grenzpfähle, täglich eine Million opfern müſſen, was be⸗ n und die Wegweiſer, die man ſchwarz und weiß gemacht, und tanntlich ihre Beſtimmung nicht iſt. n wenn ihr es ſelbſt verſtändet, mit rafaeliſcher Meiſterſchaft die Es fehlt noch an Hriginalen, an charakte⸗ herzen der Naſſauer anzumalen, ſie dulden es vielleicht wie die riſtiſchen Phyſiognbmien und rabbiaten Spie⸗ ſt Brenzpfähle und Meilenſteine, aber ihr ſchafft euch gerade nur lern. Wol ſieht man ein Dutzend penſio⸗ Dulder, die ihre Pflicht erfüllen. Ihr macht es wie die Fran⸗ nirter franzöſiſchen Loretten an den Tiſchen, ie zoſen mit den Arabern Algeriens, die ſie gewaltſam mit dem auch einigeProfesseurs, die den ganzen Chriſtenthum übertünchen und endlich dahin gebracht haben, daß Winter hindurch über ein neues, unfehlbares ſie nicht Mohammedaner, nicht Chriſten, ſondern Kannibalen ge⸗Syſtem nachgeſonnen; aber es geht ihnen worden ſind. 2 wie in allen induſtriellen Zweigen: den Leuten, welche Ideen und Ich bin ſelber Preuße und vielleicht einer der beſten, weil Courage haben, fehlt das Geld. ich ein offenes Auge für unſere Schwächen habe. Ich kenne die Wo ſind die Bojaren, die Ruſſen und Walachen, die hier Naſſauer und liebe in ihnen eins der geſundeſten deutſchen Voölk⸗ Millionen verſpielten; wo iſt die Zeit des großen Garcia geblie⸗ 3 chen, das Herz und Kopf auf dem rechten Fleck hat. Sie ſind ben. Nur die alte ruſſiſche Gräfin K., die in Homburg ſchon ees, die ſich am willigſten in die neue Ordnung der Dinge ge⸗ ganse Straßen angekauft und wieder verſpielte, dieſe alte, auf 3 die Seite gelegte Fregatte läßt ſich in ihrem Rollſtuhl von zwei 2

ſchickt haben, die Preußen am bereiteſten entgegen gekommen; ſie ſind es, die am beſcheivenſten auf die Segnungen des neuen Re⸗ Leibeigenen regelmäßig heran fahren. Es geht ihr wie dem

alten Seemann, der das Meer ſehen muß, ſelbſt wenn er nicht mehr ſegeln kann. Auch einige Table⸗d'hote⸗Majore, die unverändert imPariſer Leben debütiren könnten, bewegen ſich ab und zu; aber auch ſie gehören zu den kleinen Nagethieren, die der Bank am gefähr⸗

ihnen nicht ſagen: leſt die Bibel, ſo werden euch die Steuer⸗ ſchmerzen vergehen. Es iſt mir nie erklärlich geweſen, warum man nicht beſorgt

gimentes gewartet, aber ihr ſollt ſie nicht dafür veraſchenbrödeln,

war, geniale Verwaltungsbeamte in die neuen Provinzen zu ſen⸗

. den, an denen es doch in Preußen nicht fehlt. Ich habe mit lichſten. Sie kommen, um ſich täglich einen oder zwei Louisdor der Politik nichts zu ſchaffen, aber ich ſehe und höre hier täglich, zu gewinnen und damit ihren Aufenthalt zu beſtreiten. 5 doß ſelbſt diejenigen, welche den Wechſel mit Freude begrüßten, Der Vormittag iſt die ſtille Verſammlungszeit der Rollſtühle &